Being Annika K. – Mein erster Halbmarathon

Und da stand ich. Mitten im Brooks Office im Olympiastadion von Amsterdam. Beim Blick aus den bodentiefen Fenstern konnte ich sie sehen, die Ziellinie des Amsterdam Marathons. Aber der Reihe nach.

Warum war ich eigentlich hier? Mein Partner Brooks hatte zum gemeinsamen Treffen nach Amsterdam geladen, da wir an diesem Wochenende mitten im Oktober nicht nur das Office besuchen, sondern auch unsere Kollegen aus dem „Ambassador of RunHappy“-Team kennen lernen sollten. Und da zeitgleich auch der Amsterdam Marathon stattfand, ließen einige der Kollegen es sich nicht nehmen, diesen auch mit zu laufen. Ich hatte mich im Vorfeld gepflegt rausgehalten, als die Wildcards für den Lauf aufgeteilt wurde. Einen Marathon würde ich eh nicht überleben, den Halbmarathon hatte ich mir für das Jahresende oder den Frühling vorgenommen. Also, so war der Plan, würde ich die Blogger-Kollegen lieber vom Straßenrand aus anfeuern. Aber manchmal muss man Pläne halt einfach über Bord werfen.

Amsterdam-HalbmarathonJa, da stand ich also. Beim Blick nach draußen sah ich immer wieder den Zieleinlauf. „Ich hätte vielleicht noch einen Startplatz für den Halbmarathon. Meine Freundin kann morgen leider nicht“, höre ich eine der Brooks-Mitarbeiterinnen in die Runde sagen. Hat sie das gerade wirklich gesagt? Halbmarathon? Das wär doch was für mich! Aber schaffe ich das?

Mit der ganzen Blogger-Truppe geht es erst einmal auf die Marathon-Messe, was meine Lust auf den Lauf noch steigert. Überall Menschen, denen die Freude auf den Marathon ins Gesicht geschrieben steht. Ein Musik-Truck vor dem Gebäude feiert die Menschen, unglaubliche Massen an Menschen. Das ganze Drumherum ist beeindruckend.

Nach der Messe ist es so weit. Ich nutze den Moment und frage Nicole, so heißt die Mitarbeiterin nämlich, deren Freundin am Tag des Laufs verhindert ist, ob ich eventuell für ihre Freundin starten kann. Ich? Jetzt im Ernst? Einen Halbmarathon bin ich vorher noch nie auf Zeit gelaufen, die Distanz habe ich erst zwei Mal überlebt geschafft. Bin ich eigentlich verrückt? Den ganzen Tag über geht es so hin und her: Schaffe ich das? Ja, ich schaffe das. Schaffe ich das? Ja, ich schaffe das. Schaffe ich das? Ja, ich schaffe das.

Beim gemeinsamen Abendessen im Café Schinkelhaven ist alles klar. Nicole hat mit ihrer Freundin gesprochen und überreicht mir die Startunterlagen, die ich natürlich sofort begutachten muss. Hehe, jetzt gibt’s kein Zurück mehr. In 14 Stunden ist Halbmarathon-Time, baby! Ich nehme die Startnummer aus der Tüte und darauf steht – wie soll es auch anders sein – der volle Name der ursprünglichen Starterin: Annika K. Zurück im Hotelzimmer recherchiere ich noch ein bisschen, ob eine Ummeldung noch möglich ist, allerdings ist es dafür bereits zu spät. Nun gut, dann bin ich morgen halt Annika K. Ob das jemand auffällt? Und warum um alles in der Welt habe ich mich nur für den freien Startplatz gemeldet?

Warum um alles in der Welt habe ich mich nur für den Startplatz gemeldet? Das frage ich mich auch morgens noch, als ich nach einer ziemlich kurzen Nacht im Hotelzimmer aufwache. Erst jetzt realisiere ich gänzlich, dass ich gleich einen Halbmarathon laufen werde. Race Day!

Habe ich mich gestern noch damit beschäftigt, ob es eine gute Wahl war, so spontan bei einem Halbmarathon anzutreten, frage ich mich gerade eher praktische Dinge wie „Wie komme ich eigentlich gleich zum Olympiastadion?“ Mit dem Auto? Das wär ziemlich verrückt. Mit der Bahn? Und dann mit nassen Klamotten wieder zurück? Nee, auch doof. Also entschließe ich mich zu einer alternativen Anreisevariante. Ich checke schnell aus dem Hotel aus und verstaue meine Reisetasche im Auto. Dann miete ich mir im fertigen Laufdress und bereits mit Startnummer auf der Brust ein Hollandrad an der Hotelrezeption und mache mich auf den Weg zum Startpunkt. Und bereits unterwegs feuern mich die ersten Menschen an: „Go, Annika, go!“

Am Olympiastadion geht alles irgendwie ganz schnell. Fahrrad abstellen, Schlüssel verstauen und ab zum Startbereich. Annika hat sich in den ersten Startblock einsortiert, dem mit der Zielzeit von 1:40:00. Das werde ich nicht schaffen, aber es fühlt sich ziemlich crazy an, bei so einem großen Lauf in Sichtweite zum Start zu stehen. Und jetzt gibt es kein Zurück mehr. Wirklich keins mehr.

