Wasser, Berge, Sport und Kulinarik – Urlaub an Gardasee und Idrosee

Hm, welches Titelbild wähle ich wohl für diesen Artikel? Ein Bild von der tollen Landschaft? Eines, das mit Action zu tun hat? Oder doch lieber ein Bild von einem leckeren Hauptgang aus einem der zahlreichen Gourmet-Tempel? Ich entscheide mich für eines von der Landschaft, die all dies beherbergt.

Idylle am Idrosee

Also, wo fange ich an? Am besten beginne ich ganz vorne: Am 11. April 2012 erhalte ich eine Einladung per E-Mail. „Crazy for Sports? Discover Lake Idro & Lake Garda… Join our Adventure Press Trip!“ – Absender der E-Mail ist Bresciatourism, allem Anschein nach das lokale Tourismusbüro für die Region Brescia. Der Kontakt mit Roberto, dem Marketing Manager von Bresciatourism, gestaltet sich sehr freundlich und schon bald bin ich mir sicher, dass es sich nicht um Spam handelt.

Die Provinz Brescia mit der gleichnamigen Hauptstadt ist die größte Provinz in der italienischen Region Lombardei und liegt in Norditalien am Südrand der Alpen, etwa halbwegs in der Länge des Alpenbogens. Wie in der Einladung erwähnt, sollen wir nun den Lago d‘Idro und den Lago di Garda kennen lernen. Ein erster Freudenschrei entfährt mir, als das Programm per Mail eintrifft: Klettersteig und Mountainbiking am ersten Tag, Paragliding, Adventure Park, Canyoning am zweiten. Besuch einer Ölpresse am dritten und letzten Tag. Was erwartet uns denn da alles?

Nachdem wir uns per Mail darüber verständigt haben, den Trip wetterbedingt um eine Woche nach hinten zu verschieben, starte ich am 31. Mai am Flughafen Köln/Bonn. In Mailand/Malpensa angekommen erwartet mich Diego, unser Fahrer für die nächsten Tage und im schwarzen Mercedes-Bus geht es in Richtung Idrosee. Mit an Bord sind Mario von www.schoenebergtouren.de und Michael von www.mountainzones.com. Diego setzt uns am Villagio Tre Capitelli ab, wo wir die Nacht verbringen werden. Dort treffen wir auch Roberto, der uns nähere Informationen zum Tagesablauf mitteilt. Wir können kurz unsere Zimmer beziehen und schon bald geht es in Diegos schwarzem Bus in Richtung Azur Camping auf der anderen Seite des Idrosees, wo uns Chef Oliver mit einem Cappuccino empfängt und wir nun endlich die anderen Teilnehmer des Trips treffen: Nadja von www.nomadearth.com, David von www.pureoutdoor.de und Hendrik von www.hikinginfinland.com. Oliver erzählt uns etwas über seinen Campingplatz, die Outdooraktivitäten, die man rund um den Idrosee buchen kann und das tolle Essen, welches wir direkt im Anschluss im Ristorante da Genny nebenan kosten können. Schon hier merke ich: Unter drei bis vier Gängen scheint hier in der Region, vielleicht sogar in ganz Italien, nichts zu gehen. Puh!

Klettersteig hoch über Vesta

Für 15 Uhr ist Klettern angesetzt und da wir alle reichlich gesättigt sind, beschließen wir, zu Fuß nach Vesta aufzubrechen, wo uns Guido von liberavventura erwartet. Er weiht uns in die zu beachtenden Handgriffe bei Klettersteigen ein und schon bald befinden wir uns auf einem Felsplateau hoch über dem Idrosee. Toller Ausblick! Und das, obwohl ich erst vor ein paar Stunden aus dem Flieger gestiegen bin. Wow!

