Auf der Grenzroute 5 durch den Aachener Wald

Der Aachener Wald, von den Bewohnern der Kaiserstadt liebevoll „Öcher Bösch“ genannt, dient vielen Aachenern als Rückzugsort und Oase der Ruhe. Er liegt etwa 3,7 km südlich von Aachen und hat eine Fläche von 1350 ha. Ein fast 100 km langes Wegenetz mit separaten Pfaden für Fußgänger, Mountainbiker und Reiter durchzieht den Öcher Bösch bis in den letzten Winkel. Auch die Grenzrouten, die im Rahmen der EuRegionale 2008 eingeweiht wurden, verlaufen teilweise durch den Aachener Wald.

Am vergangenen Sonntag waren Greta und ich zum ersten Mal ganz alleine auf Wanderschaft. Dafür hatten wir uns die ca. 10 km lange Route 5 der Grenzrouten ausgesucht. Was wir alles erlebt haben, möchten wir euch hier erzählen:

Los geht es um 10 Uhr morgens am Köpfchen auf dem Parkplatz gegenüber des alten Grenzhäuschens, das seit dem Jahr 2000 den belgisch-deutschen Verein Kunst und Kultur am Köpfchen beheimatet. Hier finden immer wieder kulturelle Events wie z.B. die Grenzkunstroute statt. Wir starten also direkt einige Meter oberhalb des Parkplatzes und biegen rechts in den Wald ein. Für einige hundert Meter folgen wir einer Asphaltrennbahn, die sich ihren Namen dank eines Mittelstreifens verdient, der den Weg in zwei Bahnen spaltet. Nach einem guten Stück auf der Rennbahn biegen wir dann endlich links auf einen Schotterweg ein und bewegen uns nun wieder in Richtung Aachen. Gassigeher, Jogger, Reiter, Mountainbiker – es scheint zumindest auf den ersten 2 km nur so von aktiven Aachenern zu wimmeln. Nach Jens‘ Beitrag „Unterwegs grüßen oder stumm vorbeigehen?“ habe ich mal genauer darauf geachtet: Die Aachener sind ja ein regelrecht grüßwütiges Völkchen!

Grüßend erreichen wir schon bald die Pionierquelle, die in den Jahren 1939 und 1940 von Pioniertruppen nahe ihres Quartiers angelegt wurde, während sie auf den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Belgien und die Niederlande lauerten.

Einige Meter hinter der Pionierquelle treffen wir auf Zivilisation. Als wir auf den Pommerotter Weg treffen, biegen wir links in ihn hinein und folgen der Straße bis sie die Eupener Straße kreuzt. Hier sind wir heute schon mal vorbei gekommen, als wir zum Ausgangspunkt gefahren sind. Wir folgen der Straße einige wenige Meter bevor wir sie queren und historischen alten Wachturm Alt-Linzenshäuschen auf dem Brandenberg erreichen. Dieser diente seiner Zeit als Stützpunkt bei der Sicherung des Aachener Reiches entlang des Landgrabens. Der Name leitet sich von einem der damaligen Wächter ab: Im Jahr 1499 wurde Lenz Besteyn (hochdeutsch: Laurenz Sebastian) zum Wächter berufen. Der nicht gerade große Sebastian wurde aufgrund seiner Körpergröße und der Tatsache, dass er nun in dem imposanten Turmbau wohnte „Leensgyn up ghen Huysyijn“ genannt, was heute so viel heißen würde wie „Lenzchen auf seinem Häuschen“. So entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Name „Linzenshäuschen“.

Wir machen eine erste kleine Rast an einem imposanten Brunnen, den – wie ein Schild erzählt – die Sparkasse den Bürger der Stadt Aachen geschenkt hat. Danke hierfür! Frisch gestärkt folgen wir dem asphaltierten Weg weiter bergauf und sehen bald das Forsthaus, bevor wir dahinter abgelegen im Wald weitere Häuschen der Kategorie „Kosten-ein-paar-Mark“ zu sehen bekommen. Der Weg wechselt an einer Schranke seinen Belag und endlich sind wir wieder im Wald verschwunden. Wir folgen dem Düsbergweg einige hundert Meter, bis wir auf den Osterweg treffen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Wegenetz im Aachener Wald so gut ausgebaut ist, dass selbst die Waldwege alle (!) einen Namen haben.

Direkt an der Kreuzung Düsbergweg/Osterweg beginnt ein Waldlehrpfad, dem wir rechts herum folgen, bis wir die Wegkreuzung „Siebenwege“ erreichen. Wie der Name erahnen lässt, kreuzen sich hier, oberhalb von Gut Entenpfuhl sieben Wege.

