Merrell Trail Glove

Zugegeben, in strahlendem Blau und leuchtendem Orange ist der Merrell Trail Glove ein eher auffälliger Schuh und durch sein fast durchgängiges Meshgewebe sieht man ihm seinen sportlichen Laufschuhcharakter schon auf den ersten Blick an. Doch geht es bei diesem Modell im Alltag eher um die inneren Werte. Und da glänzt der Merrell Trail Glove fast auf ganzer Linie.

Der Aufbau

Die Sohle, die in diesem Falle von Vibram stammt, ist dünn und biegsam und hat weder eine ausgeprägte Dämmung, noch eine Sprengung, was diesen Schuh zweifelsfrei zum Barfußschuh qualifiziert. Mit 4mm ist die Sohle im Vergleich mit Modellen von Vivobarefoot oder Solerunner vergleichsweise dick, beim Tragen jedoch wird schnell klar, dass dies ein echter Barfußschuh ist, den man nicht auf langen Strecken im Hackengang komfortabel laufen kann. Der blaue Sohlenbereich ist eher gerillt, der schwarz durchweg mit ovalen Noppen versehen, die auch Off-Road guten Grip garantieren sollen.

Die Zehenbox ist angenehm breit und lässt viel Spielraum, was sich gut anfühlt und Blasen und wunden Stellen vorbeugt. Die Sohle ist in drei Zonen unterteilt, wobei zwei der Zonen (blau und schwarz) aus dem gleichen robusten und sehr griffigen Gummi bestehen, der orange Teil jedoch aus einem weicheren, poröseren und weniger robustem „Moosgummi“, das sich oberhalb der eigentlichen Sohle fast von der Spitze bis zur Ferse erstreckt, im Mittelfußbereich jedoch stark auch unter den Fuß gezogen ist. An sechs kleinen, rautenförmigen Stellen durchdringt es zudem die schwarze Sohle und stellt hier einen optischen Kontrast dar. Ob diese Durchdringung auch einen funktionellen Aspekt haben könnte, war uns auch nach dem Test noch unklar. Vermutlich handelt es sich hier nur um einen Designaspekt.

Geschnürt wird der Schuh über jeweils acht Schlaufen und vier Ösen. Eine aufgenähte Schlaufe auf der Zunge hält diese sicher an Ihrem Platz. An der Ferse hat der Schuh ebenfalls eine angenähte Schlaufe, die wahlweise beim Anziehen hilft oder beim Befestigen der Schuhe am Rucksack. An der Spitze des Schuhs ist eine etwa 2cm hohe Wetterkante aus robustem, schwarzen Gummi angebracht, die den Läufer vor unangenehmem Kontakt mit Dornen, Wurzeln, Steinen oder nassem Gras schützen kann. Apropos Nässe: neben der erwähnten Wetterkante gibt es ansonsten keinen Regenschutz und aufgrund der luftigen Bauweise und dem verwendeten Mesh-Material ist dies eher ein Gut-Wetter-Schuh.

Jeweils vorne und hinten sind sehr schmale Reflektorstreifen eingenäht. Diese könnten nach unserem Geschmack etwas breiter ausfallen und auch an den Seiten angebracht werden, was eine Sichtbarkeit bei Nachtläufen deutlich erhöhen würde.

Im Inneren des Schuhs herrscht minimalschuhtypische Kargheit: Keine Einlegesohle, keine besonderen Verstärkungen, keine Gimmicks. Aber diese Kargheit ist ja eben kein fehlendes Feature, das Fehlen ist das Feature.

Die Verarbeitungsqualität

Über die Verarbeitungsqualität und Haltbarkeit eines Schuhs kann man auf den ersten Blick und auch nach einer kurzen Nutzung in der Regel wenig aussagen. Daher haben wir den Merell lange und ausführlich in unterschiedlichen Umgebungen und auf verschiedenen Untergründen getestet. Der Schuh ist einwandfrei verarbeitet, sauber verklebt und vernäht und lässt neben einer leichten Asymmetrie des linken und rechten Schuhs an der Wetterkante keine Auffälligkeiten entdecken. Eine Schwachstelle war jedoch schon beim ersten Anblick absehbar. Der orange, moosgummiartige Sohlenteil, der im Mittelfuß bis weit unter den Schuh ragt, ist deutlich weniger abriebfest und gewappnet gegen Einstiche von spitzen Steinen, als der Rest der Sohle. Dadurch wirkt dieser Teil der Sohle bereits nach wenigen Kilometern über Stock und Stein leicht abgetreten, während die schwarzen und blauen Sohlenanteile lange Zeit noch fast neuwertig wirken. Obwohl dies nur ein optischer Makel sein mag, der der Nutzung des Schuhs keinerlei Abbruch tun, so würden wir uns hier ein Design wünschen, dass diese Gummiart nicht derart weit unter den Fuß und somit aus der „Gefahrenzone“ führt. Sehr robust zeigt sich die Verklebung, die nicht wie bei der Konkurrenz schon nach wenigen Tagen der Nutzung zwischen Obermaterial und Sohle an den Rändern den Halt verliert.

Trailrunning mit dem Merell Trail Glove an der Algarveküste

Der Test: Trailrunning mit dem Merell Trail Glove an der Algarveküste

Der Tragekomfort

Der Merrell war im Test von Tag 1 an und in den verschiedenen Testumgebungen (Straße, Wald, Sand, Geröll, Fels) extrem bequem. Nie zwickte oder drückte etwas am Fuß. Nie kam es zu Blasen oder wunden Stellen. Durch die extrem luftige Bauweise gab es auch nie das Gefühl von heißen oder schwitzigen Füßen. Durch die gut dosierbare Bindung gibt es genug halt, auch auf Abwärtspassagen nicht mit den Zehen anzustoßen.

