Mal was neues: Canyoning am Plansee in Österreich

Eigentlich hätte dieser Beitrag schon vor ein paar Wochen nach unserer kurzen Reise ins Berner Oberland geschrieben sein sollen. Doch machte uns damals die Natur in Form von zuviel Wasser einen Strich durch die Rechnung und unsere Canyoning-Tour mit Outdoor Interlaken musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. (Axel ging alternativ im Schnee zum Rafting).

Im Rahmen des Intersport Gipfeltreffens konnte ich nun nochmal mein Glück wagen. Mit einem Bus wurden wir vom Bayerischen Oberammergau zum Plansee in Österreich gefahren, wo unsere Gruppe von ca. 30 Personen von drei erfahrenen Guides sicher durch die Schlucht geführt wurde.

Was ist eigentlich Canyoning?
Beim Canyoning oder auch Schluchteln folgt man einem Canyon bzw. engen Bergflusslauf/Schlucht flussabwärts. Abhängig von der jeweiligen Situation muss man laufen, klettern, schwimmen, in ein Wasserbecken springen oder von höheren Stellen abgelassen werden. Entsprechend besteht die Ausrüstung aus festem Schuhwerk, Neoprenanzug, Canyoning-Klettergurt (mit Plastiksitzfläche zum leichteren Rutschen), Kletterhelm und manchmal auch Handschuhen und Schwimmwesten. Ohne einen erfahrenen Guide und entsprechender Ausrüstung sollte man niemals auf eigene Faust ein Canyoning-Abenteuer wagen, weil nicht nur die Ausrüstung, sondern auch die gute Kenntnis des Flusses absolut sicherheitsrelevant ist.

Apropos Sicherheit
Im Wesentlichen besteht Canyoning aus dem Kampf mit den Elementen Fels und Wasser. Und eben darin bestehen zwei Risiken, die man auf keinen Fall unterschätzen darf: die des Ertrinkens und die des Sturzes oder zumindest Aufpralls. Und diese Risken hat man in einem reißenden Gebirgsbach deutlich schlechter im Griff, als man zunächst glauben mag. Die Strömungen, Wirbel und Untiefen können tückisch sein und nur ein guter Guide weiß, wie man mit Spaß und ohne Verletzung durch den Canyon kommt. Die nötige Sicherheitsausrüstung leistet ihr übriges und der Neoprenanzug schützt nicht nur vor der Kälte des Wassers, sondern auch etwas vor dem umgewollten Kontakt mit dem Fels. Aber auch wenn der Guide geübt ist und die Ausrüstung gut, sollte man immer sehr vorsichtig agieren und ein Auge auf andere Teilnehmer der Gruppe werfen.

Der Einstieg in den Canyon
G0176058Nach dem Anziehen der Ausrüstung und einer nochmaligen Sicherheitseinweisung ging es an den Startpunkt. Der Canyon am Plansee ist gutmütig für Anfänger, denn der Schwierigkeitsgrad beginnt niedrig. In ein großes, tiefes Wasserbecken kann man aus zwei unterschiedlichen Höhen springen. Ein Sprung ins Wasser ist für mich eigentlich kein Problem. Aber meine immer noch vorhandene leichte Höhenangst, die immer dann auftritt, wenn ich nicht irgendwo fest angeseilt bin und springen muss, brachte mich doch kurz zum Zögern. Ein kleiner Sprung, ein kurzer Fall, ein großer Platsch und schon habe ich die erste kleine Mutprobe hinter mir und der Auftrieb meiner Ausrüstung zieht mich zurück an die Wasseroberfläche. Alles halb so wild. Jeder, der schonmal im Hallenbad vom 3-Meter-Brett gesprungen ist, kann soetwas. Der Unterschied ist nur: man springt nicht in ein blau gefliestes Becken, sondern in ein dunkles Loch, das über Jahrtausende von einem Fluss ins Gestein gewaschen wurde. Und geheizt ist das Wasser im Canyon natürlich auch nicht. Aber das Problem, das ich mit Höhe zuviel habe, habe ich mit kaltem Wasser zu wenig.