Klettersteig mit Guido

Zurück mit dem Mountainbike

Guido seilt uns ab und wir können noch ein paar Kletterversuche vom Boden aus starten bevor wir uns am Parkplatz unterhalb der Kletterwand mit unserem Guide für das Mountainbiking treffen. Schnell Fahrradhelme auf, jeder auf ein Bike und ab geht es. Auf dem Rückweg zum Villagio Tre Capitelli folgen wir der Uferstraße, biegen irgendwann auf steile Feldwege ein und erreichen schnaufend eine Weggabel an der Landstraße, die in Richtung Gardasee führt. Von dort an geht es nur noch bergab, durch die schmalen, malerischen Gassen der Örtchen Vantone, Crone und Lemprato. Entlang schmaler Ufertrails schlängeln wir uns von der Seeseite an unser Hotel heran. Duschen, umziehen, Abendessen!

Während unserer Tour mit dem Mountainbike machen wir kurz Halt am Ufer eines Campingplatzes und kommen ins Gespräch mit einer jungen Deutschen Familie, die mit dem Wohnmobil angereist und begeistert vom Angebot rund um den See sind. Auch ich beschließe, dass ich bald ein Wohnmobil brauche.

Beim Abendessen gesellen sich Gian Zeno Marca, Vorsitzender der PR Agentur für den Lago d‘Idro und das Valle Sabbia, und Ugo Lorenzi, Vorsitzender des Konsortiums der Reiseveranstalter am Idrosee, zu uns und man kommt ins Gespräch. Bei Rotwein und fünf Gängen mit regionalen Köstlichkeiten lassen wir es uns im Ristorante La Terrazza gut gehen. Das Frühstück ist für den nächsten Tag um 7:30 Uhr angesetzt.

Mountainbiken mit Guide am Idrosee

Paragliding über dem Idrosee

Abreisebereit treffen wir uns also zum gemeinsamen Frühstück und Diego fährt uns zum nördlichsten Zipfel des Sees, wo bereits drei Paraglider auf uns warten. Gemeinsam mit ihnen, Hendrik und Nadja geht es nun in die Höhe. Diegos Bus kämpft sich kleine enge Straßen hinauf, bis wir etwa eine halbe Stunde später auf dem Monte Alpo stehen. Von hier aus, etwa 1.200 Meter höher als der Idrosee, soll es nun wieder hinab ins Tal gehen. Ich freue mich wie Bolle, denn erste Erfahrungen mit dem Paragliding konnte ich zwar schon sammeln, kam aber danach nie wieder dazu.

Wir heben vom Monte Alpo ab und schweben etwa 20 Minuten über den Ort Bondone mit seinen roten, eng aneinander liegenden Dächern. Ich male mir aus, wie eng dementsprechend die Gassen sein müssen und wir steuern auf Baitoni zu. Unser Landeplatz liegt direkt am Ufer und anders als unser Hotel nicht mehr in der Lombardei sondern im Trentino. Alberto lässt mich ein paar Mal den Schirm selber steuern, bevor er zum ersten und einzigen Manöver ansetzt: Er reißt eine Seite des Schirms herunter, so dass wir uns im Kreis drehen und schnell an Höhe verlieren. Alles fährt Karussell. Himmel. Boden. Berge. Himmel. Boden. Uff! Genial. Für ein zweites Manöver fehlt es uns leider an Höhe und so müssen wir schon bald landen. Während der Landung rechne ich schon aus, was mich der Spaß kosten würde: Schein plus Schirm plus Zeit und schon bald könnte ich selber fliegen. Das hatte ich bereits nach dem Schnuppertag vor ziemlich genau zwei Jahren vor und das Erlebnis, endlich ein Mal vom Hang zu starten, untermalt mein Vorhaben. Nun sind Michael, David und Mario an der Reihe und Nadja, Hendrik und ich nutzen die Zeit, um ein paar Fotos von der Landschaft und den bald schon wieder eintreffenden Paraglidern zu schießen.

