River Rafting im Schnee

Der Tag startet schlecht, als Manu und Rayno in ihren Wetsuits auf uns zukommen. Sie sehen nicht gerade begeistert aus. „Der Fluss hat sich innerhalb von Minuten verfärbt und der Pegel ist enorm gestiegen. Canyoning ist heute zu gefährlich.“ Die beiden arbeiten für Outdoor Interlaken, einen Schweizer Anbieter für Wassersport- und andere Abenteueraktivitäten. Traurig aber wahr: Auch das Canyoning Interlaken musste nun abgesagt werden, nachdem auch Canyoning Chli Schliere schon wegen schlechtem Wetter nicht stattfinden konnte. Und ich muss mir selber eingestehen, dass ich zwar traurig, aber erleichtert bin, dass die Vernunft hier Vorrang hat. Damit wirbt Outdoor Interlaken sogar auf der eigenen Webseite:

Risikominimierung ist unser oberstes Gebot – Wir tragen Verantwortung für unsere Kunden und Mitarbeiter.Wir entwickeln unser Sicherheits- und Qualitätskonzept laufend weiter indem wir alle neuen Erkenntnisse so rasch wie möglich einfliessen lassen.

Ein bisschen wie nasse Pudel sehen wir aus, wie wir dort so in unserer Montur am Ufer stehen und traurig aus der Wäsche gucken. Aber schon bald sehe auch ich ein, dass es zu gefährlich gewesen wäre. „Aber ich kann euch als kleine Wiedergutmachung eine Raftingtour heute Nachmittag anbieten“, erheitert mich Manu. Und im Gänsemarsch geht es in pudelnassen Wetsuits zurück zum Wagen.

Es regnet immer noch, als ich Nachmittags vor unserem Hostel, der Backpackers Villa Sonnenhof, von Manu abgeholt werde. „Bestes Rafting-Wetter“, versichert er mir und ich vertraue ihm. Erneut geht es in die Base und in die Wetsuits, dann steigen wir erneut in einen der Transporter. Wir, das sind zwei Jungs aus New York und drei Mädels aus Phoenix/Arizona. Jörg ist nach dem morgendlichen Ausflug zum Canyon zu Hause geblieben, da er sich nicht so gut fühlt. „Das ist Andi. Sie bringt uns zu der Stelle, an der wir einwässern. Und Rayno kennst du ja. Er kommt mit und fährt das Safety Kajak“, stellt mir Manu die restlichen Mitfahrer im Transporter vor. Und wieder einmal bin ich beruhigt.

Die Mannschasft im Raft

Während der Fahrt gibt Manu uns in einem kleinen Vortrag ein paar Sicherheitsinstruktionen. Und wie er so vor sich hin erzählt, bemerken wir kaum, dass es draußen anfängt zu schneien. „Wow, ich mache das jetzt bald 20 Jahre, aber Rafting im Schnee habe ich auch noch nicht gemacht“, gibt Manu zu, als er kurz aus dem Fenster schaut.

Als wir das Raft an der Einwasser-Stelle vom Anhänger bugsieren, ist es von einer Schneeschicht bedeckt. Manu klopft die weißen Flocken ab, während Rayno das Boot aufpumpt. Wir hier so in Wetsuits mit einem roten Raft im Schnee – irgendwie eine befremdliche Szenerie. Aber naja, es hieß ja „in Interlaken könnt ihr ALLES machen“.

Ein paar Instruktionen gab es nochWir lassen das Raft in die Lütschine gleiten, nachdem es noch eine kurze Unterrichtung in den gängigen Kommandos gegeben hat, die Manu uns erteilen wird. Rayno ist mit seinem Kajak bereits im Wasser, während einer nach dem anderen in das Raft einsteigt. Und mit einem lauten „Go!“ von Manu geht es los. Das Wasser treibt uns talabwärts und wir paddeln, was das Zeug hält, wenn Manu von hinten ruft „Paddle left!“ oder schmeißen uns ins Boot, sobald ein „Down!“ ertönt. Zeitweise ist es schwer, den Anweisungen zu folgen, da das Wasser so laut ist, dass wir Manu kaum hören. Aber das Team an Bord arbeitet gut zusammen und wiederholt die Anweisungen sofort.

Immer wieder schwappt Wasser über uns und meine Finger frieren. Warum musste ich mich auch unbedingt in die erste Reihe setzen? Egal. Bei dem Spaß kann ich über kalte Finger hinweg sehen. Das Wasser tost und schwappt immer wieder ins Boot, Manu gibt von hinten Kommandos: „Hier müssen wir gleich raus!“ Wir fahren ins Kehrwasser und heben das Raft heraus, verladen es auf Andis Hänger. „Hier ist ein Naturschutzgebiet“, erklärt Manu. „Nun müsst ihr entscheiden: Wollen wir gleich wieder ins Wasser und ein paar echt gute Wildwasser-Abfahrten machen oder ist euch zu kalt?“ Alle sind sich einig, dass es im Wildwasser weitergehen soll – auch, wenn die Mädels allesamt bibbern vor Kälte.

Rafting auf der LütschineWir fahren ein kleines Stück weiter und werfen das Raft eine Böschung hinunter wieder zurück ins Wasser. Als wir alle eingestiegen sind, ertönt von hinten ein lautes „Go!“ und wir paddeln in die Mitte des Flusses. Direkt geht es los und Manus Kommandos überschlagen sich förmlich: „Down!“, „Paddle left!“, „Down again aaaaaaaand go!“ Die Abfahrt ist genau so turbulent wie Manu sie uns beschrieben hat. Eine Mords-Gaudi! Alle im Boot gröhlen und feuern sich gegenseitig an, keiner ist mehr trocken. Dann wird das Wasser flacher und eines der Mädels aus Arizona fragt: „Have we made it through? Did we finish it?“ Und so wie sie den letzten Satz beendet, setzen wir auf einen Stein auf. Einer der beiden New Yorker Jungs, mit dem ich mittlerweile den Platz getauscht habe, geht kopfüber von Bord. Aber sofort ist Rayno mit seinem Kajak zur Stelle. Er fischt ihn nur 15 Meter weiter aus dem Wasser.

Wir fahren das Ufer an und die Mädels entscheiden sich dazu, die Tour hier wegen Kälte abzubrechen. Manu, die beiden Jungs und ich fahren weiter den Fluss hinunter bis zum Brienzer See, wo Andi mit dem Transporter bereits auf uns wartet. Schnell ist das Raft verladen und es geht ins Basecamp, wo eine warme Dusche und ein kühles Bier bereits auf uns warten. Auf einem Monitor läuft bereits eine Diashow mit den Bildern der Tour. „Wer hat denn die Bilder gemacht?“, frage ich. „Ich. Hast du mich nicht überall stehen sehen?“, antwortet Andi mit einer Gegenfrage. Nein, habe ich nicht – so viel Spaß hat es gemacht.

Danke an Manu, Rayno und Andi für die geile Tour! … und für die Fotos, die Dusche und das Bier.

Weitere Bilder
Hinweis
Diese Raftingtour wurde uns von Outdoor Interlaken, Interlaken Tourismus und Made in Bern im Rahmen einer Pressereise ermöglicht.

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