„Schöner Strunx“ im Fischbachtal

Auf einer kurzen Wanderung sollte es nach den Weihnachtsfeiertagen und den dazu gehörigen Fressgelagen endlich mal wieder an die frische Luft gehen. Ohne große Vorplanung machten wir uns auf in Richtung der Orte Vicht und Zweifall, die nicht weit von meiner Arbeit entfernt sind. Dort wollten wir ein wenig die Wälder erkunden – und so fiel unsere Wahl auf das Naturschutzgebiet Fischbachtal südlich von Süssendell.

Vom Ort Vicht aus geht es mit dem Auto über die Fischbachstraße in den dichten Forst, bis wir links auf die Straße „Süssendell“ abbiegen. Zwar befindet sich an dieser Kreuzung ein Wanderparkplatz, jedoch kannte ich vom vorbei fahren noch einen weiteren Parkplatz an einem alten Forsthaus. Hier parken wir unsere Familienkutsche und studieren kurz die Wanderkarte. Da wir völlig unvorbereitet unterwegs sind, entscheiden wir uns für einen der längeren Rundwege durch das Fischbachtal und folgen dem mit „A3“ ausgeschilderten Weg, der unmittelbar neben dem Forstdienstgehöft Alt-Süssendell in den Wald führt.

Rund um Süssendell

Forstdienstgehöft Alt-SüssendellDas Forstdienstgehöft Alt-Süssendell, das ich bisher ebenfalls nur aus dem fahrenden Auto kannte, wurde 1829 als Hilfsförstergehöft nach einem Typengrundriss der preußischen Bauverwaltung erbaut und 1878 um Scheune, Stall, Waschhaus und Backhaus erweitert. Es ist eines der ältesten preußischen Forstgehöfte im Rheinland und somit Zeugnis für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Forstbediensteten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert. Idyllisch liegt es mitten im Forst und wird heute privat bewohnt. Ein Stück weiter die Straße hinauf und in Sichtweite liegt das ehemals über die Grenzen der Region hinaus bekannte „Restaurant Süssendell“, zu dem mein Schwiegervater im Vorbei gehen ein paar Anekdötchen erzählen hat. Leider steht das riesige Gebäude mit Hotelzimmern und zwei Bediensteten- oder Ferienhäusern seit vielen Jahren leer und wartet darauf, endlich wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Ab ins Fischbachtal

Nachdem wir einige Meter entlang der (vermutlich) zum alten Forsthaus gehörenden Wiese gewandert sind, begeben wir uns in Richtung Südwesten und somit zum Naturschutzgebiet Fischbachtal. Es geht noch einmal durch den dichten Forst, bis wir an eine weite Wiesenlandschaft kommen. Hier verweilen wir ein bisschen und üben uns in Geographie: „Da hinten muss doch Hürtgenwald sein, oder?“ – „Nee, da ist Stolberg.“ – „Ach, dann müssten wir ja den Funkmast sehen.“ – „Stimmt.“ – „Aber hier vorne ist wieder Vicht.“ – „Och stimmt. Ist ja ein Rundweg.“

NSG Großer und Kleiner KranzbergVom Waldrücken nördlich vom Fischbachtal lassen wir den Blick weiter nördlich in Richtung des Naturschutzgebiets Großer und Kleiner Kranzberg schweifen und beobachten mit unserer kleinsten Wanderin die Pferde auf ihren Wiesen. Dann geht es weiter an den Pferdekoppeln vorbei über den schmalen Pfad, bis wir den Ort Vicht (bzw. richtigerweise den Teilort Stollenwerk) und die Fischbachstraße erreichen, auf der wir zuvor schon in Richtung Süssendell gefahren sind. An einem Wohnhaus vorbei erreichen wir nach gut 2 Kilometern den mit 244 Metern niedrigsten Punkt der Wanderung durch das Fischbachtal.

Die Fischbachstraße verläuft hier komischerweise in zwei verschiedene Richtungen, wir folgen jedoch dem weißen Schild mit der schwarzen „A3“ vom Eifelverein OG Stolberg in die Richtung, die wir noch nicht befahren haben. Vorbei an Häusern, die tief im Wald liegen, gelangen wir an eine Wegkreuzung. Hier folgen wir wieder den Schildern und passieren eine Schranke. Der Weg führt hier an einem der letzten Häuser an der Fischbachstraße vorbei, nur ein Arm des Fischbachs trennt uns vom Privatgrundstück.

