Reisebericht zum Rheinsteig 2009

Da sind wir wieder zu Hause – leider… Sechs schöne Tage am Rhein liegen hinter uns. Und kaum zu Hause, regnet’s in Aachen in Strömen. Da hatten wir während unseres Rheinsteigabenteuers wesentlich besseres Wetter. Aber der Reihe nach:

 

Tag 1 / Koblenz – Lahnstein

Los ging’s in Aachen um 7.27 Uhr. Mit der Bahn kamen wir von direkt von unserer Haustür in 2 1/2 Stunden nach Koblenz-Ehrenbreitstein, wo unser Abenteuer starten sollte. Unterhalb der Festung Ehrenbreitstein fanden wir ziemlich schnell die gelben Zeichen, die uns zum eigentlichen Rheinsteig führten. Entlang des Rheins ging es durch Ehrenbreitstein, wo wir uns erst einmal ein kleines Frühstück gönnten. Ein paar Meter hinter der Bäckerei ging es dann auch schon in den Wald, das sogenannte Bienhorntal.

Am Ende des kleinen Bienhorntals überquerten wir eine Straße und gelangten in militärisches Gebiet, welches mit einem Schild “Zutritt während Übungen strengstens untersagt” gekennzeichnet war. Etwa 2 Sekunden nachdem ich behauptete, im Übungsfall wäre hier ein Hinweis zu finden, fielen die ersten Schüsse etwa 50 Meter von uns entfernt. Also ging’s mit leichter Panik durch das Gebiet, dem die Schüsse rund um uns herum aber nichts von seiner Idylle nehmen konnten. Und ziemlich schnell bekamen wir einen Eindruck davon, wie abwechslungsreich der Rheinsteig sich doch für seine Wanderer darstellt: Hinter einer Kurve im Wald gelangte man direkt auf eine riesige Weidefläche, die sich in einer weiten Hügellandschaft vor uns ersreckte. Ein wenig weiter gelangten wir an den “Lichter Kopf”, einen von Soldaten im Jahr 1928 gebauten Holzturm, der leider wegen Baufälligkeit geschlosen war.

Viele kleine abwechsungsreiche Streckenabschnitte folgten an diesem Tag noch, bis wir – vorher noch einen schönen Ausblick auf den Allerheiligenberg geworfen – zur Ruppertsklamm kamen. Hier also dann für den ersten Tag schon mal Adventure pur! Über steile Felsrippen und durch schmale Flussbettchen ging es etwa 2 Kilometer bergab. Unten angekommen brauchten wir keinen Kilometer mehr, bis wir am Campingplatz ankamen. Zwischendurch stärkten wir uns noch mit einem kalten Getränk (es war übrigens 30°C warm) im “Schleusenhäuschen” am Yachthafen von Lahnstein. Nachdem wir dann unser Zelt um ersten Mal aufgebaut, uns frisch gemacht und beim Campingplatzbesitzer die Brötchen für den nächsten Tag bestellt hatten ging es erst einmal in den Ort. Dort kauften wir ein paar Sachen ein und konnten auf einer schönen Rheinterrasse zu Abend essen. Todmüde lagen wir um 21 Uhr im Zelt direkt am Wasser und konnten noch einen letzten Blick auf die beleuchtete Burg Lahneck oberhalb von Lahnstein werfen.

 

Tag 2 / Lahnstein – Braubach

Schön früh ging es wieder raus, denn die ertsen Sonnenstrahlen ließen die Temperatur im Zelt schlagartig ansteigen. Nachdem wir uns für den Tag fertig gemacht hatten, konnten wir auf einem kleinen Bootssteg neben unserem Zelt mit den eingekauften Sachen und den bestellten Brötchen ein kleines Frühstück einnehmen. Danach brachen wir unser Zelt ab und es ging weiter – weiter bergauf erst einmal… Tatsächlich ist es so, dass man tagsüber auf einer Höhe von etwa 250 – 380 Höhenmetern wandert und diese jeden Abend zum Übernachten verlässt, um sie dann morgens wieder zu erklimmen. So kamen wir an fast allen Tagen mit den zahlreichen Tälern auf etwa 650 – 750 Höhenmeter, die wir zu bewältigen hatten.

