BOOM! Mein erster Halbmarathon

„Gleich laufe ich einen Halbmarathon“, das hatte ich mir in den Kopf gesetzt, bevor ich mich für einen kurzen Mittagsschlaf hingelegt hatte. Meine Frau musste arbeiten und unsere Tochter wurde um 10 Uhr von der Tante abgeholt, also: Sturmfrei! Und jede Menge Zeit an meinem freien Tag. Warum also die Zeit nicht mal nutzen?

Jeder Läufer, das behaupte ich jetzt einfach mal, träumt, sofern er nicht eh schon Halbmarathon, Marathon oder Ultramarathon läuft, irgendwann von einer festen Distanz jenseits der 5 km-Grenze. So habe auch ich immer wieder daran gedacht, wie es wäre, einmal die HM-Distanz zu laufen. Und „immer“ bedeutet irgendwann ab, naja, sagen wir mal Sommer 2009. Bisher hat sich das aber aufgrund verschiedener Faktoren nie ergeben:

  1. Habe ich bis vor Kurzem geraucht wie ein Schlot,
  2. war ich vor 6 Monaten noch 23 kg schwerer und
  3. war ich nie so „drin“ wie im Moment.

Aber kommen wir zurück zum Thema. Ich lag also auf dem Sofa und hatte einen unruhigen Mittagsschlaf hinter mir. Vorher hatte ich mir überlegt, heute einen HM zu laufen. Einfach so. Nur mal die Distanz testen. Sehen, ob mein Körper mitmacht. Außerdem war ich das letzte Mal vor 5 Tagen gelaufen, was aber auch daran lag, dass ich nach dem Squash mit meinem Arbeitskollegen am vergangenen Dienstag einen leichten Muskelkater hatte und meine Knie durch die Brems- und Sprungbewegungen auf dem Hallenboden leicht zwackten. Das sollte mich aber heute von nichts abhalten.

Auf die Plätze, fertig, los!

Nach einer kurzen Aufwachphase warf ich meine Laufmontur über und suchte mir den Inhalt meines Rucksacks zusammen: Handy, Regenjacke, Getränk, ein bisschen Geld, Digitalkamera und Haustürschlüssel. So sollte ich alles für den Notfall dabei haben. Aber ich wollte ja auch nicht gänzlich in der Wildnis laufen. Sollte etwas passieren, da war ich mir sicher, würde ich etwa alle 20 Minuten jemand treffen, der mir helfen könnte. Aber ich wollte auch nicht den Teufel an die Wand malen, denn ich war durchweg guter Laune.

Langsam wurde die Zeit knapp: Ich hatte mich für den späten Nachmittag mit meiner Familie zum Essen verabredet und wollte pünktlich wieder zu Hause sein. Also schnell los. Rucksack und Schuhe an, Haustüre abschließen, Forerunner an… Oh Mann! Der Akku zeigte nur noch 50% Ladung an. „Wenn ich jetzt einen HM laufe und die Uhr mittendrin abbricht, dann brech ich auch – und zwar ins Essen!“, dachte ich mir. Zur Sicherheit schaltete ich also noch Runkeeper ein. Und los ging’s.

Und jetzt? Wo lang?

Ich kenne mittlerweile einige Strecken in meiner Region vor der Haustür, dem Wurmtal. Diese Strecken bastelte ich mir im Kopf zurecht, so dass ich ungefähr auf 21 km kam. Dabei achtete ich darauf, dass ich immer mal wieder an markanten Punkten vorbei kam, wo ich im Notfall hätte abkürzen können.

Es ging über die Bergehalde Gouley, die ja nun direkt vor meiner Haustür liegt, zur Burg Wilhelmstein, ca. 3 km von mir zu Hause entfernt. Auf der Burg, die sich in Privatbesitz befindet, finden das ganze Jahr über Konzerte und Veranstaltungen auf der wunderschönen Freilichtbühne statt. Eine tolle Kulisse für einen unterhaltsamen Abend, aber heute sollte es von der Bardenberger Mühle hier hinauf gehen. Ein kurzer und knackiger Anstieg, der vor ein paar Monaten noch nicht machbar gewesen wäre. Ich war erstaunt, wie easy ich hier hoch kam. Und das alles ohne zu schnauben wie ein Waldrückepferd.

Von der Burg Wilhelmstein aus begab ich mich auf die Karbonroute, die durch den nördlichen Teil des Wurmtals führt. Hier ging’s an der Grube Furth vorbei, teilweise nicht mehr der Karbonroute folgend. Auf diese sollte ich erst später wieder treffen. Nach einem knackigen Anstieg gelangte ich nach Kohlscheid, wo ich aber nur kurz verweilte und nach wenigen Metern wieder in das Wurmtal einbog.

Über die Bardenberger Mühle lief ich in Richtung Teuterhof, wo ich nach rechts in die allseits beliebte Wurmtalrunde einbog. Auf der rechten Seite der Wurm ging es hinauf in Richtung des Ponyhof Zintzen, von wo ich das Tanklager Würselen anpeilte. Weiter durch den Stadtgarten von Würselen gelangte ich irgendwann an die sog. K30, eine Umgehungsstraße von Würselen, deren Verlauf ich auf Nebenstraßen bis zu ihrem Ende folgte. Nun waren es nur noch ca. 4 km bis zum Startpunkt, zu meinem zu Hause, bis zu meiner ersten HM-Distanz, meinem ganz persönlichen Rekord. Ich drehte also noch ein paar Ründchen um den Block und über die Felder, um die 21 km „voll“ zu bekommen.

Yes! That rocks!

Zu Hause angekommen war ich happy. Ja: Stolz! Das Gefühl „es“ zum ersten Mal geschafft zu haben, hält hoffentlich noch ein paar Tage an, denn es ist irgendwie genial. Zwar meldeten sich nach ca. 9 km komischerweise einige meiner Zehen in linken Fuß und zwackten, aber ansonsten hätte ich mit wesentlich schlimmeren körperlichen Symptomen gerechnet. Und siehe da: Der Muskelkater ist weg! Und nicht gleich, aber bald laufe ich wieder einen Halbmarathon ;-)

PS: Das Zwacken in den Zehen ist übrigens wieder weg.

 

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