Florena Men Abenteuer Natur 2012

Im vergangenen Jahr rief der Kosmetikhersteller Florena zum Florena Men Abenteuer Natur 2012 auf. Vom 20. bis 24. Januar 2012 hatten ich und vier weitere Gewinner des Online-Votings die Gelegenheit, Rumäniens wilde Seite kennen zu lernen. So startete ich am 20. Januar zu diesem einmaligen Abenteuer in Richtung Rumänien.

Einen ersten Zwischenstopp lege ich in München ein, da ich hier den Rest der Männer-Truppe treffen soll. Die anderen Jungs zu erkennen ist nicht sehr schwer, denn Florena hatte uns bereits im Voraus Rucksäcke zur Verfügung gestellt. So muss ich nur Ausschau nach orangefarbenen Rucksäcken halten – und diese sind schnell gefunden! Über Facebook hatten wir uns vor der Reise zusammengefunden und dank des Netzwerks ist die gesamte Truppe im Handumdrehen beisammen. Wenig später trifft auch Thomas ein, der uns als Reiseleiter mit den Jacken des Kooperationspartners VAUDE für unser Abenteuer versorgt. So ausgestattet sorgen wir schon am Flughafen für Aufsehen.

Unsere Maschine startet am Flughafen München – an Bord Bernd, Georg, Tim, Philipp und ich, die Gewinner des Florena Men Abenteuer Natur 2012, Thomas, Dennis für die Marke Florena, Alex für das Outdoor Magazin und Christoph Jorda, der für beeindruckende Fotos sorgen soll. In der kleinen Maschine geht es nach Temeswar in der Region Banat, zweitgrößte Stadt Rumäniens nach der 550 Kilometer entfernten Hauptstadt Bukarest. In Temeswar angekommen, erwarten uns schon Lars Konarek, Survival Guide und Bushcraft-Experte, und Carol Varga, unser rumänischer Guide, der das Banater Bergland wie seine Westentasche kennt.

Ankunft beim Florena Men Abenteuer NaturNach einer kleinen Stärkung auf einem naheliegenden Parkplatz macht sich unser Konvoi auf in Richtung Brebu Nou. Und je höher sich unsere Geländewagen schrauben, desto winterlicher werden die Verhältnisse. Das regnerische Grau ist dem weißen Schnee gewichen und etwa 17 Kilometer vor Brebu Nou dann eine Zwangspause: Wir haben uns so festgefahren, dass es ordentlich Manpower braucht, um den Wagen wieder auf die Straße zu bringen. Zum ersten Mal auf unserer Reise heißt es: Extrem männlich! Im Schneckentempo geht es weiter hinauf.

Ankunft in Brebu Nou

Nach der erlebnisreichen Fahrt über etliche Kilometer Buckelpiste, die sich mit zunehmender Höhe in eine Eisbahn verwandelt, kommen wir am frühen Abend endlich in Brebu Nou an. Weidenthal, so der deutsche Name für Brebu Nou, galt im Jahr 2007 noch als bevölkerungsärmste Gemeinde im gesamten Land (Quelle: Wikipedia). Der Ort liegt auf 820 Metern Höhe am Fuße des Semenic-Gebirges, das den südlichen Teil der Westrumänischen Karpaten und gleichzeitig einen südlichen Ausläufer der langen, gekrümmten Karpatenkette bildet.

Unsere Herberge für die nächsten Tage ist das Hotel Enduromania, wo man uns nett empfängt und uns unsere Zimmer zuteilt, damit wir uns nach der langen Anreise kurz frisch machen können. Nach dem gemeinsamen Abendessen erklären Thomas, Lars und Carol den Ablauf der nächsten Tage und händigen uns Gamaschen, Trekkingstöcke, eine Thermoskanne, ein Erste Hilfe-Set und Verpflegung für den kommenden Tag aus. Müde lassen wir den Abend ausklingen und verschwinden ziemlich bald im Bett, da für den nächsten Tag ein straffes Programm vorgesehen ist.

