Mit der ganzen Familie auf den Jenner

Während unseres Urlaubs im Berchtesgadener Land sind wir – wie ich bereits berichtete – nicht gerade mit Sommerwetter gesegnet, dennoch soll es am Donnerstag auf eine Tour auf den 1.874 Meter hohen Jenner, den Hausberg der Berchtesgadener mit optimalem Blick auf den Königssee, gehen, denn der Wetterbericht verspricht einige Sonnenstrahlen. 

Ohne große Vorbereitung wollen wir schon früh morgens los und treffen uns um 9 Uhr morgens mit Cordula, die unsere Tour filmisch festhalten soll, auf dem Parkplatz in Schönau am Königssee. Warum Cordula genau mit uns unterwegs ist, verrate ich in einem der folgenden Beiträge. Nachdem wir kurz die Route abgesprochen haben, empfiehlt uns die ortskundige Cordula den Aufstieg ab der Mittelstation, denn mit Kind in der Trage und bei Sonne kann der Aufstieg bis zum Gipfel ganz schön schweißtreibend sein. Ursprünglich wollten wir mit der Jennerbahn bis zur Mittelstation fahren, aber Cordula weiß: Das Geld kann man sich sparen, wenn man bis zum Parkplatz Hinterbrand, von wo aus wir die Mittelstation auf relativ ebenem Weg in ca. 15 Minuten erreichen.

Um zum Parkplatz zu gelangen müssen wir unseren guten alten Opel ein paar steile Serpentinen hinauf prügeln. Heile oben angekommen wird Greta in ihrem Thron verschnallt und schon geht unsere Tour los. Ziel soll erst mal die Mitterkaseralm sein. Von dort aus wollen wir uns nach dem Wetter richten und die Route neu planen, möglichst auf den Gipfel.

Gondel der JennerbahnVorbei an zahlreichen anderen Wanderern und Spaziergängern, die den sonnenreichen Tag ebenso nutzen wie wir, erreichen wir die Mittelstation und sehen neben vielen kleinen (vermutlich) Selbstversorgerhütten die Jennerbahn. Die Station spuckt die kleinen 2-Personen-Kabinen direkt über unseren Köpfen in gleichbleibenden Abständen aus und Greta hat einen Mordsspaß daran, allen Menschen darin zu winken. Wir bleiben noch etwas an der Mittelstation und freuen uns darüber, wie unsere Tochter sich freut, wenn Leute aus der Gondel zurück winken.

Wir folgen dem bis zum Gipfel stetig steigenden Weg und passieren die Berggaststätte Dr.-Hugo-Beck-Haus auf einer Straße unterhalb des Gebäudes, bis wir nach guten 2,2 Kilometern eine der kleinen Hütten erreichen, die vermutlich Selbstversorgerhütten sind. Dort lassen wir uns auf der leeren Sonnenterrasse nieder und nehmen eine kurze Brotzeit zu uns, genießen den Ausblick auf den Watzmann und das Watzmannhaus – und auf Greta, die sich in einer Seelenruhe mit ihren Lieblingsnaturgegenständen „Stein“ und „Wasser“ beschäftigt. Ein Wassertrog lädt förmlich dazu ein.

Nach der kurzen Pause in der Sonne rappeln wir uns wieder auf – und ich sehe einen recht steilen Anstieg vor mir liegen. Puh! Da muss ich jetzt durch. Dass ich, um auf einen Berggipfel zu gelangen, immer nach oben wandern muss, ist mir klar, aber nach der Brotzeit und den 14 Kilo Gepäck auf den Schultern sieht der Anstieg monströs aus. Aber packen wir’s!

So langsam knallt die Sonne ziemlich stark und ich bereue die Investition in meinen neuen Tirolerhut kein bisschen, der mein schütteres Haupthaar vor Überhitzung und mich somit vor einem Sonnenstich schützt, während Greta auf meinem Rücken zum ersten Mittagsschläfchen ansetzt: Vater schuftet, Kind schläft – das nenne ich Arbeitsteilung. Paraglider ziehen über unseren Köpfen ihre Runden und fliegen in Richtung Tal während wir uns langsam aber stetig nach oben schrauben.

