18. May 2012

Packen für Dummies

veröffentlicht am 1. Juni 2010 von in Ausrüstung & Bekleidung, Tipps & Tricks, Wandern & Trekking

Wenn der erste Schritt einer Tour gemacht ist und die Route steht, kommt meistens der Punkt, an dem man sein Gepäck plant.

Seit ich mit ungefähr 12 Jahren das erste Mal vor dem Problem stand und überlegte, was ich mitnehmen sollte, beschäftigt mich dieses Thema immer wieder. Zugegeben, am Anfang war natürlich noch mütterliche Hilfe im Spiel, allerdings war der Preis dafür auch ein wesentlich schwererer Rucksack. Doch mit der Zeit und der sich einspielenden Routine wurde das Gepäck immer leichter, bis ich irgendwann an dem Punkt ankam, an dem ich für mich festlegte: Weniger geht nicht mehr! (Manch einer mag das anders sehen…)

Lange Zeit wollte ich eine Packliste schreiben, die es jedem möglich machen sollte, sich genau nach ihr zu orientieren, sodass man nicht mehr lange nachdenken muss, was in den Rucksack gehört und was nicht. Doch mit der Zeit kam ich zu der Erkenntnis, dass es so nicht funktioniert. Jeder legt auf andere Dinge Wert und jede Tour braucht ihre eigene Ausrüstung. Deshalb muss ich auch leider an dieser Stelle alle enttäuschen, die gehofft haben, hier nun endlich die ultimative Packliste zu finden. Man muss leider akzeptieren, dass es ohne eigene Planung und eventuell auch ein wenig Erfahrung nicht geht.

Dennoch möchte ich einmal genauer auf das Thema „Packen“ eingehen und versuchen, einige hilfreiche Tipps und Erfahrungen weiterzugeben.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich das Gepäck immer nach den Umständen der Tour richtet. Wer sein Gepäck nicht selbst tragen muss oder in leichtem Gelände unterwegs ist, dem werden ein oder zwei Kilo mehr nichts ausmachen. Jemand der in alpine Regionen aufsteigen möchte und dabei auch noch Spaß haben will, bekommt schon beim Gedanken an Ersatzzahnpasta Albträume. Daher möchte ich im Folgenden nur noch auf die Situation des schwer schleppenden Einzelkämpfers eingehen.

Packen ist ein Prozess, an dessen Ende im Idealfall das kleinstmögliche Gepäck steht und es trotzdem an nichts fehlt. Um einen Anfang zu finden, sollte man zunächst einmal alles aufschreiben, von dem man glaubt, man könne es brauchen.

Eine Faustregel besagt, dass ein Rucksack, den man über längere Etappen tragen muss, nicht mehr als maximal 15 bis 20% des eigenen Körpergewichts wiegen sollte. Dabei sollte auch beachtet werden, dass eventuell Lebensmittel und insbesondere Wasser mitgeführt werden müssen. Sollte man mit mehreren Personen unterwegs sein, ist es unverzichtbar, das Gepäck untereinander abzustimmen und aufzuteilen. Die meisten Ausrüstungsgegenstände werden in einer Gruppe nur ein Mal benötigt. Wenn man irgendwann beginnt, das Gewicht auf die letzten paar Gramm zu optimieren, dann kann auch die o.g. zweite Zahnpastatube schon zu viel sein.

Trotzdem hab ich die Erfahrung gemacht, dass es manche Dinge gibt, die zwar eigentlich nicht nützlich sind, aber einem dennoch die Laune retten oder einfach auch nur die neidischen Blicke anderer auf sich ziehen können. Deshalb hab ich für mich entschlossen, zumindest einen solchen Luxusartikel bei mir zu führen. Der Eindruck, den man hinterlässt, wenn man sonntags abends nach Parfum duftend in der Lodge auftaucht, ist nicht zu unterschätzen…

Meine Packliste gliedert sich meistens in folgende Unterpunkte:

  • Kleidung für jedes Wetter
  • Hygieneartikel
  • Allgemeine Ausrüstung (Taschenlampe, Messer,  Ladegeräte etc.)
  • Erste Hilfe & Medizin
  • Ersatzkram
  • Unterlagen (Ausweis, Impfpass, Tickets etc.)

Was es im Einzelnen zu bedenken gibt, werde ich das nächste Mal beschreiben. Ich glaube, es würde den Rahmen eines einzelnen Artikels sprengen.

Wenn man den ersten Entwurf einer Packliste fertig hat, sollte man damit beginnen, die Liste immer und immer wieder zu überdenken. Dabei muss man nicht stundenlang über seinem Schreibtisch brüten. Ab und an auf die Liste schauen und sich mit seinen Tour-Partnern absprechen reicht in der Regel. Und irgendwann ist man so tief in der Planung drin, dass es von ganz allein kommt.

