Produkte zurück verfolgen – Lieferketten werden transparent

Vor Kurzem haben wir über die Footprint Chronicles® von Patagonia berichtet. Sicher war Patagonia nicht das erste Unternehmen, das seine Produktionskette offen legt. Dennoch ziehen zahlreiche namhafte Unternehmen mit. Ob Mountain Equipment, Icebreaker oder Meindl – Codes zur Rückverfolgung von in der Ausrüstung und Kleidung verwendeten Materialien sind schwer im Kommen.

Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

”Die Footprint Chronicles® nehmen Patagonias Geschäftspraktiken unter die Lupe – mit dem Ziel, unsere Lieferkette offenzulegen und so unsere negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen, und die der gesamten Branche, zu verringern. Wir sind lange genug im Geschäft, um zu wissen: Wenn es uns gelingt, eine Belastung zu minimieren, dann werden andere Unternehmen dem Beispiel folgen” – so steht es auf der Startseite der Footprint Chronicles® von Patagonia. Viele andere Hersteller ziehen nun nach und legen ihre Lieferkette offen. So startet Mountain Equipment zur Sommersaison 2012 die Rückverfolgung ihrer verwendeten Daunen. Bereits im Jahr 2009 wurde der Down Codex ins Leben gerufen, der Richtlinien und Vorgaben beinhaltet, die konsequent auf allen Stufen der Daunen-Lieferkette erfüllt werden müssen. Mit dem Down Codex will Mountain Equipment einen umfangreichen und transparenten Beweis für die Herkunft der verwendeten Daunen und deren Qualität erbringen.

 

Daunen-Nachverfolgung bei Mountain Equipment

Damit auch Privatpersonen einen direkten Einblick in die Lieferkette bekommen, sind seit der diesjährigen Sommersaison 12-stellige Zahlencodes in den Daunenschlafsäcke angebracht. Durch die Eingabe des Codes auf der Website für die Daunen-Nachverfolgung können die Besitzer eine Mountain Equipment Schlafsacks die Herkunft der Daune nachverfolgen und erhalten weitere Informationen zu ihrem Produkt.

Hat man rechts oben auf der Startseite den Code in das Ziffern-Feld eingeben und die passende Schlafsack-Serie aus dem Drop-Down-Menü ausgewählt, muss man nur noch auf „Trace“ klicken. Dann erhält man neben weiteren technischen Informationen über den Schlafsack und Informationen über die Qualität und Art der im Produkt verwendete Daune ebenfalls Details über das jeweilige Herkunftsland und die Region, aus der die verwendete Daune stammt, inklusive einer Landkarte. Ebenso erhält man einen IDFL Audit Report, also einen vollständigen, unabhängigen Tierschutz-Report über die im Produkt verwendete Daune und einen IDFL Batch Report, einen vollständigen, unabhängigen Test-Report über die Qualität der verwendeten Daunen-Charge.

Laut der Unternehmesseite arbeitet Mountain Equipment zur Zeit daran, die Nachverfolgung auch für die Daunenbekleidung umzusetzen.

 

Woll-Nachverfolgung bei Icebreaker

Auch Icebreaker möchte etwas für das Wohl der Tiere und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter sowie für die Umwelt tun und hat den Baacode gestartet. Ähnlich wie bei Mountain Equipment kann auch hier ein Code eingegeben werden, mit dem sich eine der 120 gelisteten Schaffarmen ausfindig machen lässt, von der die verwendete Merinowolle stammt.

Dabei gibt Icebreaker den Produkten ein Gesicht: Mit Hilfe des Beispielcodes geht es auf die Brnach Creek Station von Ray Anderson. Wir erfahren, seit wann die Farm in Familienbesitz ist, dass sie im Cardrona Valley auf der Südinsel von Neuseeland liegt, 6.700 Hektar groß ist und 9000 Merinoschafe und 200 Hereford-Rinder umfasst. Der rauschebärtige Besitzer Ray Anderson stellt sich in einem kurzen Video vor und auch über seine Familie erfahren wir einiges. Wir erfahren, dass die Farm 30.000 kg Merinofasern abwirft und Glen Curtis, der mal in den Ferien auf der Farm jobbte und nun mit Ray’s Tochter verheiratet ist erklärt:

„Dies ist eine typische Hochlandfarm. Nicht viel vom Land wurde kultiviert, so dass die Schafe normalerweise im Hinterland umherstreifen.“

Icebreaker möchte mit dem Baacode einen Einblick in die Lebensbedingungen der Hochlandschafe, von denen die Merinofasern in Ihren Kleidungsstücken stammen, ermöglichen. Und ebenso wie Mountain Equipment gibt Icebreaker einen umfangreichen Einblick in seine Philosophie.