Vor einer langgezogenen Rechtskurve wird die kleine Dame in der Rückentrage wach und beschließt, ausgeschlafen wie sie ist, einen steilen Anstieg selber zu laufen. Die ersten Meter laufen noch problemlos, dann schwindet jedoch die Konzentration und Greta wird zum Entdecker: Auf großen Blättern am Wegesrand funkeln Käfer in der Sonne, die nun überall gesucht werden müssen. Gleichzeitig werden die Blätter zu Sonnenhüten umfunktioniert – und wir geben bestimmt ein tolles Bild für die anderen Touristen ab, wie wir allesamt mit Blättern auf dem Kopf bergauf laufen.

Schild der MitterkaseralmAm Ende der Kurve sehen wir durch ein paar Büsche die Mitterkaseralm. Ein erstes Etappenziel ist in Griffweite! Wir lassen uns auf der Terrasse nieder und schauen in die Karte: Die nächste Stärkung ist angesagt. Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben haben, kommt jedoch urplötzlich ein kalter Wind auf und uns zieht es in die warme Stube. Dort lassen wir es uns bei Kaspressknödeln und warmer Suppe gut gehen, während wir den weiteren Verlauf unserer Tour planen. Ein Blick aus dem Fenster verrät uns: Bis zum Gipfel ist es höchstens noch eine halbe Stunde. Wir wollen rauf.

Ordentlich gestärkt machen wir uns also wieder auf in Richtung Gipfel. Ein Schild an der Wegkreuzung bestätigt: Bis zur Bergstation der Jennerbahn sind’s noch 30 Minuten, von dort noch mal 5 Minuten. Ich bin ein wenig irritiert, als wir an der Kreuzung abbiegen und ich auf einem schmalen asphaltierten Weg in Richtung Gipfel trete. So gut ausgebaute Wege hätte ich hier nicht erwartet.

Während wir die ersten Meter auf dem Asphalt zurücklegen, hören wir das Pfeifen von Murmeltieren. Anfänglich scheint es aus allen Richtungen zu kommen, dann sehen wir aber ein Murmeltier unweit von uns. Ganz schön laut die kleinen Kerlchen.

Nach nur wenigen steilen und in der mittlerweile wieder ordentlich scheinenden Sonne anstrengenden Metern ist die Bergstation schon in Sichtweite. Wir passieren einen Startplatz der Paraglider und sehen ihnen bei den Vorbereitungen für ihren Flug zu. Greta verpasst die Paraglider, da sie nach dem Mittagessen auf der Mitterkaseralm das Schlafen in der Trage wieder bevorzugt. Zum Glück hat sie die Murmeltiere noch mitbekommen.

Jenner BergstationAn der Bergstation angekommen, legen meine Mädels noch mal eine Pause ein, während ich mich zum Gipfel aufmache. Sie nutzen die Zeit, um den ankommenden Gondel zu winken, ich nutze die Zeit, um mein Handy bei ihnen zu lassen und es mit meinem GoalZero aufzuladen, damit der Akku noch für die Aufzeichnung des Rückwegs reicht. Daher fehlt auf meinem Track leider der Weg zum Gipfel und zurück. Dieser ist aber nicht wirklich ausschlaggebend und auch in wenigen Minuten machbar, wenn auch sich hier zahlreiche Touristen tummeln und man gut tut, darauf zu achten, wo man hin tritt.

Aussichtsplattform auf dem Gipfel des JennerEtwas unterhalb des Gipfelkreuzes des Jenner genieße ich den Ausblick auf den Königssee von der Aussichtsplattform aus. In der Ferne ist St. Bartholomä gut zu erkennen und ich versuche, die umliegenden Almen zu benennen, um einen möglichen Rückweg für uns zu planen. Kurz sehe ich noch den Motorbooten auf dem Königssee bei ihrer Überfahrt zu, dann mache ich mich auf zum Gipfelkreuz.

Nach ein paar Treppenstufen erreiche ich das Kreuz und muss mir erst mal einen Platz zum Stehen suchen. Knackevoll ist es hier oben – und wenn jemand Nummern wie beim Amt verteilen würde: Die Leute würden sich auch in einer Schlange anstellen, um ein Foto mit dem Kreuz zu machen. Nach einigen Minuten des Wartens und des Umwanderns von anderen Touristen komme ich dann auch noch zu meinem Gipfelkreuzfoto, bevor ich wieder hinunter zu meinen Mädels steige.

