Plattfuß am Fahrrad – was jetzt?

Jedem ist das in seinem Fahrradleben bestimmt schon mal passiert: Man ist unterwegs mit seinem Rad, denkt an nichts Böses und plötzlich macht das Gefährt komische Bewegungen, ruckelt und ist mit einem Mal nicht mehr lenkbar. Na super, ein Plattfuß, ausgerechnet jetzt. Ruckelndes fahren ist dann sicher die glimpfliche Variante, bei der nicht viel passiert, ganz anders, wenn man schnell bergab unterwegs ist.

Wie ist das denn jetzt passiert? Die häufigste Ursachen sind Dornen, Scherben oder andere spitze Gegenstände, die sich durch den Mantel gebohrt haben, alte spröde Reifen oder auch ein sogenannter Snake-Bite, ein Durchschlag, der direkt zwei parallele Löcher verursacht. Das passiert, wenn man mit zu wenig Luftdruck durch ein Schlagloch fährt. Dann verursachen die Felgenränder durch Quetschung direkt zwei Löcher, die durch ihre Größe auch noch schwer zu flicken sind.

In der Hoffnung, dass man Werkzeug und Luftpumpe mitgenommen hat, lässt sich ein defekter Schlauch aber relativ einfach reparieren.

 

Und so geht’s

Da die meisten Fahrräder mit Schnellspannern ausgestattet sind, kann man das Rad schnell und ohne Werkzeug lösen. Hier nur gegebenenfalls auf die Bremsscheiben achten bzw. beim Hinterrad auf die Kette. Hat man dann das Rad in der Hand, mit einem NICHT spitzen oder scharfen Hebel den Mantel lösen. Keinen Schraubendreher oder ähnliches benutzen! Hier gibt es passende Kunststoffhebel, sogenannte Reifenmontierhebel. Jetzt einfach den Mantel einseitig von der Felge hebeln – durch ein Bewegen des Hebels entlang der kompletten Felge wird der Mantel gelöst und man kann jetzt den Schlauch entnehmen.

GANZ WICHTIG: Vor Entnahme des Schlauches gegebenenfalls die Schraube am Ventil lösen. Außerdem darf der Mantel nicht in seiner Position auf der Felge verändert werden. Grund dafür ist: Wenn man das Loch im Schlauch gefunden hat, kann man so den Einstich im Mantel finden. Was nutzt einem ein geflickter Schlauch, wenn man den Mantel nicht kontrolliert?

Das Loch finden, ist jetzt das Wichtigste, nur wie? Man könnte den Schlauch wieder etwas aufpumpen und unter Wasser halten. Die aufsteigenden Blasen zeigen ziemlich schnell, wo sich das Loch befindet. Hat man kein Wasser zur Hand, kann man auch einfach horchen, wo Luft austritt oder den Schlauch nahe an den Augen vorbeiführen. Das Auge reagiert sensibel auf den Luftzug und so lässt sich das Loch schnell finden. Jetzt auf jeden Fall anhand des Loches im Schlauch die entsprechende Stelle im Mantel kontrollieren und gegebenenfalls den Dorn entfernen. Am Besten immer den gesamten Mantel von innen kontrollieren und das Felgenband auf der Felge gleich mit.

Die Reparatur ist nicht schwierig und von jedem mit ein wenig Übung durchgeführt werden. Es gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

  1. Einfach Schlauch wechseln. Hat man einen Ersatzschlauch dabei, ist das sicher die schnellste Möglichkeit. Dann kann man den defekten Schlauch später in Ruhe zu Hause flicken. Das entbindet einen natürlich nicht davon, den Mantel zu kontrollieren. Den neuen Schlauch dann etwas aufpumpen, wieder einsetzen und den Mantel wieder aufziehen. Dazu wieder den Reifenmontierhebel benutzen und den Mantel auf die Felge hebeln. Zum Abschluss einmal den Mantel rundum etwas walken, damit der Schlauch gleichmäßig liegt, komplett aufpumpen und fertig.
  2. Flicken mit selbstklebenden Flicken: Die Umgebung um die undichte Stelle muss angeraut werden. Meist ist bei dem Flickzeug ein Aufrauer oder ein Stück Schmirgelpapier dabei. Die angeraute Stelle muss größer sein, als der spätere Flicken. Jetzt die Schutzfolie des Flickens abziehen und den Flicken auf der undichten Stelle aufbringen. Dabei die Klebeseite nicht berühren, da durch das Fett auf der Haut die spätere Klebung unter Umständen nicht richtig hält. Den Flicken fest mit dem Daumen aufdrücken und mindestens 30 Sekunden warten. Danach kann der Schlauch – wie unter 1 – beschrieben, wieder eingesetzt werden.
  3. Flicken mit Vulkanisierungsmittel: Der einzige Unterschied zu 2 ist, dass der Flicken nicht selbstklebend ist, sondern ein Vulkanisierungsmittel eingesetzt wird. Nach dem Anrauen wird das Vulkanisierungsmittel aufgetragen, größer als der spätere Flicken. Jetzt mindestens 5 Minuten warten, bevor man den Flicken aufbringt. Das Vulkanisierungsmittel löst jetzt den Gummi von Schlauch und Flicken an, wodurch beides miteinander verklebt. Nachdem das Lösungsmittel sich verflüchtigt hat, hält alles absolut sicher. Jetzt kann der Schlauch – wie unter 1 beschrieben – wieder eingesetzt werden.

Jeder, der mit dem Rad unterwegs ist, sollte also mindestens ein Minimum an Werkzeug, einen Ersatzschlauch und Flickzeug dabei haben.

1 Kommentar

  1. Alles nicht mehr up to date: Schlauchlos ist angesagt, Milch rein und die Reifen sind nahezu in allen Situationen pannensicher. Wenn vor der Saison sowieso neue Reifen angeschafft werden sollen, dann erst recht. Spart viel Flickerei und spart irre viel „drehende Masse“.
    Schönen Sommer

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