Wir verlassen die quirlige Kreuzung und steigen stetig bergab zum Gut Entenpfuhl, einem bei den Aachenern beliebten Ausflugslokal. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, dort einen Kaffee zu trinken, aber da meine Begleiterin gerade so friedlich in der Trage schlummert, entscheide ich mich weiter zu gehen. Wir lassen also den gut besuchten Hof rechts liegen und steigen links einige Treppenstufen hinauf. Ab hier wird uns die Grenzroute 1 uns bis zum Ausgangspunkt am Köpfchen begleiten, ebenso wie der Aachener Fernsehturm „Mulleklenkes“.

Wir folgen dem Weg, der sich sanft bergauf schlängelt für eine lange Zeit, bis wir die Schutzhütte Schmalzloch erreichen. Ich frage mich, warum das Schmalzloch Schmalzloch heißt und biege mitsamt der immer noch schlafenden Begleiterin rechts in einen Weg ein, der uns wieder hinab führt, auch wenn ich das Schild erst mal suchen muss.

Entlang des Weges fällt mir auf, dass schon seit dem Startpunkt immer wieder diese Pflanze ausgerissen auf dem Weg liegt:

Wer kennt die Pflanze und weiß, warum sie überall ausgerissen wurde? Bedroht sie die heimischen Pflanzen oder haben irgendwelche Tiere etwas damit zu tun?

Irgdnwann biegen wir in einer Linkskurve rechts in einen Nadelwald ein, den wir bis zu einer Lichtung durchqueren. An der Lichtung angekommen, werden wir ausführlich auf die Jagdzeiten informiert und ich lerne ein neues Wort: „Kugelfall“.

Nun befinden wir uns in Belgien und wir bleiben nur ganz kurz hier. Hinter der Lichtung, die wir queren müssen, können wir noch ein Relikt des alten Aachener Reichs sehen. Eine alte Hainbuchenhecke und ein Graben sicherten die Grenze des Reiches.

Wir biegen links auf einen schmalen und sandigen Pfad ein, der etwas steiler zu den nächsten Zeugen des alten Reiches führt: Oben angekommen markieren Grenzsteine wieder die Landesgrenze zwischen Belgien und Deutschland bzw. dem alten Aachener Reich. Tschüss Belgien!

Über idyllische Wege schlängeln wir uns weiter durch den Wald, bis wir die nächste historische Grenze erreichen: den Westwall. Er wurde von den Nationalsozialisten als Verteidigungswall zwischen 1936 und 1938 erbaut und umfasst 14.000 Bunker und Stollen und eine 76 km lange Höckerlinie, die heute zum Teil unter Denkmalschutz steht und ein Rückzugsort für viele Tiere geworden ist.

Nun biegen wir rechts auf einen asphaltierten Weg ein, der uns nach einem guten Kilometer vorbei an einem herrschaftlichen Gutshof etwas oberhalb des Parkplatzes zurück zur Eupener Straße bringt.

Tipps für die Familie

An der Pionierquelle befindet sich neben der Quelle und einem kleinen Wasserspielplatz eine Schutzhütte und ein Spielplatz mit Seilbahn, Rutsche usw., die zu einer ersten Pause einladen.

An der Kreuzung Düsbergweg/Osterweg beginnt ein ziemlich ausführlicher Waldlehrpfad, der auch zeigt, was die Splitter von Bomben des 2. Weltkrieges mit Bäumen machen.

Eine Einkehrmöglichkeit ist Gut Entenpfuhl, wo man auch eine Runde Minigolf spielen kann. Auch ein paar Tiere wie Esel, Enten, Gänse usw. sind hier zu finden.

Weitere Schutzhütte befinden sich am Schmalzloch und an der Weggabelung Siebenwege.

Links

2 Kommentare

  1. Uli Hoffmann-Siemes 5. September 2012 at 13:06 - Reply

    Die allenthalben ausgerissenen Pflanzen sehen aus wie das „japanische (oder indische)Springkraut“http://de.wikipedia.org/wiki/Dr%C3%BCsiges_Springkraut. Sieht zwar hübsch aus und die Kinder spielen gerne damit (die Samen fliegen weg, wenn man drauf drückt) aber es droht die einheimische Vegetation von ihren natürlichen Standorten zu verdrängen.

    • Hallo Uli, danke für die Info. Heute entnahmen ich dem Super Mittwoch, dass wohl auch in Brand eine Aktion stattgefunden hat, bei der das Springkraut entfernt wurde. Ich fand’s halt nur so seltsam, weil nur einzelne Pflanzen ausgerissen waren und noch etliche am Wegesrand standen, wie hier zu sehen ist.

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