Schnee, Schnee, Schnee … und Landschaft

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns schon sehr früh auf den Weg, um die Gegend rund um Brebu Nou zu erkunden – und schon nach wenigen Metern ist klar, warum wir Gamaschen bekommen haben: Knietief stehen wir im Schnee.

Vorbei am Stausee Trei Ape, der von drei Bächen gespeist wird und auf Deutsch “Drei Wässer” heißt, geht es auf eine Anhöhe, auf der wir eine erste kleine Pause neben den Gipfelkreuzen machen. Bereits zu Beginn unserer Tour ermahnten und Carol und Lars, dass der erste Mann ständig wechseln muss. Als Nordrhein-Westfale und somit nicht ganz schneeerprobter Wanderer ist mir zuerst nicht klar, warum wir uns abwechseln sollen. Als ich dann aber an der Reihe bin, wird mir ziemlich schnell bewusst, dass jemand spuren muss. Puh!

Wir ziehen weiter, folgen dabei mal einem zugefrorenen Flussbett, steigen zugewachsene Hänge hinauf. Lars erzählt uns etwas zu essbaren Pflanzen wie dem Weißdorn und lässt uns probieren. Wir lernen, dass dünne Äste der Fichte sich am besten eignen, wenn man bei nassem Wetter Feuer machen will und dass man Kiefernrinde zum Brotbacken benutzen kann. Von beidem packen wir etwas in unsere Rucksäcke.

Nach gefühlten 20 Kilometern kommen wir noch vor Einbruch der Dämmerung in unserer Unterkunft an. Nach einer kurzen Aufwärmphase folgt ein kleiner Theorieteil: Lars erklärt uns, wie wir mit Feuerstahl Feuer machen können. Dieser eignet sich besonders gut, da er auch bei Nässe Funken schlägt. Nach einigen Versuchen sind wir in der Lage, einen aufgefummelten Tampon zu entzünden. Und schon kommen unsere Fichtenzweige zum Einsatz: Mit dem Feuerstahl und einem Tampon als Anzünder sollen wir die dünnen Zweige zum Brennen bringen. Das klappt in der Theorie ganz gut – in der Praxis leider nicht.

Nichts desto trotz sollen wir unser Lagerfeuer noch bekommen: Mit Lars’ Unterstützung können wir mit unserem Feuerstahl und einem Tampon ein großes Feuer entfachen. Lars erzählt uns, dass man nur mit Mehl, Wasser und etwas Kiefernrinde leckeres Brot backen kann. Also machen wir uns daran, in einer Schüssel Mehl und Schmelzwasser zu vermengen. Die zerkleinerte und untergemengte Kiefernrinde, so berichtet Lars, wurde früher häufig genutzt, um den Teig von Brot zu strecken – und so können wir nach viel Kneterei und Matscherei unsere eigenen kleinen Brote im Feuer backen.

Da das Brot leider nicht reicht, um den Körper nach der langen Tageswanderung durch den Schnee wieder mit ausreichend Kohlenhydraten zu versorgen, lassen wir es uns beim gemeinsamen Abendessen gut gehen und können uns ein wenig aufwärmen. Im Anschluss verteilen unsere Guides das Material für den kommenden Tag: Eine Pechfackel, Tütennahrung, Schokoriegel sowie zwei Heuler, die uns nachts vor Wölfen schützen sollen. Zwar erklärt Carol, dass es in dieser Region keine Wölfe gibt, aber es gelegentlich sein kann, dass sich ein Wolf aus dem Nachbartal hierhin verirrt. Da wir die kommende Nacht im Zelt verbringen sollen, gehen unsere Guides auf Nummer Sicher.

Die Nacht im Schnee – und eine kleine Planänderung

Am nächsten Morgen erhalten wir einen Überblick, was uns an diesem Tag erwarten wird. Dass wir eine Nacht im Zelt verbringen werden, war bekannt. Nach einer Tageswanderung in ein Tal soll dort unser Lager aufschlagen werden. Am nächsten Tag, so ist es vorgesehen, soll es von dort aus zu einer Höhle gehen. Doch es soll noch anders kommen.

