Einsame Trails auf der Struffelt-Route

Auf der Struffelt-Route rund um die Dreilägerbachtalsperre war ich schon ein paar Mal unterwegs. Sie liegt nur wenige Kilometer von meiner Arbeit entfernt und bietet alles, was man sich von einer Tour wünscht: Einen hohen Pfadanteil, Wasser, Bäche, eine Heidelandschaft, Holzstege – und vor allem Ruhe.

Heute ging es mit der ganzen Familie auf die Struffelt-Route. Während ich auf der ganzen Route unterwegs war, machten meine Mädels samt einer mit angereisten Freundin einen teil der Route auf der linken Seite der Dreilägerbachtalsperre, da sie mit dem Kinderwagen unterwegs waren und ich mich daran erinnerte, dass der rechts der Talsperre gelegene Teil der Route nicht besonders kinderwagentauglich ist. Also richten wir am Parkplatz des Filterwerks, das direkt an der Landstraße zwischen Roetgen und Rott liegt, unsere Smartphones so ein, dass jeder immer sieht wo der andere sich gerade aufhält. Damit ich meine Familie und Freunde später auch wieder finde, nutzen wir die Meine Freunde suchen-App von Apple. App eingerichtet, verabschieden und los geht’s.

Über kleine Brücken auf der Struffelt-RouteIch laufe vom Filterwerk unterhalb der Dreilägerbachtalsperre in Richtung des Ortes Roetgen, parallel zur Landstraße über eine Brücke und einen Feldweg, bis ich in den Ort gelange. Dort führt die Markierung der Struffelt-Route mich links der Hauptstraße entlang und an der nächsten Möglichkeit rechts. Kurz danach geht es endlich in den Wald. Am Schwarzwildgehege von Förster Kloubert geht es auf wurzeligen Pfaden bergauf zum Kindergartenwald – nicht zu verwechseln mit einem Waldkindergarten. Hierzu werde ich bald noch etwas schreiben, denn als Aushilfsförster werden wir Förster Kloubert in den nächsten Monaten beim Naturschutz und bei der Instandhaltung der Wanderwege unter die Arme greifen, worauf ich mich sehr, sehr freue.

Hinter dem Kindergartenwald biege ich links ab und folge dem breiten Forstweg entlang der Rackeschwiese für eine Weile, bis es links in Richtung des Schleebachgrabens geht. Der Schleebachgraben ist ein 3,2 km langer künstlich angelegter Hanggraben, der Oberflächenwasser ableitet und den Schleebach mit dem Dreilägerbach verbindet. Über diesen Bach wird das Wasser in die Dreilägerbachtalsperre eingespeist. An der Brücke über den Schleebachgraben empfängt mich ein Trupp Wanderer mit Applaus und steht Spalier auf der Brücke, hinter der ich rechts abbiege und dem Graben eine ganze Zeit folge. Während ich über den schmalen Pfad links des Wassergrabens laufe, versuche ich zu ergründen, warum die Senioren-Truppe für mich geklatscht hat, komme aber zu keiner Erkenntnis. Wahrscheinlich haben sie sich einfach gefreut, mal jemanden auf der Struffelt-Route zu sehen.

Als der Schleebachhanggraben irgendwann in den Dreilägerbach mündet, nehme ich mir auf dem Brückenkonstrukt, das zwei Bäche überbrückt, ein bisschen Zeit und schaue mir das Wasserspiel eine Weile an. Ich nutze die Pause um zu schauen, wo meine Familie sich gerade aufhält und plane, wo ich in etwa auf sie treffen werde. Da unsere kleine Wandermaus dabei ist, werden sie nicht all zu flott unterwegs sein, so dass ich sie wahrscheinlich auf dem 450 Meter hohen Struffeltkopf antreffen werde.

Schleebachhanggraben an der Struffelt-RouteWeiter geht es einen kleinen Hang hinauf und dann nach links, eine ganze Weile einen Forstweg hinunter, bis ich an ein Stellwerk der Talsperre gelange. Wer auf Furten steht, kann hier an einer bestimmten Stelle durch den Dreilägerbach ans andere Ufer gelangen, um dort die Struffelt-Route fortzusetzen. Da ich aber schon seit 20 Minuten von oben nass werde, nehme ich den sichereren Weg über die kleine Brücke des Stellwerks. Meine Familie nähert sich – zumindest auf dem Display meines Telefons.

