Der Rucksack Anaconda 18 von MONTANE im Test

Die Montane Minimus und die Montane Prism habe ich bereits getestet – jetzt folgt ein Rucksack aus dem selben Hause: Den Anaconda 18 des britischen Herstellers konnte ich in den vergangenen Wochen ausgiebig testen. Dabei musste ich auf einen improvisierten Regentest zurück greifen. Dazu aber später mehr. 

Montane Anaconda 18 Liter Rucksack im Test auf outdoorseite.de

Vor etwas mehr als drei Jahren habe ich den Deuter ACT Trail 32 getestet, der bis vor Kurzem auf fast allen Tageswanderungen dabei war. Mein kleinster Rucksack war jedoch immer größer, als er es eigentlich hätte sein müssen und so habe ich ihn ständig voller gepackt als nötig. Wer viel mit dem Rucksack unterwegs ist, kennt dieses Phänomen sicherlich. Daher war ich auf der Suche nach einem kleineren Daypack, der nicht zu viel, aber ausreichend Platz für eine ausgedehnte Tageswanderung bietet.

Auf der ISPO war ich zu Besuch am MONTANE-Stand und wurde sofort fündig: Der Anaconda 18 sollte es sein, der laut der Herstellerwebsite ein echter Allrounder sein soll, den man sowohl bei Rennen als auch bei Tagesausflügen in den Alpen verwenden kann. Den Rucksack wollte ich genauer unter die Lupe nehmen.

Material des Rucksacks Anaconda 18

Der Hauptteil des Anaconda 18 ist aus dem Stoff RAPTOR TL (Tough & Light) gefertigt, der sehr robust, aber trotzdem sehr leicht ist. Er verfügt über eine hervorragende DWR-Behandlung. RAPTOR TL besteht zu 100% aus strukturierten Nylon Air Mikro-Fäden, die angeblich das Eindringen von Wasser vermeiden sollen. Ob sie dies auch tun, lest ihr weiter unten.

Am Rucksackboden ist der Stoff RAPTOR UTL (Ultra-Tough & Light) verarbeitet, der besonders abriebfest ist. Da der Boden eines Rucksacks häufig auf Steinen, Holzbänken oder anderen rauen Untergründen steht, ist er noch zäher als das Hauptmaterial RAPTOR TL, jedoch auch sehr leicht. RAPTOR UTL ist ein 500 Denier-Stoff mit den Qualitäten eines doppelt so starken, also 1.000 Denier-Stoffes.

Das CONTACT Mesh an Schulter- und Hüftgurten und am Rückenpad ist sehr schonend zu Funktionstextilien. So soll gewährleistet werden, dass teure Jacken oder Softshells nach längerem Tragen des Anaconda 18 an den Stellen, an denen die Gurte aufliegen, rau werden oder sich Fasern von Membranen lösen. Außerdem besitzt CONTACT Mesh die Eigenschaft, dass es extrem schnell trocknet, damit die Rückenpartie auch während anstrengender Läufe oder Wanderungen möglichst trocken bleibt.

An den Seitentaschen hat Montane GRANITE STRETCH verarbeitet, das besonders belastbar ist und guten Halt für mitgeführte Flaschen bietet.

Wetter, Wasser und Dichtheit – Ein Versuch

Da in den letzten Wochen leider kaum flüssiger, sondern eher Niederschlag in flockiger Form vom Himmel kam, musste ich mir für die Überprüfung der Dichtheit des Anaconda 18 etwas einfallen lassen. Der Rucksack kam ohne Regenhülle, was mir vorerst zu bedenken gab. Das außen von MONTANE hauptsächlich verarbeitete Raptor TL verspricht, dank einer DWR-Beschichtung wetterfest zu sein. Dem Versprechen wollte ich auf den Grund gehen.

Der Versuch

Da ich es bisher noch nicht in die Liga der Ausrüstungstester geschafft habe, die eine eigene Beregnungsanlage zu Hause in der Garage haben, musste ich mit unserer Dusche Vorlieb nehmen. Immerhin: Man kann unseren Duschkopf auf „Regensimulation“ schalten.

Montane Anaconda 18 Rucksack im RegentestAus einer Schraubzwinge baute ich mir eine Aufhängevorrichtung für den Rucksack, der gleichzeitig als Abstandshalter zur Duschstange fungierte. So war gewährleistet, dass der simulierte Regen auch genau auf den Rucksack traf. Als Inhalt für den Rucksack verwendete ich zerknülltes Zeitungspapier, da ich davon überzeugt war, dass ich feuchte Stellen bei Zeitungspapier gut erkennen kann, wenn wirklich Wasser eindringen sollte.

