Europäischer Fernwanderweg E5

Mitte August war ich zusammen mit meiner Freundin Sybille für 10 Tage auf dem Fernwanderweg E5 Kernstück von Oberstdorf bis Bozen unterwegs. Einen genaueren Einblick in die Tour und unsere persönlichen Erfahrungen möchte ich euch zu einem späteren Zeitpunkt in einem längeren Tourenbericht geben. Hier möchte ich zunächst ein Mal ein paar allgemeine Informationen über den E5 sammeln und den ein oder anderen Tipp geben, was zu beachten ist.

Historie

Blick auf die Memminger HütteDer Europäische Fernwanderweg E5 bzw. sein Kernstück von Konstanz bis Verona wurde 1972 eingeweiht. Er gehört zu den ältesten europäischen Fernwanderwegen und seine Wegführung orientiert sich häufig an noch älteren Pilgerwegen. Mittlerweile wurden dem E5 auch noch die Wege Pointe du Raz – Konstanz und Verona – Venedig zugeteilt, sodass der E5 mittlerweile insgesamt eine Strecke von über 3000 km umfasst.

Besonders beliebt ist die ca. 170 km lange Strecke von Oberstdorf bis Bozen, bzw. noch beliebter ist die Variante Oberstdorf – Meran. Hier sind die meisten Wanderer anzutreffen und in der Hauptsaison zwischen Juli und September kann es auch auf den Hütten schon ein Mal ordentlich voll werden.

Voraussetzungen

Blick vom VenetDer E5 ist eine klassische Alpenüberquerung, die zwar keinen hochalpinen Anspruch hat und somit als Trekking- oder Wandertour deklariert werden kann, aber trotzdem nicht zu unterschätzen ist. Wer sich ein Mal das Profil der Alpen genauer anschaut, wird schnell feststellen, dass zu den unzähligen Gipfeln, Pässen und Graten auch beinah ebenso viele Täler hinzukommen. Auch diese müssen “überquert” werden und somit beinhaltet die Tour sehr viele Auf- und Abstiege. Konditionell ist dies nicht zu unterschätzen und auch die Auswirkungen auf Muskulatur und Gelenke sind enorm.

Hinzu kommen einige Stellen, die zumindest eine erhöhte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Auch hierüber sollte sich jeder, der den E5 ganz meistern will, bewusst sein.

Wir haben viele Leute auf der Tour getroffen, für die es das erste Mal war, dass sie eine längere alpine Tour gemacht haben und auch Sybille war das erste Mal mit Rucksack für mehrere Tage in den Bergen unterwegs. Ich denke, für sportliche Menschen ist es kein Problem die Tour zu schaffen, aber ob der E5 damit eine ideale Einsteigertour ist, darüber lässt sich streiten.

Positiv ist mit Sicherheit die gute Markierung und Beschreibung der Tour so wie ihre gut ausgebaute Infrastruktur. Die Vorbereitung ist dadurch minimal und auch für Anfänger gut zu schaffen. Auch gibt es reichlich Unterkünfte und auf den meisten Etappen ist es möglich, durch einen Abstieg bzw. eine Abfahrt mit der Seilbahn die Tour notfalls schnell zu beenden.

Andererseits ist die Tour landschaftlich sehr schön und bietet tolle Aussichten. Wer sich also nur von Etappenziel zu Etappenziel quält, verpasst viele tolle Eindrücke.

Ich würde Einsteigern in den Bergsport eher eine andere Tour empfehlen. Es gibt genügend Hütten in den Alpen, die sich problemlos zu einer mehrtägigen Wanderung kombinieren lassen. Wie gesagt, der E5 ist eigentlich zu schön um sich an den Berg zu gewöhnen und primär mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Vorbereitung

Hängebrücke vor HolzgauEr ist so etwas wie der Lonley Planet des E5, der Rother Wanderführer “Fernwanderweg E5” von Stephan Baur und Dirk Steuerwald. Man sieht kaum jemanden, der ohne ihn unterwegs ist und auch für uns war er die Grundlage der Tour. Er ist extrem ausführlich und die Routenbeschreibung bis auf ganz wenige Stellen hervorragend beschrieben. Zusätzlich zum Wanderführer wird eigentlich kein weiteres Material benötigt. Karten, speziell für den E5, gibt es zwar, aber zur reinen Orientierung werden sie nicht benötigt. (Selbstverständlich habe ich diesen Hinweisen im Vorfeld nicht geglaubt und sie mit über die Berge geschleppt, selber schuld …)

Aber ein solch beliebter Wanderführer bringt auch immer den Nachteil mit, dass alle Menschen um einen herum die gleichen Informationen besitzen und sich nach ihnen richten. Insbesondere in den Tälern, in denen es eigentlich eine Vielzahl von Unterkünften gibt, fällt dies auf. Wer also etwas mehr Abenteuer sucht, kann sich auch anhand anderer Führer orientieren oder doch auf Kartenmaterial zurückgreifen. Auf den E5 Wanderkarten aus dem Kompass Verlag sind auch kurze Etappenbeschreibungen abgedruckt. Sie weichen aber teilweise deutlich von denen im Rother Wanderführer ab.

