Wie alles begann…

Gestern bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen und das Glücksgefühl hält irgendwie immer noch an. Ich habe es tatsächlich geschafft. Wahnsinn! Vielen lieben Dank auch an alle, die fleißig bei Twitter, Facebook und im Blog kommentiert haben und mich ermutigt haben, weiter zu machen.

Carsten von Fastpacking fragte mich via Twitter nach meinen kurzen Beitrag zu meiner 21 Kilometer-Premiere:

 

Tja, wie bin ich denn eigentlich zum Laufen gekommen? Und wie habe ich es dann geschafft, die Distanzen irgendwann zu verlängern? Ich hole mal etwas aus:

Und es war Sommer

In den Sommerferien 2008 war ich mit meiner Jugendgruppe für 4 Wochen auf der Wildenburg in der Eifel, um dort kreativ zu arbeiten und meine Ferien als Betreuer mit meinen Freunden zu verbringen. Eines abends unterhielt ich mich mit einer langjährigen Freundin, die bereits mehrere Jahre Marathon-Erfahrung hatte. Anna war bereits seit Beginn der Ferienfreizeit morgens früh auf den Beinen, um vor dem Frühstück ihre Runden zu drehen. Und als wir so über ihr Training und die Distanzen sprachen, war ich ein Wenig angefixt. Sie bat mir an, mich morgens mitzunehmen, mich, den moppeligen Kettenraucher. „Ob die weiß, was sie sich da antut?“ habe ich mich gefragt, denn ich würde ihr eher ein Klotz am Bein sein als eine nette und gleichwertige Laufbegleitung. Und sie wusste, was sie tat.

In T-Shirt und kurzer Hose, ausgelatschten Adidas-Tretern und voller Motivation stand ich am nächsten Morgen um 6 Uhr in der Früh am Brunnen im Hof der alten Burg und wartete auf Anna, die mit ihren beiden Hunden und in kompletter Laufklamotte bald auch eintraf. Ein bisschen unsicher war ich schon, denn wir wollten eine Strecke laufen, die ich bereits von unseren Nachtwanderungen kannte. „Das ist doch alles voll steil hier. Und 4 km schaff ich doch auf keinen Fall“ gab ich zu bedenken, doch Anna kannte kein Pardon. Es ging sofort los. An der Landstraße hinab bis ins Tal und nach gut 1 km wartete auch schon der erste krasse Anstieg auf mich. Uff. Keine 100 m schaffte ich, dann musste ich pausieren.

Anna wusste, wie sie mich antreiben konnte. Jeden Morgen um 6 Uhr trafen wir uns an dem Brunnen im Hof und drehten unsere Runde. Immer wieder die selbe Strecke. Mittlerweile hatte ich mir andere Klamotten von zu Hause mitbringen lassen und sah nicht mehr ganz so underdressed neben Anna aus. Wir unterhielten uns während der Läufe, was sich nachher als Trick von Anna herausstellte, um meine Atmung zu kontrollieren. Immer, wenn ich stehen bleiben wollte, feuerte Anna mich an – und ich blieb gerne an Punkten stehen, wo ich am Vortag auch schon mal eine Pause eingelegt hatte: Nach einem Ansteig, an Wegkreuzungen usw. Doch von Tag zu Tag wurden die Pausen weniger. Hatte ich einen dieser Pausenpunkte überwunden, gab’s ein Kompliment. Jaaaaaa, sie wusste, was sie tat.

Nach – ich glaube – drei Wochen musste Anna abreisen. Die letzte Woche in der Eifel drehte ich also alleine meine morgendlichen Runden. Und das mit immer besseren Zeiten und immer weniger Pausen. Stolz erzählte ich Anna davon und sie schlug prompt vor, doch bald mal den ersten Lauf anzugehen.

Die ersten Volksläufe

Peter und Paul LaufEs kam, wie es kommen musste: Es hatte mich gepackt. Zwar immer noch relativ moppelig, aber voller Motivation meldeten wir uns für die ersten Läufe an. Der erste Lauf war ein Spendenlauf, bei dem ich nur zufällig mitmachte. Beim Peter-und-Paul-Lauf in Düren waren wir (Anna, Martin und ich) als Dreiergespann für die Kinderbelustigung gebucht. Und vorsorglich hatte ich meine Laufsachen eingepackt. Da standen wir neben der Aschebahn und sahen dabei zu, wie hunderte Läufer ihre Runden drehten und Geld für ein Projekt von Peter Borsdorff sammelten. Irgendwann meldete ich mich bei meinen Kollegen ab und lief einfach mit. Bei gefühlten 32 Grad drehte ich in der aufgewirbelten Asche eine Runde nach der anderen. So kam ich auf insgesamt 15 km und war stolz wie Holz, so eine lange Distanz geschafft zu haben. Das nahm ich schon damals zum Anlass, von meinem ersten Halbmarathon zu träumen, wie hier zu lesen ist.