Nachdem alle sicher gelandet sind, tauschen wir alle Videos der mitgeführten GoPros aus und verlassen den gemütlichen Idrosee, der nicht nur im Morgengrauen den Eindruck macht, als wäre hier alles noch ein wenig verschlafener als am großen Bruder Gardasee.

Weiter geht es nach Salò, an den Gardasee. Hier speisen wir wieder ein Mal vorzüglich im Restaurant der Anlage Rimbalzello, bevor es in den hauseigenen Kletterwald geht. An Stahlseilen sausen wir durch die Baumkronen, schwingen uns von Plattform zu Plattform.

Paragliding vom Monte Alpo am Idrosee

Beim Canyoning von Schlucht zu Schlucht

Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Kaffee in einem kleinen Café oberhalb des Gardasees, in das uns Diego mit seinem Bus gebracht hat, erhalten wir von Guido Anweisungen zum Anlegen unseres Neoprenanzugs. Mein Gott, ist das eng! Wir quetschen uns in die zweite Haut und legen die weitere Ausrüstung an. Nach einem kurzen Fußmarsch, bei dem ich dank der Kombination Temperatur-Neoprenanzug gefühlte 3 Liter Wasser verliere, erreichen wir die Einstiegsstelle für unser Canyoning-Abenteuer.

Guido erklärt uns ausführlich, welche Fortbewegungsmöglichkeiten wir im Canyon haben und wie wir uns an einzelnen Stellen verhalten sollten. Ich starte meine GoPro und sehe einen nach dem anderen hinter einem Felsvorsprung verschwinden. Nach einigen Sekunden tauchen alle nacheinander gefühlte 20 Meter tiefer im Wasser wieder auf. Nun bin ich an der Reihe. „Sit down on the rock!“, höre ich Guido gegen das Wasser anschreien, und nach etwa 10 Metern mache ich zum ersten Mal Gebrauch von meinem Sitzgurt und rutsche auf dem Hintern in ein türkisblaues Wasserbecken. Ok, bitte mehr davon!

Das soll ich in den nächsten 3 Stunden auch bekommen. In Absprache mit Guido haben wir uns auf eine der längeren Touren im Canyon geeinigt. Wie sich später rausstellen soll, genau die richtige Entscheidung.

Wir rutschen Felswände hinter, werden an anderen Stellen abgeseilt und springen von Felskanten in Wasserbecken. Wir sehen Stellen, die außer Guidos Gruppen niemand sieht, und verweilen leider viel zu selten dort, um sie auf uns wirken zu lassen. „This can be a jump“, sagt Guido und zeigt eine 12 Meter tiefe Klippe hinunter. Ich spiele kurz mit dem Gedanken, an dieser Stelle zu springen, aber als Guido mit seiner Erklärung beginnt, wie man eintauchen muss, was man nicht machen sollte und wie man sich beim Sprung verhalten soll, finde ich das ein bisschen sehr kompliziert und lasse mich lieber mit dem Seil herunter.

Das Highlight der gesamten Tour ist mit Abstand eine Klippe, an der wir abgeseilt werden. 50 Meter geht es in die Tiefe und das Herz pochert ganz schön unter dem Neopren, als ich mich etwas über die Kante lehne. Phantastisch. Unbeschreiblich.

Wir brauchen keine Seile mehr bis zum Ausstieg, nutzen lediglich unsere Sitzgurte. Einer nach dem anderen krabbelt an einer Brücke, die uns signalisiert, dass wir wieder in der Zivilisation angekommen sind, aus dem Wasser und eine freundliche Polizistin empfängt unsere Truppe. Guido muss sich ausweisen und wie sich herausstellt, werden Aktivitäten wie das Canyoning in der Provinz Brescia sehr streng kontrolliert. Nur autorisierte Führer dürfen es anbieten.