Ein paar Meter geht es noch über einen Schotterwerk, bis ich an den Damm des Vorbeckens gelange. Hier nehme ich mir nochmal kurz Zeit, um einen Blick über den komplett im Nebel stehenden See zu werfen. Als ich das letzte Mal hier war, war meine Frau schwanger mit unserer kleinen Maus, die in diesem Moment keine 2 km weit von mir entfernt durch die Heide auf dem Struffeltkopf wandert. Ich möchte ein bisschen Gas geben und die drei Wander-Mädels einholen, denn mittlerweile regnet es durchgehend und der Nebel nimmt auch immer mehr zu.

Es geht noch um ein paar Kurven und einmal biege ich nach links, einmal nach rechts ab und verlasse die Jägerhausstraße nach kurzer Zeit auf den Grenzweg. Es geht auf einem gut ausgebauten, schotterigen Weg einige Meter leicht hinauf, bis ich an eine Wegkreuzung gelange. Geradeaus und nach links verläuft der Eifelsteig und ich biege nach links ab. Nach ein paar Metern und vielen großen Matschpfützen gelange ich an die ersten Stege aus Holzbaken, die man auch aus dem Hohen Venn kennt. Schon beim ersten Schritt merke ich: Das wird eine Schlitterpartie!

Auf dem StruffeltkopfIch laufe über die Balkenkonstruktion, die den Wanderer oder Läufer vor nassen Füßen bewahrt. Zu allen Seiten sehe ich etwa 20 Meter weit und nichts als braunes Pfeifengras. Einzelne Birken und Eichen tauchen hin und wieder zwischen den Nebelschwaden auf, auf meinem Handy taucht meine Familie unweit von mir auf. Aber warum sind die rechts von mir? Ich biege kurz nach rechts ab um zu den drei Mädels zu gelangen, die mittlerweile auch pitschnass ein dürften. Nach etwa 150 Metern auf dem Bretterweg sehe ich im Nebel die Silhouetten der drei, die sich freuen, mich zu sehen. Wir besprechen kurz, wo die Mädels mit dem Kinderwagen am besten durchkommen könnten, um zurück zum Auto zu gelangen, dann drehe ich um und laufe die letzten 2 km auf der Struffelt-Route in Richtung des Parkplatzes.

Es geht noch einmal kurz an der Dreilägerbachtalsperre vorbei, die zwischen 1909 und 1911 erbaut wurde. Die Talsperre, die zusammen mit der Wehebachtalsperre einen Großteil der Stadt und des Kreises Aachen sowie des Kreises Heinsberg mit Trinkwasser versorgt, liegt völlig im Nebel, so dass ein toller Ausblick auf das andere Ufer mir leider nicht möglich ist. Ich wähle nicht den steilen Abhang, der ein paar Meter die Jägerhausstraße hinunter in Richtung Filterwerk führt, da er mir zu steil erscheint. Stattdessen bleibe ich auf dem Asphalt und erreiche irgendwann die Landstraße, an der ich links abbiege und auf dem neu angelegten Fahrradweg die letzten Meter zum Auto laufe. Nach 10,9 km komme ich völlig nass am Auto auf dem Parkplatz des Filterwerks an – fast zeitgleich mit den drei Mädels.

Weitere Links zur Struffelt-Route

  • Den GPS-Track von einer Wanderung, die wir vor einiger Zeit schon mal gemacht haben, gibt’s bei komoot.
  • Einen Tourenbericht für Wanderer gibt es hier bei uns.
  • Meinen Lauf findet ihr hier, hier und hier. Ich hab leider – mal wieder – mit meinen Handschuhen auf die falschen Tasten gedrückt und mir die Aufzeichnung so in drei Teile gestückelt.

Video

Ich habe mal ein paar Sequenzen mitgefilmt, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will:

1 Kommentar

  1. sehr schön, auf trails bzw generell im wald laufen ist viel schöner als in der stadt oder auf fußwegen. sehr schöner bericht.

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