„Schöner Strunx“ im Fischbachtal

Der bisher – auch bei dem bedeckten Wetter – schöne und ruhige Weg verwandelt sich nach nur wenigen Metern in ein Schlammbett. Während ich mich mit Greta in der Trage und dem Gedanken „Klamotten kann man waschen – also durch!“ im Kopf über den tiefen Morast aufmache, hilft Doris ihren Eltern dabei, von einer halbwegs trockenen Stelle zur anderen zu hüpfen. Offensichtlich haben Wildschweine hier in Kombination mit dem Grundwasser des Fischbachs ihr Unwesen getrieben und nach Futter gesucht. Tiefe Furchen durchziehen den Weg und nach nur etwa 150 Metern höre ich es hinter mir: „Schöner Strunx im Fischbachtal“. Von einer Sekunde auf die andere ist die weihnachtliche Wander-Stimmung gekippt. Gretchen und ich stimmen Wanderlieder an, während von hinten immer wieder zu hören ist „Schöner Strunx hier im Fischbachtal!“.

Spaß im FischbachtalZur Erklärung: „Schöner Strunx“ wäre aus dem Aachener Platt ins Hochdeutsche, wenn auch nicht ins ganz feine Deutsche mit „Schöne Scheiße“ zu übersetzen. Und obwohl Schwiegermutter versucht, Schwiegervater mit Durchhalteparolen bei Laune zu halten, haben wir alle mächtig Spaß bei der Pratscherei. Greta am meisten, denn sie sitzt trockenen Fußes in der Trage und schaut sich das Spiel belustigt an.

Der Weg zieht sich etliche Meter und ich, der vorneweg versucht, Kind und Kegel durch das Matsch-Abenteuer zu lotsen, frage mich allmählich, warum ich keine Schilder mehr sehe. Dabei versuche ich, mir nichts anmerken zu lassen, denn die drei Erwachsenen hinter mir sind zu sehr mit der Suche nach „trockenen“ Stellen auf dem Weg beschäftigt, als dass sie sich jetzt noch darum kümmern könnten, Ausschau nach der Wegmarkierung zu halten. Nach einem guten Kilometer durch den teilweise knöcheltiefen Morast erreichen wir einen befestigten Forstweg und allgemeines Aufatmen ist angesagt. Kurz wird verglichen, wer wohl die dreckigste Hose hat. Und dann kommt die Hiobsbotschaft: Der Weg führt nicht weiter entlang des befestigten Forstweges, sondern direkt gegenüber wieder in den Schlamm. Ein allgemeines Seufzen macht die Runde und wir machen uns auf in die zweite Matsch-Etappe.

Gute 300 Meter geht es noch mal durch immerhin nicht mehr ganz so tiefen Schlamm, bis wir an eine Weggabelung gelangen. Aber wo geht es jetzt weiter? Notfalls geradeaus, wenn kein Schild zu finden ist. Und nur ein paar meter gabelt sich der Weg wieder. Hier finden wir dann auch wieder ein Schild und biegen nach links ab. Ein paar hundert Meter weiter erreichen wir die Fischbachstraße, die wir zuvor entlang gefahren sind. Wir beschließen, der Straße weiter zu folgen, anstatt Ausschau nach der Wegmarkierung zu halten, und erreichen nach wenigen Minuten den Wanderparkplatz an der Straße „Süssendell“, den wir vorher links liegen gelassen haben. Dort biegen wir ab und gehen noch einmal etwa 5 Minuten bis zum Auto. Völlig dreckig, aber gut gelaunt machen wir uns auf den Heimweg.

Das Naturschutzgebiet Fischbachtal und Unterster Fischbach

Das 5,89 ha große Gebiet umfasst einen Buchenwaldkomplex zwischen Süssendell und Zweifall und gehört zur nördlichen Vennabdachung des Rheinischen Schiefergebirges. Das Naturschutzgebiet umfasst Teile eines Bachtales nordöstlich des 308,2 Meter hohen Burgberges bei der Ortschaft Vicht-Stollenwerk. Im Ort Vicht mündet der Fischbach in den Bach, der ebenfalls den Namen „Vicht“ trägt.

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