Mit unseren drei Geländewagen fahren wir früh morgens hinauf zum Skigebiet Semenic auf 1445 Meter. Als wir aus den Autos steigen, ist sofort klar: Das wird kein Zuckerschlecken! Ein eisiger Wind prescht uns ins Gesicht und lässt die Schneeflocken wie Hagelkörner wirken. Voller Tatendrang machen wir uns auf den Weg, doch bereits nach einigen Metern ist klar: Streckenänderung. Der Wind peitscht uns mit fast 60 km/h um die Ohren und eine längere Strecke unter diesen Umständen wäre nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich geworden. Also nehmen wir einen Weg, der uns noch einmal an den stummen Zeugen des Kommunismus vorbei führt: die seit Jahren nicht bewirtschafteten Riesen-Hotelanlagen, die reihenweise vor sich hin rotten. Neben einem Wachhaus passiert dann das Unglück: Ein nicht erkennbarer Holzhaufen, der vom Schnee völlig verdeckt ist, wird uns zum Verhängnis. Zwei Gruppenmitglieder rutschen mit den Beinen so unglücklich in die Holzscheite, dass an ein Weitergehen nicht zu denken ist. Zwar ist die Enttäuschung in der Gruppe groß, aber unter diesen Umständen werden wir die Nacht nicht überstehen. Unsere Guides brechen die Route nach langem Überlegen ab, nicht zuletzt, weil einige Teilnehmer bereits erste Spuren von Erfrierungen an der Nase aufweisen. Also zurück in die Zivilisation, wo wir unter dem Vordach einer Stube Schutz vor dem Schneetreiben suchen.

Der Abbruch der geplanten Route ändert aber nichts an unserer Stimmungslage: Lars, der aus seiner Zeit als Ausbilder bei der Bundeswehr noch so manche Aktionen kennt, lässt uns mit geschlossenen Augen zu ein paar Aufgaben antreten. Wir robben durch den hüfthohen Schnee, buddeln uns tief ein und schleppen den verletzten Georg mit einem Seil durch den Schnee – ganz zur Belustigung der mittlerweile eingetroffenen Busladungen rumänischer Ski-Touristen. So können wir die Zeit überbrücken, bis unsere Geländewagen für den Rücktransport eintreffen.

Beim gemeinsamen Essen unserer Trekking-Tütennahrung in unserer Unterkunft in Brebu Nou besprechen wir das weitere Vorgehen für den Tag: Unser Lager für die Nacht soll im Garten unserer Unterkunft aufgebaut werden. Also machen wir uns dank der kalorienreichen Tütennahrung frisch gestärkt daran, unsere Zelte aufzubauen. Das hört sich in der Theorie leichter an als es dann ist. Mit viel Manpower müssen gerade Flächen für die Zelte geschaffen werden, eine Stelle für das abendliche Feuer muss her und Feuerholz muss auch besorgt werden. Bevor die Zelte bezogen werden können, muss ein Windschutz aus Schnee um jedes Zelt sowie um die Feuerstelle geschaufelt werden. Eine harte Aufgabe, die die vielen Graupelschauern nicht leichter machen. In kurzer Zeit sieht unser Lager aus, als hätte jemand es mit Styropor berieselt.

Lars hält noch eine ganz besondere Aktion für uns bereit: Eine uralte Technik, mit der man aus Hartholzscheiten Trink- und Essgefässe herstellen kann. Dazu legt man etwas Glut in die Mitte eine Scheits und kann durch Pusten seine Brennrichtung bestimmen. Vom glühenden Holzscheit sind wir so fasziniert, dass wir über das Glutblasen völlig die Zeit vergessen. Drei Stunden pusten wir in die Glut, die sich mühsam in das Holz brennt. Um so enttäuschter bin ich, als die Aktion ein frühzeitiges Ende findet, denn gerne hätte ich mein selbst hergestelltes Gefäß beim Frühstück benutzt.