Amsterdam Halbmarathon

Nach 12 Minuten im Startbereich fällt der Startschuss und es geht los. Ich lasse mich von vornherein nicht von den anderen Läufern mitziehen, da mir bewusst ist, dass die Läufer in meinem Startbereich eine völlig ambitioniertere Zielzeit anpeilen. Dennoch stelle ich nach 3 km fest, dass ich mit ca. 4:55 viel zu flott unterwegs bin. Allerdings fühle ich mich ziemlich gut dabei und lasse mich jetzt bewusst ein bisschen von den Mitläufern antreiben. „Wenn du über die gesamte Strecke unter 5:30 läufst, ist das schon gut“, denke ich mir die ganze Zeit und bin um so erstaunter, dass ich auch nach 10 km etwas um die 5:10 laufe. Mensch, das fetzt ja!

Die Samba-Combos und andere Musikgruppen am Rand der Strecke tragen sicher dazu bei, dass es einfach so läuft. So richtig #runhappy bei meinem ersten Halbmarathon ever. Immer wieder sehe ich am Straßenrand Musik-Acts, die in Deutschland schon während der Idee dazu vom TÜV dem Erdboden gleich gemacht würden: Zum größten Teil verdecklose Autos, die mit ordentlich Wumms ausgestattet sind und in denen ein DJ steht und die Meute antreibt. Was das anbelangt, muss man gestehen: Die Holländer wissen zu feiern.

Die Beats treiben mich aber super an und die Stimmung trägt mich immer weiter. Auch die Menschen am Straßenrand rufen immer wieder „Go, Annika, go!“. Ein grandioses Gefühl, auch wenn ich nicht Annika bin. Aber ich weiß ja, wie sie’s meinen ;-) Das einzige, was nicht so dolle läuft, ist die Sache mit der Körperwärme. Da ich ja völlig spontan zu diesem Event gekommen bin, habe ich außer meiner Brooks Drift Shell nichts mit langen Armen dabei. Zwar stellte sich schon wenige km nach dem Startschuss heraus, dass ich gar nichts langärmeliges brauche, aber nun ist es mal so und mir läuft der Schweiß, der sich unter der vollgummierten Regenjacke bildet, an den Armen herunter bis zu den Fingerspitzen. Bah!

Aber so lange es läuft, will ich nicht meckern. Der Asphalt in Amsterdam ist dankbar, denn Höhenmeter kennen die Holländer nicht. Und so laufe ich nach 18 km in den Vondelpark – und dann passiert es: Wie von Geisterhand werden meine Beine schwer und ich muss hart kämpfen, um das Tempo aufrecht zu halten. „Go, Annika, go!“, höre ich immer wieder. Mit zusammen gebissenen Zähnen spule ich die letzten Kilometer ab und erreiche nach 1:50:00 den Punkt, ab wo ich das Olympiastadion sehen kann. „Jetzt nicht nachlassen“, sage ich mir immer wieder leise und halte mein Tempo, bis ich den Zieleinlauf passiert habe.

Man muss meinen Freudenschrei – glaube ich – bis auf die Ränge des Stadions gehört haben, als ich nach 1:52:21 wirklich über die Ziellinie laufe. Jemand hängt mir eine Medaille um, ich schnappe mir einen Plastikumhang, der mich vor dem Auskühlen schützen soll und bleibe noch ein paar Minuten im Zielbereich stehen. Ich schaue durch das Stadion und realisiere dabei, dass ich gerade den ersten Halbmarathon meines Lebens gelaufen bin. Crazy!

Amsterdam-Halbmarathon

Ich schmeiße mich auf das ausgeliehene Fahrrad und radel zurück zum Hotel. Dort gebe ich das Rad ab, ziehe mich im Auto um und fahre nach Hause – mit einem dicken Smile im Gesicht.

Danke an dieser Stelle noch einmal an Brooks für das tolle Wochenende, an Nicole für das Vermitteln des Startplatzes, an Annika (unbekannterweise) für den Startplatz, an Carmen für die Gels und an alle anderen #Runhappy-Kollegen für’s Mut zusprechen. Es war ein grandioses Wochenende mit einer noch grandioseren Halbmarathon-Premiere.

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5 Kommentare

  1. Das liest sich ja ganz großartig! Herzlichen Glückwunsch zu dieser schönen Halbmarathon Premiere. Schön, dass es unterwegs auch so viel Unterstützung gab. Das ist Gold wert.

      • Logisch. Das musste ja so enden ;)

        Nächste Woche noch einmal 18km, zu dieser Zeit im Jahr. Das ist ja auch nicht schlecht. Da halte ich dir die Daumen und wünsche dir viel Spaß. Anschließend genieße dann schön die wohl verdiente Pause.

  2. BÄMM! Wenn das mal keine gelungene Premiere war! :) Da hat sich Amsterdam dann doch gleich doppelt gelohnt, oder? Glückwunsch noch nachträglich.

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