Eastbelgiumtrail 2014 – Mein erster Wettkampf

Sitzt die Startnummer richtig? Immer wieder zupfe ich an meinem Trikot herum, während ich auf den Startschuss zum 8 Kilometer-Lauf beim Eastbelgiumtrail warte. Mein erster Trail-Wettkampf startet in nur wenigen Sekunden und ich bin zwar nicht sonderlich nervös, aber gespannt, was auf mich zukommen wird. Wird meine Plantarfasziitis so gut mitspielen wie in der vergangenen Woche? Habe ich die richtigen Schuhe gewählt? Wird es regnen? Und hätte ich mehr trainieren sollen?

335 Läufer starten beim 2. Eastbelgiumtrail an diesem nicht ganz so sonnigen, aber immerhin trockenen Sonntag Morgen. Eine Hand voll hat sich bereits um 10 Uhr auf die 40 KM-Runde gemacht, der Rest versammelt sich gerade an dem großen, blauen aufblasbaren Tor auf dem Fußballplatz des Königlichen Militär Instituts für Leibes Erziehung im Schönefelderweg in Eupen. Auch ich verabschiede mich von meiner Familie und überquere die rote Tartanbahn in Richtung Startlinie. Ich habe mich warm gelaufen, meine Schuhe optimal geschnürt, noch einen Schokoriegel gefuttert und einen Schluck getrunken. Die Startnummer sitzt mittlerweile auch richtig. Der Organisator gibt durch sein tragbares Megaphon noch ein paar Anweisungen und dann geht es los. Eine Sirene ertönt und das Feld der Läufer setzt sich in Bewegung.

Die Läufer der 8- und der 16 KM-Runde starten zusammen. Irgendwann, so konnte ich der Webseite entnehmen, würden sich die beiden Gruppen trennen. Nun geht es aber im großen Pulk über das Gelände des Militär Instituts, kreuz und quer über die verschiedensten ausgedienten Wettkampfbahnen, bis wir die Straße erreichen und rechts abbiegen. Es geht noch ein paar hundert Meter über den Schönefelderweg, bis wir nach rechts in den Wald abbiegen. Gefälle! Jetzt erst mal Plätze klar machen, denke ich mir und überhole ein paar Läufer. Ganze zwei Kilometer lang geht es nun stetig bergab, optimal, um ein bisschen Tempo zu machen. Aber jetzt bloß nicht überpacen! Ich lasse es also ein wenig rollen und überhole trotzdem noch anständig Läufer. An einem verlassenen Haus im Tal biegen wir rechts ab und es geht ein paar wenige Meter bergan, dann endlich auf schmale Trails. Immer noch zusammen mit den 16 KM-Läufern geht es wie auf einer Perlenkette aufgereiht über den Trail. Der Boden ist schon ordentlich zerrockt und so lande ich mehrmals knöcheltief im Matsch.

Nach der technisch anspruchsvollen und sehr matschigen Strecke trennen sich die 8- und 16 KM-Läufer voneinander. Hier, nach ca. 3,2 KM, lichtet sich das Feld und ich habe das Gefühl, dass ich mit einem älteren Herrn und einer jungen Frau vor mir alleine im Wald bin. Weit und breit ist niemand mehr zu sehen. Und da es nun technisch etwas tricky bergab geht, nutze ich die Gelegenheit, den Herrn zu überholen. Als er – unten angekommen – am Verpflegungsposten Halt macht, setze ich mich ab. Es geht über eine Kreuzung hinweg und bei KM 4,5 links die erste nennenswerte Steigung hinauf. Nur etwa 60 HM sind hier zu machen, aber ich merke auf dem letzten Drittel der Steigung, dass ich vorher ordentlich Gas gegeben habe. Ok, jetzt einen Gang rausnehmen. Gehen ist keine Schande, denke ich mir. Aber wie immer wieder mal an der Strecke stehen auch hier am Ende der Steigung ein paar Leute, die mich anfeuern. Jetzt muss ich durchziehen!

Nach gut 500 Metern ist es geschafft. Der höchste Punkt der ersten Steigung ist erreicht und es geht wieder bergab. Rollen lassen, bis ich wieder an dem verlassenen Haus ankomme, das wir schon einmal passiert haben. Ein paar hundert Meter muss ich nochmal auf der bereits bekannten Strecke zurück legen, bis es ab KM 5,8 bergab in Richtung Weser geht. Ein Läufer, der mir seit einigen Kilometern im Nacken hängt, überholt mich endlich und wir nicken uns kurz zu. Kann ich ihn bei der nächsten Steigung wieder einholen?

Eine Spitzkehre und es geht zum zweiten Mal bergauf. Wieder sind ca. 60 HM zu machen und ich sehe den Läufer, der mich vor einigen Minuten überholt hat, vor mir. Er geht. Meine Chance, denke ich. Aber mir stecken die letzten 6,5 KM ein bisschen in den Knochen. War ich vielleicht doch zu schnell? Ich muss gehen, denn mittlerweile brennt die Sonne ganz schön. Oben angekommen merke ich, dass ich langsamer werde. Aber hinter mir ist niemand zu sehen, vor mir mittlerweile aber auch nicht mehr. Alles einigermaßen gut also. Jetzt schön durchziehen und das Tempo halten.

Bei KM 7,5 gibt es einen letzten Motivationsschub: Eine große Gruppe Nordic Walker klatscht wie wild und feuert mich an. Jetzt noch 200 Meter über den befestigten Weg, dann verschwinde ich im Dickicht und kann auch schon den Sportplatz des Militär Instituts sehen. Ich sehe meine Familie aus der Ferne und muss noch eine kleine technische Bachquerung machen, bevor ich durch ein Tor auf die Tartanbahn laufen kann. Meine Mädels und die mitgereisten Freunde feuern mich an und ich lege noch einmal den Turbo ein. Über die Gummibahn geht es auf die andere Seite des Platzes, dann hinter die Turnhalle, wo sich das Ziel befindet.

Da ist es! Das Ziel! Ich höre meinen Namen, als ich die Ziellinie überquere und meine Mädels kommen angerannt. Wow, genial! Ich habe Gänsehaut. Und der Mann mit dem Mikrofon redet von Grillwürstchen am Stand gegenüber. Öhm, die interessieren mich gerade nun wirklich nicht. Ich freue mich, meine Familie bei mir zu haben – und über die Müsliriegel und das Wasser, das es im Zielbereich für uns Läufer gibt.

Fazit

Da ich in den Wochen vor dem Lauf kaum richtig trainieren konnte, weil die Plantarfasziitis mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass ich mit einer Platzierung im letzten Drittel rechnen muss. Nachdem sich die 8- und 16 KM-Gruppen unterwegs voneinander getrennt hatten, rief mir irgendwann ein Streckenposten „Zweiundzwanzig“ zu. Das gab mir Feuer! Ich wusste nicht, wie viele Läufer insgesamt auf der 8 KM-Strecke waren, aber der 22. Läufer zu sein, hörte sich nicht wirklich schlecht an. Dass es dann für Platz 23 bei 81 Teilnehmern reichte, freut mich. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber jetzt bin ich heiß wie Frittenfett und freue mich auf die kommenden Läufe! Mal sehen, was da dann geht. Der Eastbelgiumtrail hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Danke an die Organisatoren und alle Helfer.

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