Berghaus BIOFLEX 45 im Test

Bereits 2005 zog Berghaus mit seinem Bioflex Tragesystem die Blicke auf sich. Jetzt hat die englische Outdoorschmiede das System komplett überarbeitet und neu auf den Markt gebracht. Doch der Clou ist der gleiche geblieben: Ein Tragesystem mit einem beweglich gelagerten Hüftgurt. Dies soll dafür sorgen, die Lasten gleichmäßiger auf das Becken zu verteilen. Doch auch ansonsten kann der BIOFLEX überzeugen.

Unser Partner Bergfreunde wählte ihn bereits zum “Gear of the week” und war so freundlich, uns den BIOFLEX 45 für einen Test zur Verfügung zu stellen.

Ausnahmsweise mal kurz ohne Regenhülle

Tragesystem

Es ist die Innovation in der Berghaus Bioflex Rucksack Linie, das Bioflex Tragesystem. Bereits 2005 brachte Berghaus das System erstmalig auf den Markt. Nach sieben Jahren haben die Engländer es jetzt in überarbeiteter Fassung erneut auf den Markt gebracht und man darf gespannt sein, wie es angenommen wird. Fakt ist aber, dass es definitiv mal etwas ganz anderes ist und sich von den Tragesystemen der Konkurrenz abgrenzt.

Hauptmerkmale des BIOFLEX Systems sind der Cross Load Frame, das Hyperlink Load Transfer System im Hüftgurt und selbstverständlich der Bioflex Hub.

  • Der Cross Load Frame ist ein X-förmig angeordneter Aluminiumrahmen, in dessen Zentrum der Hub sitzt. Er soll bei niedrigem Eigengewicht eine optimale Weiterleitung des Gewichts in den Hub gewährleisten.
  • Das Hyperlink Load Transfer System im Hüftgurt soll für eine optimale Anpassung des Gurtes an die Hüfte sorgen. Es besteht aus schlaufenförmig geführten Aluminiumrohren und hat somit den Vorteil, dass es horizontal sehr flexibel ist, vertikal wiederum eine hohe Steifigkeit aufweist.

  • Der Bioflex Hub ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des gesamten Tragesystems. (Welch schönes Wortspiel, ich zahle freiwillig ins Phrasenschwein!) Er besteht aus einem Drehteller, welcher den Cross Load Frame und den Hüftgurt verbindet. Der Hub ermöglicht Bewegungen in zwei Achsen, sprich der Rucksack kann sich um den Hub nach rechts und links drehen und beim nach vorne beugen kann er dies ebenfalls ausgleichen. Somit bleibt das Gewicht immer konstant auf dem Hüftgurt.

Berghaus verspricht sich von dem System eine Energieeinsparung beim Träger von ca. 10 %.

 

Persönlicher Eindruck

So schön sich die Beschreibung des Tragesystems anhört, so groß war auch meine erste Enttäuschung beim genaueren Hinsehen. In der 45 Liter Version, die ich zum Testen erhalten habe, ist weder der Cross Load Frame, noch das Hyperlink Load Transfer System verbaut.

In dem kleinen Modell, welches eher im Bereich eines Tourenrucksacks anzusiedeln ist, hat Berghaus sich für eine Kunststoffplatte zur Lasteinleitung entschieden und auf Grund des geringer zu erwarteten Gesamtgewichts auf die aufwendige Technologie im Hüftgurt verzichtet. Schade, da ich gerne das gesamte System gesehen hätte, aber dennoch eine nachvollziehbare Lösung. Die Rückenlänge ist auch nicht verstellbar, was man aber von Rucksäcken dieser Kategorie ja durchaus gewöhnt ist.

Der aufgeschraubte Hub

Doch der Hub ist selbstverständlich vorhanden und somit bleibt das wichtigste Merkmal des Tragesystems erhalten. Bevor ich den Rucksack erstmalig unter Realbedingungen teste, muss ich dann doch noch den Hub aufschrauben und mir sein Innenleben anschauen. Der Anblick beruhigt mich, es gibt keine mir zugänglichen beweglichen Teile oder gar Kugellager, die verdrecken können. Die Aluminiumstange des Hüftgurts ist lediglich durch zwei Hartplastikteile geführt, welche miteinander verschraubt sind. Die Anfälligkeit für Defekte erscheint gering.

Bei den ersten Schritten ist das Mitpendeln des Rucksacks ungewohnt. Der normalerweise steif auf dem Rücken sitzende Rucksack folgt mit einem Mal meinen Körperbewegungen und das recht hohe Gewicht von 13 bis 14 kg, welches ich zum Testen eingepackt habe, empfinde ich zumindest subjektiv gesehen als nicht besonders schwer. Der Hüftgurt passt sich angenehm an und die Schultergurte schneiden an keiner Stelle.