Wieder an der Bergstation angekommen besprechen wir die weitere Route: Über einen schmalen Pfad soll es zur Königsberg-Alm und von dort aus in Richtung Königsbachalm gehen. So gehen wir einmal um den Jenner herum und gelangen wieder zu unserem Auto. Los geht es!

Abstieg zur KönigsbachalmAuf dem Pfad, der sich in engen Kurven steil nach unten gräbt, wandern wir vorbei an blauem Enzian und für ein paar Minuten genießen wir die Stille, denn außer uns hat anscheinend niemand den steileren Weg gewählt. Auch auf dem breiten Zufahrtsweg, auf den wir nach dem Abstieg gelangen, sind kaum noch Touristen anzutreffen und wir können noch einmal einen Blick auf die Bergstation werfen, die mittlerweile hoch über uns thront. Diese Seite des Jenner scheint nicht so beliebt zu sein, wobei sie die meines Erachtens schönere Seite des Berges ist.

Kühe streichelnEtwas oberhalb der Königsbachalm wandern wir über eine Brücke und beschließen an einem Schild, das uns zurück zur Mittelstation leitet, im Dr.-Hugo-Beck-Haus einzukehren. Vor uns liegen aber noch ein paar Kilometer und wir wandern vorbei an Kühen, die mitten auf dem Weg liegen und sich Sonnen. Wir kommen nicht drum herum, eine kurze Pause einzulegen, in der Greta die „Wegelagerer“ streicheln kann. Wir kommen den Kühen ganz nah und Greta freut sich wie Bolle, als die Kuh laut schnaubt und sie den warmen Atem auf ihrer Hand spürt.

Wir wandern weiter und schon bald geht ein schmaler Pfad ab vom Fahrweg, der uns zum Dr.-Hugo-Beck-Haus führt. Dort lassen wir es uns – wieder einmal – auf der Sonnenterrasse bei Kaiserschmarrn und Kuchen gut gehen, bevor wir die wenigen restlichen Meter zur Mittelstation antreten. Dort treffen wir auf einen Spaziergänger, der die letzte Abfahrt der Jennerbahn verpasst hat und zurück zum Parkplatz am Königssee muss, um dort seine Familie zu treffen. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit bieten wir dem Herrn an, ihn bis dort mitzunehmen, da unser Auto nur noch 15 Minuten von der Mittelstation geparkt ist. Er kommt mit uns mit, wir unterhalten uns angeregt – und ich vergesse am Auto, mein Tracking auszuschalten. Daher zeigt die Aufzeichnung unserer Wanderung 23,1 statt ca. 14 km an. Ich habe den Weg zum Parkplatz am Königssee mit aufgezeichnet.

Video von der Wanderung auf den Jenner

Bilder von der Wanderung auf den Jenner

Karte und GPS-Daten

 

Hinweis
Der Bericht ist ebenfalls bei der Hike-Society erschienen.

6 Kommentare

  1. Beim Anblick des Titelphotos ist mir direkt auch der Schweiss ausgebrochen. Das Stück an der Mitterkaseralm ist echt steil.
    Danke für den Bericht. Hat mich erinnert, dass wir dort auch wieder hinfahren müssen.

    • Wir waren sicher auch nicht zum letzten Mal da. War bisher immer nur kurz in Berchtesgaden und das letzte Mal „ausgiebig“ zur Klassenfahrt 1996. Da war aber nur Touri-Programm angesagt…

  2. Der Jenner ist immer eine Reise wert, schon alleine wegen des genialen Ausblicks. Ich umgehe zwar meist die Touristenmassen, aber einmal im Jahr bin ich mindestens hier oben.

    Ich habe da eine Vorahnung warum Cordula dabei war…verrate aber mal noch nichts! ;-)

  3. Hallo Axel, Respekt, du hast ja alles mit auf den Jenner genommen, was du tragen kannst :-). Ich war auch schon zweimal oben, habe aber soeben nach Ansicht deines Beitrags und der Bilder, dieses Jahr wieder hoch zu gehen! Liebe Grüße aus München, Felix

  4. Sehr schöner Artikel mit Bildern. Ich werde auch mal im August an den Berchtesgarden fahren und eine Tagestour am Jenner machen. Kann es kaum noch erwarten.

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