Bewusst ernähren: Fasten

Ich mache mir ja immer mal wieder Gedanken, ob Artikel wie der folgende eigentlich irgendetwas mit dem Thema „Outdoor“ zu tun haben. Finde nur ich das Thema des Artikels interessant oder wäre das auch etwas für die Leser der Outdoorseite? Und häufig komme ich zu dem Entschluss, dass es schon irgendwie passt. Wir gehen nach draußen, um den Kopf frei zu bekommen und die Natur zu erleben. Wir treiben Sport, um uns etwas Gutes zu tun. Und die Ernährung nimmt in unserem Leben einen nicht unerheblichen Teil jedes Tages ein. Wieso sollten wir uns also nicht auch hier etwas Gutes tun?

Ich werde sicher noch das ein oder andere Mal etwas zu Ernährung, Fitness, Minimalismus oder ähnlichem schreiben, weil ich mich gerade sehr dafür interessiere. Heute geht es aber um das Fasten.

Mehrere Male, oft zwei Mal im Jahr mache ich eine Fastenzeit. Sicher werden viele von euch bei dem Begriff „Fastenzeit“ an die bekannten Tage des Verzichts denken, die an Aschermittwoch beginnen und 40 Tage dauern. Diese Tage der österlichen Bußzeit müssen jedoch nicht die einzigen Fastentage im Jahr sein. Wann man fasten möchte, kann man nämlich sehr gut selber bestimmen. Und das fasten muss auch nicht immer etwas mit Ernährung zu tun haben. Aber warum fasten Menschen? Warum verzichte ich in bestimmten Phasen des Jahres auf bestimmte Dinge?

Was bedeutet „Fasten“?

Unter dem Fasten versteht man den Verzicht von Speisen, Getränken oder Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Dabei kann der Verzicht völlig oder auch nur teilweise erfolgen. Das Wort „Fasten“ stammt dabei aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „[an den Geboten der Enthaltsamkeit] festhalten“.[ref]Wikipedia – Fastenzeit[/ref]

Frei übersetzt bedeutet das für uns also: Ich setze mir selber einen Zeitraum, über den ich X und/oder Y weglasse. Fasten heißt also auch ein bisschen, den Körper von überflüssigem Ballast zu befreien und sich bewusst etwas Gutes zu tun.

Verschiedene Formen des Fastens

Fasten an sich hat verschiedene Formen und Ausprägungen. Während ich bisher die kirchliche Fastenzeit nutzte, um auf Alkohol und Süßigkeiten zu verzichten und so eine eigene, wahrscheinlich weit verbreitete Art des Fastens praktizierte, gibt es viele andere Formen des Fastens, von denen ich kurz ein paar Varianten anreißen möchte.

Kirchliche Fastenzeit

In der westlichen Kirche ist der Begriff „Fastenzeit“ für den 40-tägigen Zeitraum reserviert, der als Vorbereitung auf das Hochfest Ostern dient. Während man römisch-katholischen Kirche von einer „österlichen Bußzeit“ spricht, nennen die reformatorischen Kirchen diese Zeit „Passionszeit“. Die orthodoxen Kirchen nennen die Fastenzeit die „Heilige und Große Fastenzeit“. Orthodoxe Kirchen kennen daneben noch drei weitere längere Fastenzeiten. Die Westkirche kennt eine zweite, ursprünglich ebenfalls 40-tägige Bußzeit zur Vorbereitung auf Weihnachten, nämlich den Advent.

In der katholischen Kirche kennen wir auch heute noch den fleischlosen Freitag.[ref]Wikipedia – Fastenzeit – 5.2 Fasten außerhalb der Fastenzeit[/ref] Diese Kurform des Fastens hat sich bis heute gehalten. Und nicht nur in der Westkirche wird gefastet: Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime.

Heilfasten

Das Heilfasten ist eine nicht religiös motivierte Form des Fastens. Menschen, die heilfasten, wollen ihren Körper entschlacken oder in anderer Form ihrem Körper etwas Gutes tun. Häufig wollen sich die Fastenden mit dem Verzicht auch seelisch reinigen. Es gibt verschiedenste Formen des Heilfastens wie z.B. das Saftfasten, das Molke-Fasten, Fasten auf der Grundlage von Tee und viele viele mehr. Oft wird komplett auf feste Nahrung verzichtet.