Auch nach etwa vier Stunden Laufen durch den permanenten Eifelregen fühlt sich der Rucksack noch immer angenehm an und drückt nirgends. Mittels zweier Gurte an den Hüftflossen lässt sich die Bewegung des Hüftgurtes begrenzen, sodass er nicht mehr ganz so viel mitgehen kann. Ansonsten bietet das Tragesystem alles, was auch andere Hersteller anbieten. Einen höhenverstellbaren Brustgurt, Riemen zur Lageverstellung und eine angenehme Rückenpolsterung mit Vertiefungen zur besseren Luftzirkulation.

Aufbau

Auch wenn das Tragesystem des BIOFLEX mit Sicherheit die meisten Blicke auf sich zieht, mehr noch hat mich eigentlich die Ausführung der Details im Aufbau des Rucksacks überzeugt. Die Entwickler bei MtnHaus, der Entwicklungsabteilung bei Berghaus, haben sich hier sichtlich Mühe gegeben, einen rundum sehr guten Rucksack zu konstruieren.

Der BIOFLEX erscheint auf den ersten Blick sehr klein für einen 45 Liter Rucksack, was an seinem recht kurz gehaltenen Rücken liegen könnte. Doch auch ohne ihn exakt ausgelitert zu haben, passt doch in etwa das gleiche rein, wie z.B. in meinen Deuter ACT Lite 40+10.

Der Rucksack verfügt über ein separates Schlafsackfach, das von unten gut zugänglich ist. Der Trennboden lässt sich mittels Reisverschluss öffnen, sodass ein durchgängiges Fach entsteht. Seitlich am Trennboden befinden sich Aussparungen, somit können auch lange Gegenstände wie Stöcke oder ein Stativ gut verstaut werden. Selbstverständlich ist der Rucksack kompatibel mit diversen Trinksystemen, eine Aufnahmetasche mit Schlaufe befindet sich an der Rückeninnenseite. Berghaus bietet sogar beidseitig Öffnungen zum Durchführen des Schlauchs an, hier wird anscheinend jeder glücklich gemacht. Auf den Schultergurten gibt es dann auch dementsprechend beidseitig jeweils Schlaufen, in denen sich der Trinkschlauch fixieren lässt.

Der nicht höhenverstellbare Deckel verfügt über ein dreiseitig zu öffnendes großes Deckelfach und eine Mesh-Tasche auf der Innenseite. Oben drauf finden sich nochmals vier Schlaufen, die die Aufnahme von zusätzlichen Packriemen für Isomatten oder Ähnlichem möglich machen.

Seitlich gibt es jeweils eine großzügige Netztasche und zwei Kompressionsriemen. Die beiden oberen Riemen haben dabei einen Pole-Grip Teil. Diese Art Klammer aus Gummi verhindert ein starkes Verrutschen von eventuell fixierten Stöcken. Für diese finden sich unten übrigens noch einmal jeweils zwei extra Schlaufen, je eine große und eine kleine, um auch wirklich besten Halt, sowohl bei Stöcken als auch Pickeln zu gewährleisten.

Des weiteren hat der Rucksack eine integrierte, herausnehmbare Regenhülle im Bodenfach, eine aufgesetzte Tasche auf dem Hüftgurt und zwei Kompressionsriemen, die unterhalb des Bodenfaches verlaufen. Alle Riemen sind mit Gummischlaufen ausgestattet, sodass nervige, baumelnde Enden der Vergangenheit angehören. Auf der Front ist der Rucksack vorbereitet für die Aufnahme eines Gummibandes um nasse Kleidung etc. zu fixieren, warum man sich dieses aber selber besorgen und einbauen muss, weiß nur Berghaus. Der Aufwand ist allerdings auch überschaubar.

 

Fazit

Der Berghaus BIOFLEX 45 hat mich nicht nur mit seinem innovativen Tragesystem überzeugen können, viel mehr besticht er durch eine hervorragende Umsetzung in allen Bereichen. Man merkt, dass MtnHaus und Berghaus sich hier viele Gedanken über die kleinen Details gemacht haben, die einen guten Rucksack ausmachen.

Auch das Tragesystem machte während der eintägigen Tour durch die Eifel einen guten Eindruck auf mich. Diesen wird es jetzt in den nächsten Wochen bestätigen müssen, wenn der Rucksack die Chance bekommt auf dem E5 von Oberstdorf nach Bozen zu glänzen.

 

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