In dem kleinen Café, an dem wir uns umgezogen haben, stoßen wir auf uns an, bevor wir uns auf dem Weg zum Hotel Zanzanù in Tignale sul Garda machen. Hier checken wir kurz ein und Diego bringt uns zum Agriturismo Al Lambic, das etwas oberhalb des Hotels zu finden ist. Der romantische Gutshof mit seiner eigenen Brennerei wird uns in den nächsten Stunden mit seinen Köstlichkeiten verwöhnen. Wir lassen es uns gut gehen und kommen in den Genuss einer Grappa-Verkostung, probieren lokale Biere und tauschen unsere Fotos und Videos aus. Zurück im Hotel lassen wir die letzten beiden Tage noch ein Mal Revue passieren und den Abend gemütlich ausklingen.

Wir sind die letzten. Michael und ich müssen erst später am Flughafen sein und werden von unserem Fahrer noch kurz in Salò abgesetzt. Ich gönne mir noch ein Eis an der Uferpromenade und weiter geht es zum Flughafen. Tschüss, Italien!

Canyoning in Tignale am Gardasee
Foto: David Spak

Fazit

Nach all den Tagen voller Action und Spaß fällt es mir nicht schwer zu sagen, dass ich ganz sicher wieder kommen werde. Zwar stehen noch andere Touren für die nahe Zukunft auf unserem Zettel, aber an den Garda- oder Idrosee wird es uns auf jeden Fall wieder verschlagen. Mit einer exzellenten regionalen Küche können zwar beide Regionen punkten, jedoch unterscheiden sie sich in manchen Dingen extrem.

Gemächlichkeit wird am Lago d‘Idro zum Beispiel groß geschrieben. Somit eignet er sich gerade für Familien, für Ruhe Suchende und all diejenigen, die in die durchführbaren Fun- und Actionsportarten ein Mal hinein schnuppern wollen. Menschenmassen in schmalen Gassen sucht man hier vergebens. Auch die Souvenirläden bleiben am Idrosee fast gänzlich aus. Dafür gibt man sich hier aber vollkommen dem Thema „Familie“ hin.

Die Familie kommt am Gardasee natürlich auch nicht zu kurz, aber hier ist in allem ein Wenig mehr Action zu spüren. Vollends auf die Touristik ausgerichtet geht hier alles etwas schneller, pulsierender und auf eine angenehme Art und Weise hektischer zu. Die Sportarten sind weiter gefächert und auch der Wassersport kommt nicht zu kurz: Während es für den Idrosee einige Beschränkungen gibt (Motorboote, Geschwindigkeiten des Windes, etc.) kann man das Erlebnis auf dem Wasser am Gardasee voll auskosten. So sieht man bereits morgens vor dem Sonnenaufgang die ersten Wassersportler auf dem See ihre Runden drehen.

Die norditalienische Provinz Brescia bietet Touristen und Urlaubern ein reichhaltiges Angebot in der abwechslungsreichen Landschaft. So kommt hier jeder auf seine Kosten. Das haben uns Roberto Ricca von Bresciatourism und Guido von liberiavventura an zwei actionreichen Tagen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Ich möchte mich bei den beiden, bei allen anderen Guides aus Guidos Team, bei Michael, Nadja, Hendrik, David und Mario und allen anderen bedanken, die diesen Trip möglich gemacht haben. Irgendwann werdet ihr mich mit einem kleinen Wohnmobil an einem der beiden Seen treffen.[podcast format=”video”]http://outdoorseite.de/wp-content/uploads/podcast/Bresciatrip.m4v[/podcast]

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2 Kommentare

  1. Hallo Axel,

    das war wirklich ein tolles Programm, ganz schön viel auf einmal. Ich werd mir auf jeden Fall die anderen Artikel und die ganzen Videos ansehen!

    Am Idrosee war ich nur mal kurz, er ist wirklich viel ruhiger als der Gardasee. Für Familien kann ich auch den Ledrosee und das Ledro/Concei-Tal empfehlen, das nördlich auf dem Weg vom dem Garda- zum Idrosee liegt.

    Viele Grüße,
    Uli

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