Aachener Vital LaufEs folgte mein erster wirklicher Wettkampf, der dank eines Streckenpostens vollends in die Hose gegangen ist. Beim Vital-Lauf in Aachen hatte einer der Posten gepennt und die ganze Läuferschar in die falsche Richtung geleitet. Vielen Dank! Das sollte mich aber nicht daran hindern, mich im Folgejahr noch einmal für den Lauf über 5 km anzumelden. Diesmal lief alles rund. Auch beim Tivoli Lauf war ich im Jahr 2010 dabei, allerdings zeigte das Thermometer an diesem Tag 38 Grad an, was sich irgendwie in meiner Platzierung widerspiegelte.

Das war’s dann erst mal

In der Folgezeit blieb es bei gelegentlichen Läufen mit Freunden und Verwandten. Immer mal wieder gab es Phasen von ein paar Wochen bis hin zu 3 oder 4 Monaten, in denen ich Feuer und Flamme für’s Laufen war. Und immer wieder stellten sich ziemlich rasch kleine Erfolge ein, aber meine Motivation war auch relativ schnell wieder im Keller, sobald auch nur ein Rückschlag erfolgte. Mal traten Verletzungen auf, dann fand ich für mich einleuchtende Ausreden, um bloß nicht laufen zu gehen. Mal war es der Job, dann war das Wetter zu miese, manchmal hatte ich keine Lust alleine zu laufen und während der Schwangerschaft meiner Frau zog ich es vor, ihr Gesellschaft auf dem Sofa zu leisten. So zog sich dieses Auf und Ab bis in den Sommer 2013.

Aus Asphalt wird Trail

Mit unserem Umzug in einen anderen Ort und an den Rand des Wurmtals kam meine Motivation urplötzlich wieder. Es brauchte ungefähr 3 Monate im neuen Heim, bis ich zum ersten Mal wieder die Laufschuhe schnürte. In dieser Zeit spazierten wir oft in der Umgebung umher und ich sah immer wieder neue Trails auf der Bergehalde Gouley und im Wurmtal, die mich irgendwie reizten. Irgendwann, ja, da war ich mir sicher, werde ich hier laufen und das Trailrunning, von dem ich in zahlreichen Blogs gelesen hatte, einmal selbst ausprobieren.

Als ich im August 2013 den Entschluss fasste, endlich wieder mit dem Laufen zu beginnen, befand ich mich bereits mitten in einer Phase, in der ich sorgfältig auf meine Ernährung achtete. Ich hatte zwar erst – ich glaube es waren – 3 kg abgenommen, aber mit 2 Laufeinheiten pro Woche, da war ich mir sicher, würden die Pfunde noch schneller purzeln.

Mich reizten die Trails. Nicht, dass mich die Läufe auf Asphalt früher nicht gereizt hätten, aber die Trails hatten auch irgendwie etwas, das ich erkunden wollte. Und so ging es los. Im September 2013 hatte ich dann ein paar Trails auf dem Buckel und verkündete hier auf dem Blog, dass ich unter die Trailrunner gegangen bin.

So drehte ich anfänglich meine Runden durch das Revier vor meiner Haustüre und kam immer wieder auf eine Distanz von 3 bis 5 km, die ich auch bald wieder durch laufen konnte. Da ich zu dieser zeit noch ca. 50 Zigaretten pro Tag geraucht habe, war ich damit völlig zufrieden. Das änderte sich aber bald.

Ein Tapetenwechsel muss her

Irgendwann kannte ich alle Trails im Wurmtal, dachte ich. Zwar entdecke ich auch heute noch neue Pfade in meinem Revier, aber ich wollte nun auch gerne mal woanders laufen. So suchte ich mir – häufig auch zusammen mit meiner Schwägerin – Wanderungen im Netz heraus, die wir laufen wollten. Da wir hierbei keinen Einfluss auf die Länge der Strecke haben, mussten wir die angegebenen Distanzen von 7 bis 12 km in Kauf nehmen. Elke, die mittlerweile im Training für den ATG Winterlauf war und für die 18 km-Distanz trainierte, hatte damit weniger Probleme. Ich, immer noch Kette rauchend, musste auf 12 km schon ca. 2 bis 3 Pausen einlegen, obwohl ich derzeit schon ca. 20 kg runter hatte.

Obwohl noch rauchend steigerte ich die Anzahl der Läufe pro Woche. Während ich in der Woche nach der Arbeit im Dunkeln mit der Stirnlampe weiterhin im Wurmtal meine Runden drehte, machten wir uns am Wochenende immer häufiger zu längeren Touren in der Umgebung auf. Dabei stand und steht auch noch heute der Spaß im Vordergrund.

Darf’s auch ein bisschen mehr sein?

Im Laufe der Zeit kamen auch Ausrüstungsgegenstände wie die Salomon Speedcross 3 oder eine Laufuhr hinzu, die ich teilweise zum Testen bekam. Einige Sachen kaufte ich mir, um mich auf eine gewisse Art und Weise zu belohnen. Auch hatten sich die Bedingungen etwas geändert, so dass ich um einige Käufe nicht herum kam.