 

Leder-Nachverfolgung bei Meindl

Nach Gans und Schaf kommt nun die Kuh: Auch Schuhhersteller Meindl, bei dem ich mir im Rahmen der GORE-TEX® Experience Tour bereits selber ein Bild von den Arbeitsbedingungen in Kirchanschöring machen konnte, bringt mit Identity eine Rückverfolgungsmöglichkeit für das verwendete Leder unter’s Volk.

Bei den Modellen der neuen „Identity“-Serie gibt Meindl dem Kunden nach eingabe des Identity-Codes einen detaillierten Herkunftsnachweis des verwendeten Oberleders.

Damit schafft der Schuhhersteller eine lückenlose Transparenz, die auf der Almwiese anfängt, auf der die Rinder weiden und leben, über die Gerberei, die das Leder in Deutschland nachweislich umweltschonend gerbt, bis hin zur Produktion der Schuhe. Dabei setzt Meindl schon seit jeher große Teile auf ökologische Gesichtspunkte und Nachhaltigkeit. So bezieht das Unternehmen das verwendete Leder von Partnern und Zulieferern aus der Region Chiemgau und Salzburger Land und unterstützt so nicht nur die regionalen Unternehmen, sondern kann auch etwas für die Ökobilanz jedes einzelnen Schuhs tun.

Schon beim Gerben wird das Leder von Hand mit einer Identifikationsnummer versehen. Diese Identifikationsnummer ist später auch im Innenteil der Schuh-Manschette verewigt, damit der Verbraucher des Lebenslauf seines Schuhleders nachverfolgen kann.

 

Ausblick

Die Rück- oder Nachverfolgung von in Ausrüstung oder Bekleidung verwendeten Materialien ist ein großer Schritt, dem sich die Hersteller stellen, in dem sie ihre Lieferkette transparent machen und sicher ist er noch nicht das Ende der Fahnenstange. So lange wir von unserer Ausrüstung das Maximum erwarten, aber nur bereit sind, ein Minimum dafür auszugeben, wird auch die Soziale Verantwortung immer ein Thema bleiben. Das habe ich sogar von Herstellern selber auf der OutDoor gehört, die offen zugeben: Wenn die Verbraucher für einen 75 Liter Touren-Rucksack nur 160 Euro ausgeben möchten (bzw. können), können wir nicht in Deutschland produzieren.

Zwar hat die Produktion in erster Linie nichts mit der Herkunft des Materials zu tun, dennoch hängt alles irgendwie miteinander zusammen. Es bringt nichts, wenn die Materialherkunft transparent gemacht wird, das Material danach aber weiter in Schwellenländer transportiert und dort unter unmenschlichen Zuständen und zu Hungerlöhnen verarbeitet wird.

Mit dem Schritt der Materialverfolgung machen nun einige Hersteller einen gewaltigen Schritt nach vorne, dem es erst ein Mal zu glauben gilt. Warten wir ab, was sich in Zukunft noch tun wird.

2 Kommentare

  1. Danke für die Vorstellung der verschiedenen Nachverfolgungsansätze und deine Gedanken dazu.
    Ich frage mich ja immer, ob es sich dabei wirklich um eine Firmenphilosophie handelt oder ob sich dahinter eher eine Marketingstrategie verbirgt. Ich weiß es nicht.

    • Ich glaube, Marketingstrategie ist auch denkbar, denn eine Jacke mit dem Label „Besonders kostengünstig mit Daunen aus der Stopflebermast in Rumänien produziert“ verkauft sich halt nicht soooo gut… ;-)

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