Weiter geht es in der warmen Stube. Lars führt uns ein in die Kunst der Knoten. Wir lernen, mit welchen Knoten wir Seile verlängern können und welchen Knoten man zum Abseilen benutzen kann, bevor wir uns wieder zu unserer Feuerstelle begeben. Mit Kaffee und Kakao aus dem Campingkocher lassen wir den Abend gemütlich am Feuer ausklingen. Müde vom Lager bauen verschwinden wir in unseren Zelten.

Tief unter der Erde

Nach einer erstaunlich ruhigen und warmen Nacht treffe ich die restlichen Gruppenmitglieder beim Frühstück. Carol, Thomas und Lars erklären uns den Tagesablauf und schon bald sitzen wir wieder in unseren Geländewagen. Es geht nach Reșița. Hier treffen wir die Bergwacht, die uns mit Helmen ausstattet. Weiter geht es auf schmalen Straßen in den Wald, bis der Weg kaum noch befahrbar ist. Als wir aus unseren Autos aussteigen, werden wir vom Chef der Bergwacht begrüßt, der über die Lautsprecher seines Jeeps den Wald mit Truck Stop und Freddy Quinn beschallt.

Wir machen uns auf den Weg zur Comarnic-Höhle, einem über 5 Kilometer langen Höhlensystem in den Karstfelsen des Semenic. Auf dem Weg dort hin merke ich die Anstrengung der letzten Tage, während ich auf dem schmilzenden Schnee hin und her rutsche. Auf dem Weg treffen wir den Ranger, der uns in die Höhle begleitet und nach einem kurzen Anstieg stehen wir vor einer schweren Metalltür. Nun geht es hinab in ein Labyrinth aus Fels und Wasser.

Die Jungs der Bergwacht und der Ranger erklären uns die Gesteinsformationen in der Höhle, die sie wie ihre Westentasche kennen. Immer weiter steigen wir in das Tunnelsystem. Ob Menschen hier gelebt haben, möchte ich von den Guides wissen. Sie erzählen mir, dass sie außer einem Bärenskelett und zahlreichen Fledermäusen hier noch keine weiteren Hinweise auf Leben gefunden hätten.

“Ab hier geht es nur noch mit Kletterausrüstung weiter”, sagt einer der Guides der Bergwacht und unsere Reise in den Fels hat ein jähes Ende. Gerne wäre ich noch weiter hinab gestiegen, aber die Sicherheit geht vor. Wir treten den Rückweg an. Auf dem Weg von der Höhle zu den Autos sprechen wir kein Wort. Im Abstand von 5 Metern geht jeder den Weg für sich, lässt die Eindrücke auf sich wirken. Ich verfluche unterdessen den Schneematsch, auf dem ich kaum laufen kann – und denke dabei auch an die vergangenen drei Tage, an das, was wir erleben durften, an Rumänien als Land und an seine Leute. Schnell wird mir klar, dass ich das Land auch im Sommer entdecken möchte, wenn der Wald sich von seiner vollen Pracht zeigt und alles zugewachsen ist, wie Carol schon zu Beginn unserer Reise erzählte.

Am Abend lassen wir es uns gut gehen. Bei “Ursus”, dem rumänischen Bier, das übersetzt “Bär” heißt, schwärmen wir von unseren Erlebnissen. Ein bisschen Wehmut liegt in der Luft, als sich ale Teilnehmer ins Bett verabschieden.

Video zum Florena Men Abenteuer Natur 2012

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4 Kommentare

  1. Eine Männerbande, die mit einem Tampon versucht Feuer zu machen – auf dem gemütlichen Sofa bringt frau das schon zum Schmunzeln ;-)
    Toller Bericht!

    • Danke, danke. Es gab ja auch viel zu berichten… Und seit dem Camp hat bestimmt jeder von uns einen Tampon in der Hosentasche, wenn’s auf Reisen geht :-)

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