Aufzeichnung meiner Läufe mit runtastic

Aufzeichnung meiner Läufe mit runtastic

Zu Beginn reichte es mir aus, meine Läufe mit Runtastic aufzuzeichnen. Für die kurzen Distanzen hielt der Akku und im Wurmtal nahe Würselen war der Empfang stets völlig ausreichend. Nachdem mich die App aber ein paar Mal hintereinander im Stich gelassen hatte oder der Akku bei Kälte schneller leer als ich wieder zu Hause war, legte ich mir die Garmin Forerunner 210 zu, die für meine momentanen Bedürfnisse vollkommen ausreicht.

Screenshot Garmin Connect

Steigerung der Läufe pro Monat seit ich die Garmin Forerunner besitze.

Zwar bin ich nun stolzer Besitzer einer Laufuhr, aber die Zeiten interessieren mich meistens sonderlich wenig. Denn falls irgendwann irgendwo mal eine Pause eingelegt werden muss, dann ist das halt so. Ich freue mich aber auch, wenn ich eine längere Route durch gelaufen bin. Am Ende eines jeden Laufes schaue ich auch gerne auf die Uhr und klopfe mir selber auf die Schulter, wenn ich mich selber in einer Pace unterboten habe.

Und was ist jetzt?

RauchenSeit 12 Tagen rauche ich nun nicht mehr und bin erstaunt, wie gut mir das beim Laufen tut. Zwar habe ich als Raucher immer wieder behauptet, das Rauchen würde mich während eines Laufes nicht beeinträchtigen, aber mittlerweile bin ich eines besseren belehrt worden. Nicht nur, dass ich bisher massig Geld gespart hätte, nein, ich merke, dass ich wesentlich freier atmen und größere Distanzen laufen kann. Auch Anstiege stellen mich nicht mehr vor eine all zu große Herausforderung. Und das „Abhusten“… ähm… Lunge rauskotzen… nach jedem Lauf bleibt natürlich auch aus.

Nachdem ich gestern dann zum ersten Mal aus dem Stegreif einen Halbmarathon gelaufen bin, bin ich motivierter denn je. Für morgen habe ich mich wieder für einen 10 km Lauf mit Elke verabredet und am 27.4. nehme ich über die 8 km am Eastbelgiumtrail teil, für den ich ab nächster Woche nach einem Trainingsplan aus dem aktuellen TRAIL Magazin trainieren werde. Für weitere Trailläufe hier im Grenzgebiet werde ich mich in diesem Jahr wohl auch noch anmelden – vielleicht dann auch über längere Distanzen. Mal sehen.

Was mir wichtig ist

Am wichtigsten ist mir, dass es Spaß macht. Klar, wenn ich bald für einen Lauf trainiere, muss ich mich einigermaßen an einen Plan halten, aber ansonsten möchte ich völlig frei sein und laufen, wann, wo und wie ich will. Diese Freiheit gehört für mich zum Laufen dazu, denn sie ist der Grund, warum ich laufe.

Auch werde ich mich nach der ersten HM-Distanz nicht unter Druck setzen, um irgendwann einen HM mitlaufen zu können. Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, dann halt im nächsten.

Meine Gesundheit ist mir natürlich auch wichtig. Ich habe durch das Laufen wieder gelernt, auf meinen Körper zu hören. Wenn ich nach einem harten Arbeitstag zu platt zum Laufen bin, dann laufe ich halt nicht, auch wenn meine Füße noch so laut danach schreien. Denn würde es nach meinen Füßen und meinem Kopf gehen, könnte ich im Moment jeden Tag laufen. Aber wie Benni vom Ultramarathon-Blog heute über Twitter schrieb: Sich zu bremsen ist die Kunst.

7 Kommentare

  1. Ja cool, vielen Dank für den Beitrag.

    Ich bin selber immer mal wieder ein bisschen mehr gelaufen, hab es aber nie geschafft mal dran zu bleiben.

    Hoffe, dass ich dieses Jahr dran bleibe und mal schaun, was bei rumkommt.

    Ich oute mich da jetzt einfach mal :-) Mein jetziger Laufmotivatiosnsschub komt über die App „Zombies run!“ zu Stande :-) Spiele gerade die 2.Season und hab mich mittlerweile von 4,1 km in 37 MInuten zu 8,15 km in 54 MInuten hochgearbeitet.

    Bis bald

    Carsten

    • Ja cool, die App kannte ich noch gar nicht. Der Trailer auf der Webseite verspricht ja Spaß. Werde ich mir bei Gelegenheit auch mal anschauen.

  2. Hallo Axel,

    danke für diese tolle (Lebens)Geschichte. Und Glückwunsch zum ersten Halbmarathon und dass Du das Qualmen aufgegeben hast. Bleib dabei und Du wirst gleich mal 7 Jahre älter :-)

    Viele Grüße aus Franken

    Christof

    • Naja, ist ja eher ne Lauf- als ne Lebensgeschichte. Hab das Rauchen ja schon des öfteren dran gegeben, zeitweise sogar für 1 1/2 Jahre, aber momentan bin ich guter Dinge, dass es jetzt endgültig ist. Ich vermisse so rein gar nichts, was aber auch davon kommt, dass ich weiß, wofür ich es sein lasse.

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