Durch die Wimbachklamm zum Wimbachschloss

Am vorletzten Tag unseres Urlaubs im Berchtesgadener Land wollen wir den Zeitraum zwischen zwei Regenschauern nutzen und eine kleine Wanderung machen. Dabei möchten wir unbedingt durch eine Klamm, da wir beide vor über 10 Jahren zum letzten Mal in einer Klamm waren und sie für uns beide zu den Bergen zählen wie Almen, Hütten und der Enzian. Unsere Wahl fällt auf die Wimbachklamm.

Wir parken umweit vom Ortskern von Ramsau auf einem größeren Parkplatz am Wimbachweg. Nachdem alles in Rucksack und Kindertrage verstaut ist, weisen uns die ersten Schilder den Weg zur Wimbachklamm. Es geht über eine schmale Straße hinauf zum Wimbach’s Wollstadl, auf deren Gelände sich der Kassenautomat für die Klamm befindet. Hier zücken wir unser Portemonnaie und lösen zwei Chips für den Zugang zur Klamm. Nur noch wenige Meter trennen uns vom Getöse des Wassers.

Vom Kassenautomaten bis zur Wimbachklamm sind es nur noch wenige hundert Meter. An einer Weggabelung leitet uns ein Schild nach links – und da wir relativ spät dran sind, stehen wir kurzum alleine am Eingang der Klamm. Wir passieren das Drehkreuz, auch wenn ich anfänglich Bedenken habe, dass ich mit der Trage auf dem Rücken überhaupt dort durch passe, aber wie heißt es so schön: Was nciht passt, wird (irgendwie) passend gemacht.

Holzstege führen trocken am Wasser vorbeiWird landen – frisch vom Drehkreuz ausgespuckt – auf einem Holzsteig, der uns direkt am Wasser entlang führt. Ein massives Geländer symbolisiert: Dir und dem Persönchen auf deinem Rücken kann hier nix passieren, bleib cool. Ich bin anfänglich doch ein wenig skeptisch, ob Greta hinten in der Trage sicher ist, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sie dort doch relativ gut verschnürt ist. Das laute Brausen des Wassers übertönt meine Angst und wir gehen endlich los. Greta kriegt sich in der Trage vor lauter Freude über das Wasser kaum noch ein.

Etwa 200 Meter lang ist der Weg durch die Klamm, in der uns Wasser von allen Seiten entgegen kommt. Es donnert, es rauscht. Auf eine Distanz von 5 Metern müssen wir uns stellenweise anschreien, um überhaupt etwas zu verstehen. Der recht schmale Wimbach hat sich hier in Jahrtausenden sein Bett gegraben und braust nun mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Und wir können den Anblick dieser Naturgewalten und die damit verbundene Geräuschkulisse völlig in Ruhe und alleine genießen. Erst am Ende der Klamm treffen wir auf weitere Wanderer, die sich vor den Wassermassen fotografieren.

WimbachschlößchenSo kurz der hölzerne Weg zwischen den beiden Drehkreuzen an Ein- und Ausgang auch ist: Ein (Natur-)Erlebnis ist die Wimbachklamm auf jeden Fall und wir sind froh, sie besucht zu haben, als wir wieder auf dem Wanderweg ankommen und die feuchten Holzplanken wieder gegen feinen Schotter und einen festen Weg unter den Füßen tauschen können. Ein Schild verrät uns, dass es bis zum Wimbachschloss noch 1 1/4 Stunde Weg sind. Ohne das Schloss vorher gesehen zu haben, vermuten wir, dass es sich um eine kleine Hütte handeln wird, denn jemand hat sich den Scherz erlaubt, das Schild etwas zu modifizieren und hat aus „Wimbachschloß“ mit Edding „Wimbachschlößchen“ gemacht.

Am WimbachDurch das Wimbachgries, einem mächtigen Schuttstrom, der sich vom Trischübelpass zwischen Watzmann und Steinernem Meer nach Westen schiebt, geht es gemächlich aber stetig nach oben. Wer keine Kindertrage besitzt, kann – mit Ausnahme der Klamm – auch mit dem Kinderwagen bis zum Schloss fahren. Wir haben uns für die Trage entschieden, in der Greta ihr kleines Mittagsschläfchen hält. Wir nutzen die Zeit, um Meter zu machen und folgen dem gut ausgebauten Weg entlang des Wimbachs. Der breite Streifen Schutt, durch den der Bach fließt, lässt erahnen, welche Massen hier im Frühjahr hinunter kommen, wenn der Bach mehr Wasser hat.

Am Schloss angekommen schläft die Dame immer noch. So fällt sie der Bedienung überhaupt nicht auf, als wir unsere Bestellung aufgeben, da wir die Trage einfach samt schlafendem Kind auf die Bank gestellt haben. Als die Kellnerin mit unseren Getränken zurück kommt, ist sie um so erstaunter, dass wir auf einmal zu dritt sind. Zügig trinken wir unseren Kaffee aus, da es immer später wird und sich abzeichnet, dass auf dem Schloss bald Feierabend ist. So machen wir uns alsbald wieder auf den Rückweg.

Unsere kleine Maus möchte, ausgeschlafen wie sie ist, lieber selber laufen und so stoppt die ganze Familie an jedem noch so winzigen Gewässer. Die Regenrinnen, die schräg über den Wanderweg verlaufen, werden zu Hindernissen, über die jedes Mal gesprungen werden muss. Das scheint so witzig zu sein, dass Greta sich vor Lachen kaum noch einkriegen kann.

Spielen im WimbachAls wir nach einem guten Stück an einer Schutzhütte ankommen, machen wir eine kurze Pause – und zum Glück ist die Frau Tochter schon in Regenklamotten eingepackt. Schneller als wir gucken können ist sie in einen kleinen Bachlauf gesprungen und schmeißt Steine in das glasklare Wasser. Die kurze Pause wird wohl doch zu einer längeren Pause… Wir nehmen auf einer Bank Platz und schauen ihr beim Spielen zu, genießen den Anblick und freuen uns der Stille und dem Kichern unserer Tochter, die gerne noch länger hier bleiben würde. Da aber erste Regentropfen fallen, machen wir uns nach 30 Minuten Pause gut verpackt wieder auf den Weg.

An der Wimbachklamm vorbei erreichen wir bald wieder das Wimbach’s Wollstadl, das leider schon geschlossen hat. Gerne hätten wir hier noch etwas gestöbert. Also machen wir uns auf die letzten Meter zum Auto. Im Nieselregen kommen wir an und ich packe Greta aus ihrer Trage. Sie hat sich ein Andenken mitgenommen: In der Hand hält sie einen Stein aus dem Bachlauf.

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6 Kommentare

    • Da wär ich doch glatt mit meinen Mädels dabei. Wenn sich ein paar Blogger anschließen, wäre das doch auch okay, oder?

  1. Die Schönheit der Schlucht kann ich nur bestätigen. Ich war dieses Jahr auch dort.
    Empfehlen kann ich auch die „Aschauer Klamm“ in der Nähe. Ist nicht so gewaltig aber sehr schöne Umgebung und zum wandern super

    vg Thomas

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