Viele Leute hatten die Tour von zu Hause aus so durchgeplant, dass sie für jede Etappenankunft bereits eine Unterkunft reserviert hatten.

Da ich aber nicht davon ausgegangen bin, dass wir uns exakt an das Etappenschema halten und dies auch nicht durch Reservierungen forcieren wollte, hatten wir bis auf eine Reservierung auf der Kemptner Hütte für die erste Nacht darauf verzichtet.

Im Nachhinein machen Reservierungen aber doch einen gewissen Sinn, da es gerade zur Hauptsaison in den Tälern schon einmal eng werden kann. Wer dann keine Unterkunft reserviert hat, muss teilweise wesentlich tiefer in die Tasche greifen oder aber mit dem Bus in andere Ortschaften fahren. Hier lohnt es sich, im Vorfeld von zu Hause aus eine Unterkuft zu suchen, bzw. kurz vorher bei der Touristeninformation anzufragen, ob irgendwo Platz ist.

Auf die Anstrengungen der Tour selbst haben wir versucht, uns durch regelmäßiges Wandern in der Eifel vorzubereiten, teilweise mit Gepäck, teilweise aber auch ohne. Nun bietet die Eifel wirklich tolle Wanderungen in verschiedensten Längen an, aber sie bietet keine adäquate Vorbereitung für eine alpine Tour. Wer also keine hohen Berge vor der Tour hat, kann zwar seine Kondition verbessern, aber 1.000 Höhenmeter rauf und wieder runter in alpinem Gelände lassen sich nur schwer simulieren.

Gepäck

Kleinstgepäck am italienischen Stuhl auf dem TimmelsjochMan trifft auf dem E5 Menschen mit abenteurlichem Gepäck. Große Badehandtücher, Föhn, Drittschuhe – alles keine Seltenheit. Ich gebe gerne zu, dass ich eher minimalistisch veranlagt bin, zumindest was Kleidung und Luxusartikel betrifft. Aber der Unterschied zwischen einem 10 kg Rucksack, inklusive Verpflegung und Wasser, und 14 kg ohne einen tropfen Wasser ist enorm. Ich rate jeden dazu, sehr gut zu überlegen, was denn wirklich mit muss. Überflüssige Kilos machen die Tour nicht nur anstrengender, sie belasten auch die Gelenke zusätzlich. Gerade bei langen Abstiegen, bei denen die Knie so oder so schon übermäßig belastet werden, kann mehr Gepäck auch zu mehr Schmerzen führen.

Dank des wunderbaren Wetters, dass wir während der Tour hatten, musste ich auch trotz Minimalgepäck wenig stinken. Es war eigentlich jeden Tag möglich, dreckige Wäsche zu waschen und abends wieder trocken einzupacken.

Kosten

Kühe am KreuzjochDie Kosten für die Tour werden bei jedem anders ausfallen, je nach dem, was der eigene Anspruch ist. Wer wenig einkehrt, gerade im Verlauf des Tages, abends auf’s Bier verzichtet und mit einem warmen Essen und Riegeln über den Tag kommt, der kann die ganze Tour sicherlich sehr günstig gestalten.

Wir wollten aber auch ein gewisses Maß an Urlaubsgefühl haben und nicht auf jeglichen Luxus verzichten und hatten daher 50 € pro Tag und Person einkalkuliert. Mit diesem Budget sind wir gut ausgekommen. Sicherlich kann man dafür nicht jeden Tag zweimal warm Essen und bis zur Hüttenruhe Getränke bestellen, aber man muss auch nicht auf das ein oder andere Kaltgetränk verzichten und darf sich durchaus auch schon bei einer frühen Ankunft eine Brettljause oder ähnliches bestellen.

Tipps

Es gibt einige Dinge, die ich während der Tour für wichtig erachtet habe oder die mir im Nachhinein eingefallen sind, die die Wanderung angenehmer machen oder die Erfolgsausichten steigern können. Hier also meine ganz persönlichen Tipps:

  • Angegebene Gehzeiten sind zur Orientierung da und keine Zielwerte. Und um jeder Diskussion vorzugreifen: Gehzeiten beinhalten keine Pausen! Wer also gerne mal die Aussicht genießt oder sich an einem schönen Plätzchen niederlässt, muss dies einkalkulieren. Es macht auch durchaus Sinn, manchmal die Etappen anders zu planen, als es Wanderführer oder Internetseiten vorschlagen. Neun Stunden Gehzeit sind nicht zu unterschätzen und meiner Meinung nach bin ich lieber einen Tag länger unterwegs, als mit dem Bus oder der Seilbahn zu “pfuschen”.
  • Freitags bis montags starten die Bergschulen mit ihren Gruppen, Dienstags anscheinend alle anderen. Ich hatte das Gefühl, dass wenn man mittwochs oder donnerstags startet, man noch mehr Abstand zu großen Gruppen gewinnen kann.
  • Insbesondere in den Tälern vor der Braunschweiger Hütte ist es sehr voll und es macht Sinn, sich dort im Vorfeld eine Unterkunft zu suchen. Hinter der Braunschweiger Hütte wählen die meisten Menschen die Route nach Meran. Auf der Route nach Bozen wird es dadurch deutlich ruhiger, es gibt aber dennoch ausreichend viele Unterkünfte
  • Vor vielen Hütten ist es möglich, sein Gepäck an der Materialseilbahn abzugeben. Mein persönlicher sportlicher Ehrgeiz verbietet mir dies zwar, aber wer keine Lust hat sich im Anstieg unnötig zu quälen, dem sei dieser Service der Hütten empfohlen. Dadurch bekommt man aber das Problem, dass man keine Möglichkeit mehr hat sein Trinken oder seine Jacke etc. zu verpacken. Ein guter Tipp ist es, einen sogenannten Faltrucksack mitzunehmen. Diese gibt es von diverse Herstellern, teilweise auch in Supermärkten für den täglichen Einkauf. Sie wiegen nur wenige Gramm und zumindest um eine Flasche Wasser und eine Regenjacke mitzunehmen, sind sie völlig ausreichend. Meiner Meinung nach eine wirklich gute Investition. Das nächste Mal habe ich auch einen dabei. Allein um abends noch mal einen kleinen Gipfel zu machen o.ä.
  • Genauso sinnvoll ist es, wenn man ein Trinksystem hat, noch eine weitere Flasche mitzunehmen. So kann man abends auf der Hütte auch Wasser trinken ohne bezahlen zu müssen und bei manchen Etappen waren wir froh, noch eine kleine Reserve zu haben. Das ist nämlich der Nachteil an Trinksystemen: Man hat keinen Überblick, wie viel Wasser man noch bei sich hat.
  • Stöcke!!! Ich weiß, gerade viel jüngere Leute halten Stöcke für überflüssig und ihrem Alter nicht entsprechend. Im Aufstieg kann man meiner Meinung nach auch gut auf Wanderstöcke verzichten, auch wenn sie eine gute Entlastung für die Beine bieten. Im Abstieg allerdings möchte ich sie nicht missen. Die Belastung für die Kniegelenke ist durch das zusätzliche Gewicht des Gepäcks eh schon enorm hoch, hinzu kommt für  Flachlandtiroler noch das ungewohnte Gelände und der Umfang einzelner Abstiege. Auch wenn der Stockeinsatz von manchen Experten kritisch gesehen wird, da er bei dauerhafter Benutzung zum teilweisen Verlust der Trittsicherheit führen kann. ich halte sie für unverzichtbar- zumindest in den Bergen.
  • Der nächste Punkt knüpft an den Stöcken an. Beinah alle Leute bei denen ich einen Tourabbruch mitbekommen habe, mussten auf Grund von Knieproblemen abbrechen. Wer also im Vorfeld schon einmal Probleme mit den Knien hatte, sollte a) definitiv nicht auf Stöcke verzichten und b) überlegen, ob er, falls vorhanden, Bandagen mitnimmt. Gleiches gilt wohl auch bei Rückenbeschwerden oder Problemen mit den Fußgelenken
  • Eigentlich Überflüssig, aber auf Grund der hohen Zahl an Anfängern, die sich am E5 versuchen, möchte ich nur noch Mal darauf hinweisen, dass Bergschuhe eingelaufen werden müssen. Es macht wenig Sinn, sich in Oberstdorf ein Paar Schuhe zu kaufen und dann in die Berge zu starten. Eine Tour macht definitiv mehr Spaß, wenn die Füße nicht wund sind.

5 Kommentare

  1. Bus Prenner-E5 Rücktransport 16. Oktober 2016 at 10:10 - Reply

    Sehr ausführlicher Artikel mit vielen hilfreichen Tipps! Nur zum Rücktransport von Meran nach Oberstdorf habe ich keine Informationen im Artikel gefunden. Deshalb erlaube ich mir hier unser Unternehmen, Bus Prenner zu empfehlen. Wir fahren in der Sommersaison täglich von Meran/Vernagt nach Oberstdorf zu einem Preis ab 45€. Weitere Informationen gibt es auf unserer Webseite http://e5.prenner.it/ oder unter http://www.prenner.it/de/e5-rueckfahrtservice-bus-meran-oberstdorf/

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