Im Tal der Blumen… und des Bärlauchs

Am heutigen Karfreitag ging es bei durchwachsenem Wetter auf eine kleine, mit ca. 9 Kilometern ausgeschriebene Familienwanderung, die auf einem Rundweg zwischen Kelmis und Lontzen durch das benachbarte Belgien bzw. die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens führt. Die Wanderung „Im Tal der Blumen“ sollte es sein, die am Casinoweiher in Kelmis, ca. 15 Autominuten vom Zentrum der Stadt Aachen, startet. Hier gibt es in der Casinostraße kostenlose Parkplatze und auch wir stellen unser Auto dort ab.

An der Einfahrt zur Casinostraße biegen wir links auf den Uferweg des Casinoweihers ein, den man zu Zeiten des Bergbaus dazu nutzte, um das Zink aus den Steinbrüchen auszuwaschen.

Verschüttete Schächte im alten BergbaugeländeWir folgen dem Schotterweg, bis wir über eine kleine Brücke die alten Gemäuer der ehemaligen Grube erreichen. Dabei passieren wir die Galmeihalden, die zusammen mit dem Casinoweiher ebenfalls stumme Zeugen der Bergbaugeschichte im Göhltal sind. Die etwa 7 Hektar großen Galmeihalden gehören erst seit Kurzem zum Naturschutzgebiet „Vieille Montagne – Altenberg“ und auf ihren schwermetallhaltigen Böden gedeihet eine ganz besondere Flora, die sogenannte Galmeiflora. Die für das Frühjahr in der Beschreibung der Wanderung versprochenen Galmeiveilchen und den Aachener Schwingel bekommen wir leider nicht zu sehen.

Kletterwand des DAV AachenZur linken Seite des Weges sehen wir durch die Bäume eine Felswand, an der ein paar Kletterer den Weg nach oben suchen. Dass hier der DAV Aachen eine öffentliche Kletterwand betreibt, war mir bis dato auch nicht bekannt. Wir bleiben eine Weile stehen und schauen den Kletterern zu, bevor wir uns aufmachen in Richtung Eyneburg.

Hinter einer Mauer der Eyneburg erblicken wir ein großes Feld Bärlauch und zum Glück habe ich immer eine Plastiktüte zum darauf sitzen oder für den Abfall dabei. Diese wird heute mal anderweitig zweckentfremdet und dient uns fortan als Transporttasche für unser Abendessen. Während Doris Bärlauch pflückt, erkunden Greta und ich das alte Gemäuer der Burganlage. Leider finden wir nirgendwo ein Loch, denn hinter der Mauer wächst zur linken Seite so viel Bärlauch, dass man nur mit der Hand am Boden entlang fahren und die Ernte in die Tüte stecken muss.

Im Tal der BlumenWir wandern als ein kleines Stück weiter hinauf zur Eyneburg, die märchenhaft in der Wald- und Wiesenkulisse liegt. Bevor wir die Burg erreichen, biegen wir nach links zu einer Obstwiese ab und wählen vor der Wiese des Weg nach rechts. Von nun an geht es auf schmalen Wegen durch den Gippenhaager Busch und den Gemeindewald Kelmis, bis wir eine asphaltierte Straße erreichen, der wir einige hundert Meter folgen, bis uns ein Schild den Weg in Richtung Astenet weist. Ab hier geht es durch einen Hohlweg bergab, bis wir eine große Weidefläche erreichen. Eine kleine Brücke führt uns über den Lonzenerbach und wir schauen über die Wiesen hinweg auf das wuchtig anmutende Bauwerk des Katharinenstifts.

In diesem Teil Belgiens kenne ich es nicht anders, als dass Wanderwege häufig über die Wiesen der Bauern führen. Durch Drehkreuze oder andere, für das Vieh unüberwindbare Durchgänge, gelangt man so von Weidefläche zu Weidefläche und so arbeiten auch wir uns langsam vor in Richtung Astenet. Als wir dort das letzte Drehkreuz dieses Teilstücks passieren, blicken wir direkt auch Schloß Thor, das im Jahr 1626 erbaut wurde. Der Toreingang wurde von dem berühmten Aachener Architekten Johann Joseph Couven für die Walhorner Familie Heyendal erbaut, was dem ganzen Anwesen daraufhin den Namen „Haus Thor“ bzw. „Château Thor“ verlieh.