Die Grundgedanken sollten immer sein:

  • Brauche ich das wirklich?
  • In wie fern rechtfertigt der Nutzen das Gewicht?
  • Benötige ich es für mich alleine oder können wir es in der Gruppe aufteilen?
  • Kann ich das Gewicht noch optimieren?

Ich behaupte einmal, dass sich auf einer Liste von unerfahren Tourengehern immer noch mindestens zehn Dinge finden lassen, die man getrost zu Hause lassen kann.

Wer also seine zehn Posten gestrichen hat, sollte im nächsten Schritt eine Liste mit den genauen Gewichtsangaben beginnen. Dabei ist meist Vorsicht vor den Herstellerangaben geboten: Nicht selten weichen diese vom tatsächlichen Gewicht ab. Hat man eine solche Liste erstellt, staunt man oft nicht schlecht, was manche Dinge auf die Wage bringen. Ein leerer Kulturbeutel wiegt 215 Gramm? Dem Puristen wird an dieser Stelle klar, der 20 Liter Müllbeutel reicht auch…

Ab jetzt sollte man daran denken, was man sich noch zulegen muss oder möchte, um dann beim Kauf eventuell schon darauf zu achten, ob man noch am Gewicht sparen kann ohne direkt in den High-End Bereich gedrückt zu werden. Bei vielen Ausrüstungsteilen – speziell Kleidung – gibt es auch leichte Alternativen von No-Name Herstellern.

Bevor es beim nächsten Mal um die einzelnen Ausrüstungsgegenstände geht, möchte ich an diesem Punkt noch auf das sinnvolle Bepacken eines Rucksacks eingehen. Wer einen Rucksack hat, der eine Frontöffnung besitzt kann hier mit Sicherheit ein wenig schlampen.

Es gibt viele Theorien, wie das Gewicht in einem Rucksack optimal zu verteilen ist. Dabei sollte prinzipiell darauf geachtet werden, dass sich die schweren Gegenstände nah am Rücken und möglichst im oberen Teil des Rucksacks befinden. Ein paar ganz brauchbare Tipps findet man unter www.globetrotter.de. Nichtsdestotrotz finde ich wichtiger zu bedenken, wie man möglichst schnell und einfach an seine Ausrüstung kommt. Es ist eher ungünstig, wenn man zunächst das gesamte Gepäck ausräumen muss, um an seine Regenjacke zu kommen, einem dafür aber beim Öffnen sofort die dreckigen Sachen der letzten Tage in die Hände fallen. Hilfreich sind zum Beispiel simple Beutel, in denen man kleinere Dinge verstaut. So erreicht man mehr Übersicht im Gepäck und hat schnell das zur Hand, was man gerade benötigt. Dinge wie Kulturbeutel und frische Wäsche kann man prima nach ganz unten packen, da man abends meist den Schlafsack auspacken muss und dann von unten gut an das Hauptfach kommt. Die Jacke passt meist noch zusätzlich ins Schlafsackfach, sodass man dann oben ins Hauptfach seine tägliche Ration Essen, die Rolle Klopapier oder andere wichtige Dinge packen kann. Sachen wie Taschenlampe, Karte oder Messer gehören ins Deckelfach, sodass sie ständig zur Hand sind. Grundsätzlich sollte man so wenig Material wie möglich außen am Rucksack befestigen. Zum einen sind die Dinge dort schwieriger vor Regen zu schützen, zum anderen gibt es nichts Schlimmeres als ein hin- und herpendelndes Paar Schuhe oder eine Isomatte, mit der man überall hängen bleibt. Umso kompakter das Gepäck beieinander ist, desto angenehmer ist es zu tragen.

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4 Kommentare zu “Packen für Dummies”

  1. rollinger am 1. April 2011 um 11:36 Uhr

    Tolle Sache. Man muss einige Touren erlebt haben um immer besser zu werden, aber solch einen Guide zu machen fidne ich toll. Wir planen das meißt über Google docs. Liste machen und dann schauen was doppelt ist. Aber mein 3 Jähriger wog damals schon 15 Kilo! Aber den trug ja dann in den Alpen meine Freundin :-)
    Gruß Rollinger


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  1. Packen für Dummies #2 | OUTDOORSEITE - 24. März 2011

    [...] ich im ersten Teil versucht habe, euch die grundlegenden Regeln und Gedanken bei der Zusammenstellung eures Gepäcks [...]

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  3. Ich packe meinen Rucksack und nehme mit… | OUTDOORSEITE - 7. Mai 2012

    [...] hin und wieder nehmen wir auch mal etwas zu viel Gepäck mit, aber mit der richtigen Packtechnik (Anleitung 1/Anleitung 2) und dem Bewusstsein, dass jedes Kilo auch getragen werden will, kommen wir bei unseren [...]

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