Auf dem Weg von Lahnstein nach Braubach konnten wir wieder die abwechslungsreichen Streckenabschnitte des Rheinsteigs genießen. Von flachen Waldwegen bis zu steilen Felsrippen mit Sicherungsseil war alles dabei. Diese Etappe war die kürzeste Etappe auf unserer Reise, lediglich 8 Kilometer lang.

In Braubach angekommen war es nicht mehr weit bis zum Campingplatz. Auch hier konnten wir direkt am Rhein übernachten, was seine Vor- und Nachteile hat. Nachteilig ist auf jeden Fall, dass man das Gefühl hat, alle paar Minuten führe ein Dampfer durch seinen Kopf, denn die riesigen Rheindampfer machen einen gewaltigen Lärm, wenn sie stromaufwärts durch das Wasser pflügen – selbstverständlich auch nachts… Hinzu kommt jeweils eine Bahnlinie mit Güterzügen auf der linken und der rechten Rheinseite…

 

Tag 3 / Braubach – Boppard

Auch an diesem Tag hatte wir also einen Anstieg bis auf 237 Höhenmeter zu bewältigen. Nach einem sehr günstigen Frühstück in einer lokalen Bäckerei ging es dann los. Bei Höhenmeter 169 gelangten wir erst einmal zur Marksburg, die wir am Vortag vom Tal aus sehen konnten. Die Marksburg ist übrigens die einzige nicht zerstörte Höhenburg am Mittelrhein. Hier gönnten wir uns also einen Kaffee – zu Touristenpreisen natürlich…

Nicht nur auf dieser Etappe wurden wir mit wunderschönen Ausblicken auf den Rhein und das Rheintal für die vielen erklommenen Höhenmeter entlohnt. Wie auf allen Etappen verlässt man den Rehin an einigen Stellen, um hinter irgendwelchen Kurven dann wieder auf ih zu stoßen.

Da in Osterspai und auch in Filsen bereits alle Unterkünfte ausgebucht waren, mussten wir auf Boppard ausweichen. Ausweichen deshalb, weil wir die Rheinseite wechseln mussten. Das ist im Rheintal nur per Fähre möglich, also setzen wir am späten Nachmittag von Filsen nach Boppard über. In Boppard fand an diesen Tagen der sogenannte Zwiebelmarkt statt, über den wir noch gingen, bevor wir unsere Pension aufsuchten. Nachdem wir uns dort einquartiert hatten machte ich beim Abendessen auf einer Rheinterrasse eine weitere Erfahrung für’s Leben: Bestelle nie Hausmannskost bei einem Chinesen! Danach schauten wir uns noch etwas in Boppard um, bevor wir zum ersten Mal seit Tagen in einem Bett einschlummerten.

 

Tag 4 / Boppard – Kestert

Heute sollte eine erlebnisreiche Etappe auf uns warten. Nach dem morgentlichen Anstieg konnten wir hinter Kamp-Bornhofen schon die Burg Liebenstein und die Burg Sterrenberg sehen, auch bekannt als “Die feindlichen Brüder”. Auf Burg Liebenstein gönnten wir uns eine kleine Stärkung – zu Touristenpreisen mal wieder…

Ein Stück weiter ging es durch ein Drehkreuz, hinter dem sich ein Wildgehege befand. Hier versucht man, das Land mit Hilfe von Tieren zu kultivieren und hat hier schottische Exmoorponys und Burenziegen angesiedelt. so wanderten wir also durch das Gehege, bis hinter einem Hügel auf einmal etwa 30 Ziegen vor uns aufkreuzten. Ponys sahen wir leider keine…