Welche Form des Heilfastens für jeden die richtige ist, liegt im Auge des Betrachters und den persönlichen Vorlieben. Wer keinen Tee mag, sollte natürlich nicht die äußerst heftige Teefastenkur machen, Menschen mit einer Laktoseintolleranz keine Molke-Fastenkur.

Irgendetwas anderes fasten

Diese Überschrift liest sich ein bisschen blöd, aber sie ist so gemeint, wie sie dort steht. Denn wir können auch irgendetwas fasten, das uns in letzter Zeit sehr beschäftigt. Sitze ich zu viel vor Facebook und möchte mal mehrere Tage darauf verzichten? Kaufe ich gerade zu viel? Mache ich zu viel Sport? Was beschäftigt mich sonst, auf das ich verzichten möchte? Setzt euch einfach einen Zeitraum und lasst euer „Laster“ in dieser zeit sein.

Der Kopf kommt zur Ruhe, Energie wird frei.

Wer bewusst auf etwas verzichtet, kann durchaus glücklicher und zufriedener sein als jemand, der „normal“ konsumiert. Ich bin mir ja gerade selber der beste Beweis: Durch den Verzicht auf Nikotin und auf Fleisch geht es mir momentan sehr gut und ich bin mit mir ein ganz großes Stück im Reinen. Auch das Trennen von manchen Dingen macht mich im Moment glücklich. Ich tanke neue Energie und mein Tag läuft irgendwie leichter von der Hand, irgendwie unbeschwerter.

Wer freiwillig fastet – und hier ist die Freiwilligkeit wirklich wichtig [ref]Hüther, Gerald – Spiegel-Ausgabe 13/2011 – Die Biologie des Hungerns[/ref] – versetzt sich nicht in Stress, den das Gehirn sich selber macht, weil es Nahrungsmittelknappheit vermutet. Etwa ab dem dritten Tag des Fastens sorgt die Ausschüttung von Serotonin für eine Art innere Zufriedenheit.

Obwohl fastende Menschen oft weniger schlafen, fühlen sie sich trotzdem erholt. In ihnen herrscht eine Art innere Verbundenheit mit sich selbst. Sie sind offener und gelassener. Zudem schärft das Fasten die Sinne: Dinge schmecken intensiver, Düfte werden intensiver wahrgenommen.

Wer darf Fasten?

Bevor nun jemand auf die Idee kommt, seine Ernährung von einem auf den anderen Tag umzustellen und auf Dinge zu verzichten, sollte geklärt werden, ob wirklich jeder fasten kann. Grundsätzlich kann zwar jeder fasten, der sich dazu im Stande fühlt. Sollten jedoch Bedenken bestehen, hilft das Aufsuchen des Hausarztes. Der kann jeden auf seine Fastentauglichkeit durchchecken. Wer sich von einer schweren Erkrankung erholt, schwanger ist oder ein Kind stillt, sollte nicht fasten.

Wer sich in einem oder mehreren der folgenden Punkte wiederfindet, sollte vor dem Fasten einen Arzt aufsuchen.

  • allgemeine Erschöpfungszustände, Gereiztheit, nervliche Anspannung
  • Neigung zu depressiven Verstimmungen oder Depression
  • Esssucht oder Bulimie
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme (Ausnahme: die Pille)
  • chronische Erkrankungen wie Diabetes usw.
  • Allergien
  • Herzinfarkt-Gefährdung
  • hoher Blutdruck
  • Übergewicht von mehr als 30 Prozent
  • Untergewicht

Fasten und Sport

Welche Auswirkungen das Fasten auf die Leistungsfähigkeit hat, ist nicht belegt bzw. streuten sich hier die Gelehrten. Ich persönlich gehe davon aus, dass der Körper während einer Heilfastenkur nicht so leistungsfähig sein kann wie bei einer „normalen“ Ernährung. Daher würde ich jedem Sportler raten, vor dem Antritt einer Heilfastenkur einen Arzt auszusuchen.

Und welche Methode passt nun zu mir?

keep-calm-and-no-sweetsWie bereits erwähnt, muss jeder für sich selber entscheiden, welche Form des Fastens ihm zusagt. Eine Variante des Heilfastens ist bestimmt nicht für jedermann oder -frau etwas, denn der freiwillige Verzicht auf eine Vielzahl an Lebensmitteln kann psychisch und physisch sehr an die Substanz gehen.

