Von Weißbach auf die Harbach-Alm

Während unseres Urlaubs im Berchtesgadener Land sind wir nicht mit gutem Wetter gesegnet – und so fassen wir am ersten Nachmittag den Entschluss, uns trotz der vereinzelten Schauer zu einer kurzen Wanderung aufzumachen. Ziel ist die Harbach-Alm.

Am Parkplatz Reitereck angekommen, ist erst einmal Anziehen angesagt: Greta muss in ihre Trage, die Eltern in ihre Regenjacken. Schnell noch das Kind inklusive Trage regendicht verpackt und schon geht es los. Wir verlassen den Weg bergauf entlang eines Forstweges, der uns an einigen großen Holzschnitzereien vorbei führt, die am Wegesrand im Unterholz stehen.

Nach ca. 650 Metern biegen wir rechts in einen schmalen Pfad ein. Endlich Terrain, wie’s sein muss! Der Weg führt uns einige wenige Meter hinunter zu einer Gabelung, an der wir darauf hingewiesen werden, dass der Waldbahnweg gesperrt und das Passieren lebensgefährlich ist. Leider wissen wir – uns für diese kurze Wanderung völlig auf die Beschilderung verlassend – nicht, dass der Waldbahnweg uns zur Harbach-Alm führen soll. Also beschließen wir, mal zu schauen, ab wann es denn gefährlich aussieht und ggf. umzudrehen, wenn nichts mehr geht.

Lebensgefahr an den Vorderen SchwarzachenDer Weg, der uns am Ufer der Vorderen Schwarzache vorbei führt, schlängelt sich um einige Felsen und nach einer Kurve versperrt uns ein quer liegender Baum den Weg. „Oh, das ist also die Lebensgefahr“, denke ich und wir gehen unbeeindruckt weiter. Einige Meter weiter bergauf stellt sich jedoch heraus, warum der Weg eigentlich gesperrt ist/war: Von den Hängen der Klamm sind zahlreiche Bäume und Mini-Lawinen abgegangen, vermutlich Überbleibsel der schweren Regenfälle und Unwetter der letzten Wochen. Wir lassen uns aber auch davon nicht beeindrucken und wandern weiter den leicht ansteigenden Ufer Weg entlang.

Die Schwarzache, die in den Weißbach mündet und früher für die Holztrift genutzt wurde, donnert zeitweise so laut an uns vorbei, dass ich unbewusst in Richtung Himmel schaue und nach einem Gewitter Ausschau halte. Wasser strömt aus allen Richtungen in den Bach. Von den Hängen plätschern kleine Wasserfälle, die Greta zum Matschen und Planschen anregen. An jedem Wasserfällchen müssen wir stoppen, damit sie ihre Hände nass machen kann. Dass ich dabei auch jedes Mal nass werde, weil wir uns nicht trauen, sie auf dem engen Weg aus der Trage zu lassen, stört mich nicht.

Während wir entlang des tosenden Baches wandern, stelle ich mir vor, wie hier früher die Arbeiter das Holz ins Tal jongliert haben könnten. Eine Infotafel gibt mir Gewissheit, dass hier neben der Trift im Wasser einst auch eine Bahn fuhr, die bereits erwähnte Waldbahn, die dem Weg den jetzigen Namen gab.

Bäckinger KlauseNachdem wir etwas mehr als 3 km an der Schwarzache entlang gewandert sind, erreichen wir die Bäckingerklause. Dort empfängt uns eine weitere Infotafel, die uns über Geschichte und Nutzen der Klause aufklärt. Ein großer Platz und eine Sitzgelegenheit laden zur ersten großen Rast ein und Gretchen darf ein bisschen spielen und futtern, während ich mich um die Informationsbeschaffung rund um die Klause kümmere.

Nach einer ausgedehnten Pause nehmen wir den letzten Kilometer in Angriff. Ab hier führt der Weg nicht mehr so sanft nach oben, jedoch muss man für die kurze Steigung nicht sonderlich sportlich sein. Greta beschließt, den Anstieg selber zu laufen – und da wir den Bachlauf mittlerweile verlassen haben, darf sie.

Bei bisher trockenem Wetter, das sich mit winzigen Nieselschauern ein Stelldichein gibt, waren wir bis hier gewandert. Während wir den Anstieg zu Harbach-Alm hinauf laufen, schieben sich die Wolken beiseite und am Himmel zeigt sich die Sonne in ihrer vollen Pracht. Was ein Traumwetter.

Kleine Wasserfälle am WegesrandEntlang des Weges gibt es auch für Greta viel zu sehen. Wasser und Steine sind ihre Lieblingsspielsachen in der Natur und so zieht sie jeder noch so kleine Wasserfall magisch an. Dementsprechend lange dauert der Aufstieg zur Alm.

Endlich oben angekommen, stärken wir uns mit einer ordentlichen Jause. Angeboten werden neben regionalen auch überregionale Köstlichkeiten z.B. aus der Schweiz – und ein besonderes Schmankerl bietet uns der Hüttenwirt: Nachdem er Greta mit allen möglichen Kinderutensilien versorgt hat, möchten wir von ihm wissen, ob es noch einen anderen Weg zurück ins Tal gibt, da der Waldbahnweg ja eigentlich gesperrt ist. Er antwortet mit der Gegenfrage: „Ist euch denn was passiert?“ – „Nein.“ – „Dann geht’s da zurück. Das ist der schönste Weg.“ Ich liebe pragmatische Menschen!

Da das Wetter mittlerweile richtig gut geworden ist, fragen wir ihn nach dem Rückweg über die Hientalklause, damit wir nicht einfach den Hinweg wieder zurück laufen müssen. Er erklärt uns den Weg, wir bezahlen – und der Himmel zieht sich zu, schwarze Wolken ziehen auf. Der Wirt zeigt uns einen kleinen Pfad zwischen seiner und der Bichleralm, den wir zur Abwechslung nehmen können und der uns wieder zu dem Platz an der Bäckingerklause führt. Ab dort könnten wir, wenn uns der Weg entlang Schwarzache zu riskant wäre, über den Forstweg zurück zum Reitereck gehen.

Spiele mit Steinen an der Harbach-AlmWir packen unsere Sachen, während Greta kaum noch vom Spiel mit den Schottersteinen auf der Sonnenterrasse der Alm abzuhalten ist. Schnell packen wir uns in die Regenklamotten ein und machen uns auf den uns gezeigten Weg. Kaum haben wir die Alm verlassen, regnet es dicke Tropfen und ich ziehe meine Kapuze tief in die Stirn. Wir stimmen diverse Lieder an, um Greta unter der Regenplane auf meinem Rücken bei Laune zu halten. Es wird geträllert bis die Balken brechen und mit richtig guter Laune wandern wir über einen schmalen Pfad und über einen kleinen Regenbach hinweg, der uns zu einem breiteren Weg, der als Waldlehrpfad angelegt ist. Dieser führt uns an die Bäckingerklause, wo wir uns dazu entscheiden, den Weg an der Schwarzache entlang zu nehmen.

Nach insgesamt 8,7 km erreichen wir leicht durchnässt und singend unser Auto.

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