Hinter dem Gehege ging es erneut gewaltig bergauf – bis auf 362 Höhenmeter vor Lykershausen. Hier entdeckten wir die ersten Obstbäume, die von uns geplündert werden wollten. Im Ort Lykershausen hatten die Anwohner eine sehr nette “Geschäftsidee”: Das Obst aus dem eigenen Garten wurde auf kleinen Tischen zur Selbstbedienung in der Garageneinfahrt angeboten, daneben ein kleines Glas für die Centstücke…

Frisch gestärkt traten wir nach etwa 16 Kilometern den Abstieg nach Kestert an. In dem 700 Seelen-Dorf übernachteten wir im Hotel Schlaadt, wieder einmal direkt am Rhein.

 

Tag 5 / Kestert – St. Goarshausen

Von Kestert hinauf auf den Rheinsteig ging es am 5. Tag schon nicht mehr so einfach wie am Anfang unserer Reise. Zum einen lag das an der steilen Streckenführung, zum anderen am Gepäck, das sich langsam aber sicher auf unseren Rücken meldete.

Über die vielen abwechslungsreichen Streckenabschnitte, vorbei an der Pulsbachklamm, an Burg Maus, die einen Adler- und Falkenhof in Privatbesitz beherbergt, gelangten wir über Wellmich nach St. Goarshausen. Dort übernachteten wir auf dem völlig überteuerten Campingplatz – immerhin mal wieder direkt am Wasser… Auch die Nahrungsaufnahme gestaltete sich als abenteuerlich, denn die einzige Pommesbude im Ort implizierte schon beim Anblick eine Lebensmittelvergiftung.

 

Tag 6 / St. Goarshausen – Loreley

Der letzte Tag unserer Reise. Nachdem wir auf dem – ich erwähnte es bereits – völlig überteuerten Campingplatz gefrühstückt und unser Zelt abgebrochen hatten, stießen Elke und Toni zu uns, mit denen wir über den Patersberg auf die Loreley wanderten. Noch bevor wir den Patersberg verlassen hatte, hatten Elkes Sohlen die Schuhe verlassen. Also ging es zurück zum Auto, wo erst einmal Wanderschuhe gegen Crocs getauscht wurden. So ging es dann wieder von St. Goarshausen in Richtung Loreley. Dort war ich zum letzten Mal im Jahr 2005 im Rahmen des Weltjugendtages. Oben angekommen stärkten wir uns erst einmal mit einer Kleinigkeit auf der schönen Terrasse hinter der Freilichtbühne, von der aus man einen letzten Blick auf das Rheintal werfen konnte.

Nachdem wir kurz am Loreleyfelsen vorbeigeschaut hatten, ging es über gefühlte 1.000 Treppenstufen wieder nach unten und am Rhein entlang zum Auto.

Fotos gibt es wie immer im Flickr-Album. Zum Album geht es hier entlang!

 

Karten & Download

3 Kommentare

  1. Hallo,

    ein toller Bericht über Eure Wanderung in unserer Region. Wir bieten ab 2013 eine günstige Übernachtungsmöglichkeit an, weil wir auch der Meinung sind, dass Wandern auf dem Rheinsteig nicht teuer sein sollte.

    Die meisten Menschen suchen hier das Naturerlebnis und nicht den Komfort eines 4-Sterne-Hotels.

    Ihr dürft uns gerne an Eure Wanderfreunde weiter empfehlen!

    Beste Grüße,

    Bjoern

    • Hi Bjoern,

      tolle Idee mit eurem Camp. Da für dieses Jahr noch eine Tour mit meinem besten Freund ansteht, der völlig neu im “Wanderbusiness” ist, werde ich sicher auf euer Camp zurück kommen.
      Wie könnte man einem Wandereinsteiger schöner das Gefühl einer Mehrtagestour vermitteln als bei einer Übernachtung im eigenen Zelt am Lagerfeuer?

      Wir hören auf jeden Fall voneinander!

      LG
      Axel

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