Durch die etwas dickere Sohle läuft man mit dem Merrell nicht nur auf der Straße sehr bequem, sondern auch auf etwas abenteuerlichen Strecken über Stock und Stein. Diesen Komfort wussten wir bei einer Wanderung über einen sehr gerölligen Weg eines mallorquinischen Bergdorfes zurück ins idyllische Sollier sehr zu schätzen, während ein Mitläufer im Solerunner über den teilweise sehr spitzen Untergrund klagte, den der Solerunner fast unverändert an den Fuß weitergab (dazu mehr im Testbericht über den Solerunner). Auch beim Trailrunning an der Algarve konnte der Merell glänzen. So ist das Meshgewebe dicht genug, um nicht ständig einen Sandkasten im Schuh zu haben und die Sohle so fest und griffig, dass man auch auf ständig wechselnden Untergründen aus Sand, Lehm, Geröll und Steinen nicht aus dem Tritt kommt. Die flexible Sohle vermittelt ein gutes Feedback über den Untergrund ohne gleichzeitig spitze Steine unangenehm in die Fußsohle zu rammen. So hat man beim langsamen oder schnellen Lauf über Stock und Stein stets ein sehr sicheres und komfortables Gefühl, ohne gleichzeitig auf die Eigenschaften eines Barfußschuhs zu verzichten.

Die 4mm-Sohle ist jedoch auch vorteilhaft für Anfänger, die aus Konditionsgründen für kurze Zeit vom Vorderfuß- in den Hackenlauf wechseln möchten oder auf Abwärtspassagen. Denn auch für eingefleischte Barfußläufer ist bei Wegen mit negativer Steigung der Lauf auf dem Vorderfuß ungleich schwerer und ab einem bestimmten Gefälle fast unmöglich. Umso dankbarer ist man dann, kurzzeitig auch mit der Hacke auftreten zu können.

Die komfortable Sohle sollte beim Trailrunning jedoch nicht vergessen lassen, dass der Schuh über nahezu keine Dämpfung verfügt: bei der Landung nach einem Sprung sollte man daher stets in der Muskelkette, d.h. auf dem Vorderfuß und mit gebeugten Knien landen, sonst rammt man sich sein beschleunigtes Körpergewicht schmerzhaft in Hüfte und Wirbelsäule (das verinnerlicht man nach einem versehentlichen, falschen Landemanöver jedoch sehr rasch).

Das Fazit zum Merrell Trail Glove

Der Merrell ist ein Sportler, das zeigt er durch sein Äußeres und nach dem Test war klar, dass er dieses Versprechen auch hält. Luftig, bequem und mit einer flexiblen und griffigen Sohle hat es Spaß gemacht, den Schuh unter verschiedenen Aspekten zu testen. Seine auffällige Optik ist sicherlich Geschmackssache (natürlich gibt es ihn in unterschiedlichen Farbkombinationen), seine gute Passform und seine nicht zu dünne Sohle machen ihn jedoch für viele Laufaktivitäten on- und offroad zu einer guten Wahl, wenn man sich einmal an das Vorderfußlaufen gewöhnt hat. Wenn Merrell über das Moosgummi im Sohlenbereich, etwas großzügige Reflektoren und eine zusätzliche, gedecktere Farbkombination nachdenken würde, ist dieses Modell mit Sicherheit ein Verkaufsschlager für trockene Tage.

Links

Auch getestet wurde der Merell Trail Glove von Fastpacking, Hiking Blog und uptothetop.de

2 Kommentare

  1. Ich hab den Trailglove jetzt seit ungefähr 3 Jahren im Dauereinsatz! So eine Lebensdauer hätte ich ihm niemals zugetraut. Und das trotz Trekkingtouren, ausgedehnten Wanderungen, Trailruns und ständigem Alltagseinsatz. Mittlerweile ist bei meinen die Sohle aber auch stellenweise soweit runter, dass die farbige Dämpfung darunter zu erkennen ist. Aber das ist ja das schöne an Minimalschuhen: Sie werden nur noch minimaler! ;-)
    Scheinbar hat Merrel das Profil in der Zwischenzeit geändert. Statt der runden Noppen hatten meine noch so eine Art Schuppenprofil. Das der Trailglove nur ein Schönwetterschuh ist ist übrigens falsch! Gerade bei Nässe, sei es durch Regen oder dank einer Flussdurchquerung, zeigt er seine Stärke! Er nimmt kaum Wasser auf und trocknet daher wirklich sehr schnell. Natürlich werden die Füße bei sowas nass. Aber das würden sie auch in allen anderen Schuhen außer evtl. ’ner Anglerhose. Kalt werden nasse Füße in Minimalschuhen übrigens nicht. Dank der besseren Muskelarbeit des Fußes wird dieser auch stärker durchblutet und kann sich einer deutlich weiteren Temperaturspanne anpassen. Also wichtig wenn die Füße mal nass werden: nicht stehen bleiben, sondern weiterlaufen! Und laufen kann man in den Trailglove wirklich saugut!

  2. Toller Schuh, der für Abwechslung sorgt.
    Langsam anfangen und dann jeden Meter genießen. Brennende Waden sind oft vorprogrammiert! ;-)

    Danke für den Link

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