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Weiter geht’s
…nicht über Stock, dafür über umso mehr Stein und mit nassen Füßen durch’s Wasser zur nächsten Stufe. Angeseilt gleite ich langsam über die Felskante ins Ungewisse, denn der Überhang erlaubte keinen klärenden Blick über die Felskante. DSC06576Nur die Tiefe stand ungefähr fest: TIEF! Nach ungefähr 15 Metern hatte der feste Boden mich wieder und es ging weiter zu den nächsten Sprüngen, Rutschen und einer Stelle, an der man rückwärts sitzend mit Hilfe des Bergführers einen Rückwärtssalto in das nächste Becken machen konnte. Die Bergführer selbst sind echte Haudegen, die nicht nur perfekt Sichern und Anweidsungen geben, sondern zwischendurch auch zeigen, wie mutlos man mit Kopf oder Füßen zuerst von hohen Klippen springen kann.

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Zum Abschluss
Vor dem Ende des Canyonabenteuers gab es für uns nochmal eine längere Abseilpassage, die über ca. 30 Meter und teils Überhängen, teils Felsabsätzen in einen tiefen Teich führte. Schraubkarabiner öffnen in Rückenlage mit eiskalten Fingern will gelernt sein! Schwimmen, ein kurzer Fußmarsch und schon waren wir im letzten Becken unserer Reise, in das wir wieder von zwei Seiten in unterschiedlichen Höhen springen durften. Und weil die Zeit es zuließ, konnten wir noch ein einem kleinen Nebenbecken durch einen Wasserfall tauchen. Beeindruckend, wie viel Kraft auch ein kleiner Wasserfall hat. Es prasselt nicht nur kräftig am Helm, auch die entstehende Strömung treibt mich tüchtig ab.

Fazit
DSC06607Was für eine Gaudi! Die Stunden im Canyon haben mir mächtig Spaß gemacht und ich war froh, dass es erst leicht begann und ich mich an die Sprünge gewöhnen konnte. Trotzdem blieb ein schönes Maß an Nervenkitzel vor jedem Fall. Übrigens konnte man immer selbst bestimmen und bei fehlendem Mut auch um eine Herausforderung herumlaufen und weder die Guides, noch die Teilnehmer übten Druck aus, einen Sprung trotz zu großer Angst zu machen. Ein perfektes kleines Abenteuer, das ich bestimmt gerne wieder wagen werde, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Der nötige, kleine Mut wird mit einem großen Spaß und einer tollen Erfahrung in Mutter Natur belohnt! Ein Fazit-Video mit Stephanie und mir gibt es übrigens bei Facebook!

Vielen Dank für die Fotos in diesem Beitrag an Alexander und Agnes Z.!
Weitere Canyoning-Fotos vom Gipfeltreffen 2015 gibt im es Flickr-Account von Intersport.

Hinweis
Zur Teilnahme am Gipfeltreffen wurde ich durch Intersport eingeladen, was diesen Bericht jedoch nicht beeinflusst hat. Alle Berichte auf der Outdoorseite werden gewissenhaft, möglichst neutral recherchiert und zeigen sowohl positive als auch negative Aspekte auf.

2 Kommentare

  1. Das hört sich nach unglaublich grandiosen Spaß an, nach dem man mit knallroten Wangen und mit einer riesigen Erzähllaune nach Haus kehrt. Das wäre echt auch etwas für mich.

    Schön, dass du auch auf die Gefahren aufmerksam machst. Sicher nicht unbedingt ein Problem mit den Bikes, aber im Hinterkopf sollte man das schon behalten. Ich hätte mich sicher nicht bei allen Sprüngen getraut, aber in der so einer Gruppe ist man sicher mutiger.

  2. Ich war am Wochenende in Tirol zum Skifahren und habe durch einen Bekannten vom Canyoning in Österreich erfahren.. das sieht echt klasse aus. Muss ich mir im Sommer unbedingt mal anschauen!

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