Ich persönlich habe bisher gute Erfahrungen mit einer Mischform aus Molke-Fasten und Saftfasten gemacht, die jedoch eine mehrtägige Vorbereitung braucht, um den Körper an die Fastenphase zu gewöhnen. Den Plan für die Vorbereitung und die Fastenkur haben ich mir damals von einer Ernährungsberaterin zusammen stellen lassen, die gegen kleines Geld einen auf mich zugeschnittenen Tagesplan entwickelt hat.

Ich persönlich werde auch dieses Jahr wieder die Zeit nach Aschermittwoch dazu nutzen, auf Genussmittel wie Alkohol und Süßigkeiten zu verzichten. Außerdem überlege ich, mein Fasten um den Verzicht auf Facebook zu erweitern. Ich überlege schon seit längerem, mich dort komplett abzumelden, allerdings halten mich die Outdoorseite-Fanpage und einige andere Seiten und Gruppen noch dort. Mal sehen…

16 Kommentare

    • Ich wusste doch, dass mir das Wort irgendwie bekannt vorkam ;-)
      Dir viel Erfolg und vor allem Spaß beim Süßigkeiten-Fasten.

  1. Moin Axel! Wollte einfach mal ein großes Lob dalassen. Tolle Artikel….super „Lebenswandel“! Respekt!! Finds Klasse wie fit du mittlerweile bist! Grüße!

  2. Hallo Axel,
    ein toller Bericht und ich empfinde ihn auf deiner Seite auch passend platziert.
    Sehr gut finde ich die Hinweise auf mögliche Hinderungsgründe beim Fasten.
    Aus eigener, bitterer Erfahrung kann ich jedem nur empfehlen, sich diese Tipps zu Herzen zu nehmen und in dem ein oder anderen Fall einen Arzt zu fragen.
    Deine Vorschläge auch mental zu fasten finde ich besonders hilfreich und schon habe ich einen Entschluss gefasst. Danke dir dafür.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Hi Elke,
      hört sich ja an, als hättest du bereits schlechte Erfahrungen mit dem (körperlichen) Fasten gemacht. Um so toller zu lesen, dass dich das mentale Fasten interessiert.
      Liebe Grüße
      Axel

      • Mein erster Tag, ich habe sofort begonnen, ohne Süßigkeiten ist vollbracht :-), musste oft an Eis denken :O
        Jetzt bin ich gespannt ob ich die geplanten 11 Tage durch halte. :-)

        • Ich musste jetzt noch schnell ein Stückchen Schokolade naschen. Aber morgen geht es ja erst los!

          Halt die Ohren steif! Das Gefühl, es geschafft zu haben ist meist toller als die 5 Minuten Genuss.

  3. Hey,
    da lässt sich ja gleich eine Clique bilden. :-)
    Bei mir wird von Morgen an bis Karfreitag auf Süßes, Alkohol und Softdrings verzichtet. Das wird hart … aber ich hoffe einfach, dass ich es dieses Mal schaffe. Das wäre schon ’ne tolle Sache!

    • Das mit den Softdrinks ist auch ne gute Idee. Obwohl… Eigentlich trinken ich tatsächlich kaum welche. Vielleicht sollte ich es dann auch mal versuchen, ganz darauf zu verzichten.
      Ich bin auch gespannt, ob ich es schaffen werde. Bisher habe ich es immer tapfer durchgehalten. Für Ende März steht jedoch ein Männertrip nach Prag an. Da wird es sicher hart, nein zu sagen ;-)

      • Ich trink halt im Büro ab und an mal ’ne Cola für den Geschmack. Ist aber irgendwie auch unnötig .. muss mir da noch eine Alternative einfallen lassen.

    • Welch ein Glück, süße Getränke gibt es nur in Form von Kaffee mit Zucker. Ich halte dir auch die Daumen Benni, wie Axel unten sagt, der Genuß ist kurz, das Gefühl des Sieges über sich selber hält lang :-)

      • Ich halte auch meinen Daumen fest, dann bekomm ich die Süßigkeitentüten nicht auf :D.
        Aber ernsthaft .. wird schon … hart. Aber wird auch klappen.

  4. Bei mir ist das voll daneben gegangen. Im Laufe einer Mädelstour war es mit der Beherrschung sowas von vorbei. Geb ich jetzt mal öffentlich zu :(

  5. Pingback: Auf geht’s in die Fastenzeit – work.sleep.repeat

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