So installiert setzte ich den MONTANE Anaconda 18 Rucksack exakt 20 Minuten einem konstanten Dauerregen gleichbleibender Stärke aus. Dabei ging ich davon aus, dass das Material einem Regenschauer mittleren Ausmaßes für diesen Zeitraum Stand halten sollte.

Neben der Rucksackinstallation habe ich noch ein paar Baustrahler in unserem kleinen Badezimmer platziert, um den Rucksack für Fotos besser auszuleuchten. O-Ton meiner Frau, als sie die Installation gesehen hat: „Der macht mich noch wahnsinnig, dieser Mann!“ – Ich liebe mein Hobby!

Das Ergebnis

Nach 20 Minuten hatte der Anaconda die Dauerberegnung überstanden. Ich ließ den Rucksack noch 10 Minuten hängen, damit er etwas trocknen konnte und keine Wasserrückstände beim Öffnen des Reißverschlusses an das Zeitungspapier gelangen konnten. Dann hängte ich den Rucksack von seiner Halterung ab und öffnete ihn vorsichtig.

Da bei einer Dusche das Wasser bekanntlich immer nur von oben, selten aber von der Seite kommt, war ich nicht verwundert, dass genau an der Stelle, wo die Regensimulation am stärksten auf den Rucksack traf, ein klein Wenig Wasser eindringen konnte. Das Zeitungspapier hatte sich auf einer Fläche von etwa 3 cm² voll Feuchtigkeit gesogen. Auch an der jeweils linken und rechten Seite, dort wo der Reißverschluss beginnt bzw. endet, war eine minimale Fläche von 1 cm² feucht. Vermutlich ist Wasser entlang des beschichteten Reißverschlusses gelaufen und genau an diesen Stellen eingedrungen.

An allen anderen Stellen hielten alle verarbeiteten Stoffe dem Dauerregen Stand, hauptsächlich jedoch das auf der Frontseite verarbeitete Raptor TL. Ich denke, dass der Versuch gezeigt hat, dass unter Versuchsbedingungen kaum Flüssigkeit in den Rucksack eindringen kann. Wenn eine Stelle wie der Reißverschluss unter derartigem Dauerbeschuss steht, wie es beim Versuchsaufbau der Fall war, würde unter natürlichen Bedingungen zum einen jeder Reißverschluss irgendwann schlapp machen und zum anderen eine Regenhülle auch nicht mehr dicht halten.

Bilder vom Versuch

Hier ein paar Bilder von meinem Versuch, die ein bisschen besser zeigen, unter welchen Umständen ich den MONTANE Anaconda 18 beregnet habe:

 

Weitere Details am Rucksack

Auch bei der Gestaltung der Details am Anaconda 18 hat sich MONTANE Mühe gegeben. Folgende Details fallen durch ihre Funktion besonders auf:

Rückenpad

Das Rückenpad des Anaconda 18 hat großzügige Belüftungskanäle und sorgt so neben dem verarbeiteten CONTACT Mesh für eine gute Atmungsaktivität. Ist man im Regen unterwegs, wird Regenwasser durch die breiten Kanäle besonders gut abtransportiert. Ich persönlich finde das eine wichtige Entscheidung beim Kauf von Rucksäcken, denn jede noch so schöne Wanderung wird zur Qual, wenn der Rücken irgendwann verschwitzt ist und die Kleidung in Folge dessen irgendwann klebt.

Befüllen des Rucksacks

Der Anaconda 18 besitzt für seine Größe eine besonders große Öffnung des Hauptfachs, die sich durch einen doppelten hinterlegten Reißverschluss öffnen lässt. So gelangt man nicht nur von oben, sondern auch von den Seiten an den Inhalt des
Rucksacks und an das integrierte Innenfach für Wertgegenstände, in dem sich locker ein kleines Portemonnaie (Schreibt man das heute noch so?), ein Mobiltelefon und/oder ein Schlüsselbund verstauen lassen. Dank einer großen Griffschlaufe auf der Frontseite lässt sich der Rucksack gut festhalten, während man ihn befüllt oder Inhalt entnimmt. Somit ist die Entnahme von z.B. einer Regenjacke im Stand möglich, ohne den Rucksack auf nassem Untergrund abstellen zu müssen.

Gurte, Riemen und Schlaufen

Verschluss des BrustgurtesDer Brustgurt des Anaconda 18 besitzt einen neuartigen Verschluss, der ein wenig Übung braucht, um ihn routiniert schließen zu können. Dabei wird er von rechts nach links in eine Art Halterung geschoben. Hier ist bei den ersten Malen etwas Fingerspitzengefühl gefragt! Dafür lässt sich der Brustgurt aber um so leichter öffnen. Hierfür muss lediglich an dem am Clip befindlichen Kördelchen gezogen werden und der Gurt öffnet sich mit einem Klicken. Da der Verschluss auf dem Schultergurt liegt, kann er nicht auf die Brust drücken.