Wir wandern durch Astenet und erreichen kurz darauf den Katharinenstift. Wir umrunden das gewaltige Gebäude zur Hälfte und müssen kurz überlegen, wo der Weg weiter gehen könnte, denn die ursprüngliche Brücke ist mit Flatterband abgesperrt. Es geht durch eine kleine Hecke und über weitere Wiesen hinauf nach Lontzen. Über den Mühlenweg, von dem wir nach einer Weile rechts abbiegen wandern wir leicht bergab einen Baumlehrpfad entlang zur Waldstraße. Hier biegen wir schon nach kurzer Zeit nach einer Kurve scharf nach rechts ab. Nachdem wir an der nächsten Möglichkeit wieder rechts abgebogen sind, überqueren wir den Hohnbach und tauchen in das Hohnbachtal ein.

Bärlauchfelder im HohnbachtalAm Ende einer großen Wiese erblicken wir ein riesengroßes Bärlauchfeld. Je mehr wir uns dem Feld nähern, desto intensiver kriecht uns der Geruch schon in die Nase. Ein Bärlauch-Paradies! Wir pflücken so lange, bis die Plastiktüte voll ist und überlegen uns die dollsten Rezepte für unser Abendessen.

Durch das ehemalige Bergbaugelände im Hohnbachtal wandern wir eine ganze Weile am Lonzenerbach vorbei, bis wir den Oskarstollen erreichen, der unter anderem zur Entwässerung der Grube Schmalgraf diente. Von hier an geht es über schmale Holzstege zurück in Richtung Kelmis. Einige Zeit folgen wir den GrenzRouten, die ebenfalls hier verlaufen. Nachdem wir am Rand einer Viehweide entlang gewandert und wieder in den Forst eingetaucht sind, erreichen wir bald das gemauerte Tor am Nellessen-Wappen, das wir bereits zu Beginn der Wanderung gesehen haben. Von hier aus geht es über den bereits bekannten Weg am Ufer des Casinoweihers zurück zum Auto.

Bärlauch-PestoZu Hause angekommen machen wir uns in der Küche sofort an die Zubereitung des gepflückten Bärlauchs. Es wird gehackt, zerkleinert, püriert und abgeschmeckt und am Ende kriegen wir sechs Gläser Bärlauch-Pesto zusammen. Da wir das nicht alles alleine essen können, wird sich der Freundes- und Bekanntenkreis sicher über ein kleines Geschenk freuen.

Fazit

Diese Wanderung, die mit ca. 9 Kilometern ausgeschrieben ist, eignet sich hervorragend für einen kurzen Familienausflug. Allerdings sind wir – warum auch immer – auf ca. 11 km Wegstrecke gekommen. Mit Kind und Rückentrage haben wir ca. 3 Stunden gebraucht.

Der Weg gestaltet sich sehr abwechslungsreich und von Schotter über Asphalt bis hin zu Singletrails ist alles dabei. Wer auf belgische Wegführung über Wiesen steht, kommt hier auch auf seine Kosten. Hier gilt es allerdings, stets Ausschau nach den Markierungen (grünes Rechteck) zu halten, die sich meistens an einem Baum oder ähnlichem auf der anderen Seite der Wiese befinden.

Weitere Bilder von der Wanderung

2 Kommentare

  1. marina savelsberg 6. Mai 2014 at 19:39 - Reply

    Huhu, das sieht richtig toll aus. Kannst du die Wanderung auch für Eltern mit Kinderwagen empfehlen?

    Grüße
    Marina

    • Hi Marina,
      mit dem Kinderwagen würde ich da nicht lang fahren. Dafür sind zu viele Passagen auf der Route, wo man den Wagen tragen müsste. Wir hatten eine Trage für auf den Rücken dabei. Damit kommt man überall durch ;-)
      Liebe Grüße
      Axel

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