Verschiedene Materialhaken befinden sich an den Gurten des Rucksacks, ebenso die Befestigung für den Trinkschlauch. Den Schlauch der Trinkblase, die ein eigenes Fach im Innenraum des Rucksacks besitzt, kann man am rechten Schultergurt einklippen. Allerdings ist die Durchführöffnung für den Schlauch auf der Oberseite des Rucksacks etwas zu klein geraten, um das Trinkventil als Ganzes hindurch zu führen. Ich musste meinen Schlauch auseinander bauen, um ihn durch die Öffnung zu bekommen. Gerade mit kalten Finger kann diese Fummelei leicht schmerzhaft werden, wie ich bei unserer letzten Bloggerwanderung am eigenen Leib erfahren durfte.

Vier seitlich angebrachte symmetrische Kompressionsriemen, die man einhändig bedienen kann, dienen dazu, den Inhalt des Rucksacks so zusammenzuziehen, dass er während der Tour nicht am Rücken herumwackelt.

Der Hüftgurt des Anaconda ist beidseitig verstellbar. So kann der Verschluss des Hüftgurtes nach Belieben seitlich oder mittig getragen werden. Dies ist besonders nützlich, wenn man z.B. einen Gürtelhalter für die Kamera benutzt, der durch den Hüftgurt behindert werden könnte. Auerdem dient der Hüftgurt der Stabilisierung des Rucksacks und verteilt die Last auf Rücken und Hüfte zugleich.

Halterung für TrekkingstöckeAuch Trekkingstöcke oder eine Eisaxt können am Anaconda 18 mitgeführt werden. Für sie hält der Rucksack eine eigene, mit Plastik ummantelte Schlaufe am Boden des Rucksacks bereit. Oben werden die Trekkingstöcke dann durch die Kompressionsriemen befestigt.

Unterhalb der großen Griffschlaufe auf der Frontseite des Rucksacks befindet sich eine zusätzliche Materialschlaufe. An ihr und weiteren Schlaufen an der Frontseite kann zusätzliche Ausrüstung mit der im Lieferumfang enthaltenen separaten elastischen Kordel außen am Rucksack befestigt werden.

Fazit

Für Tageswanderungen ohne viel Marschgepäck empfehle ich den MONTANE Anaconda 18 auf jeden Fall. Er hat mir bei mehreren Winterwanderungen einen guten Dienst erwiesen. Und obwohl ich immer noch eine Schicht für drunter (Pullover) dabei hatte, hatte ich noch Platz in dem kleinen Raumwunder. Sollte der Platz nicht reichen, können Kleidung oder zusätzliche Ausrüstung außen am Rucksack angebracht werden.

Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Größe eines Rucksacks so maßgeblich auf den Trage- und damit auf den Wanderkomfort auswirkt. Während den verschiedenen Wanderungen hatte ich zeitweise das Gefühl, ich hätte gar keinen Rucksack dabei.

Der Dichtheitstest hat gezeigt, dass der Anaconda dichter ist als gedacht. Wer jedoch bei Dauerregen mit dem Rucksack unterwegs ist, der sollte sich vielleicht vorher eine Regenhülle besorgen. Diese gibt es z.B. bei den Bergfreunden für kleines Geld. Ich würde die Regenhülle von VAUDE empfehlen – was nachher drauf steht, ist wurscht, Hauptsache der Inhalt bleibt trocken!

Für den Preis von 75,00 €, der vom Hersteller als Verkaufspreis empfohlen wird, lohnt sich die Investition in den kleinen Anaconda 18. Wer es gerne etwas größer mag, für den hält MONTANE die beiden größeren Geschwister Cobra 25 und Medusa 32 der selben Linie bereit. Ich für meinen Teil habe erst mal meinen Begleiter für Tagestouren gefunden ;-)

Weitere Bilder des Montane Anaconda 18 Liter Rucksacks

Hier noch ein paar Bilder und Detailaufnahmen des Rucksacks Anaconda 18:

 

Links

Alle Fotos gibt es bei Flickr.

1 Kommentar

  1. Schöner Testbericht, grade der Regentest ist super! Ich sollte mir auch mal einen kleineren Rucksack zulegen. Mein kleinster hat 30 Liter und das führt echt dazu, dass man auf Tagestouren eine Menge unnötiges Zeug mitnimmt, nur um den Rucksack zumindest halb voll zu kriegen…
    Viele Grüße
    Jan

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