Auf dem Eifelsteig von Monschau nach Einruhr

„Heute will er uns fertig machen“, glauben wir, während wir schnaufend Höhenmeter schrubben. Mama und Papa hecheln, Greta liegt in der Trage und schläft. Das nenn ich Teamwork. Dass die Tour auf dem Eifelsteig von Monschau nach Einruhr mit ihren ausgeschriebenen 820 zu erklimmenden Höhenmetern kein Zuckerschlecken werden würde, war uns im Voraus klar, aber wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt? Dazu aber später mehr.

Wir sind wieder unterwegs auf dem Eifelsteig, dieses Mal vom historischen Ortskern der Stadt Monschau zum Rurseedörfchen in Einruhr. 24,5 Kilometer liegen vor uns und unser Auto wartet in Einruhr auf uns. Vorsorglich haben wir es dort abgestellt und sind mit dem Bus zurück nach Monschau gefahren. Die Fahrt kostet lediglich 3,30 Euro und dauert mit einem kurzen Umstieg in Simmerath etwa 45 Minuten. Dafür haben wir aber bei einem bedeckten Himmel wie heute die Gewissheit, in ein trockenes Auto steigen zu können, falls es regnen sollte.

Der Startpunkt der dritten Etappe liegt in unmittelbarer Nähe zum Roten Haus im Eifelstädtchen Monschau. Von dort aus verlassen wir den Ort in Richtung Süden und schrauben uns direkt zu Beginn ein paar beachtliche Höhenmeter hinauf auf die Sonntagsley, von wo aus wir noch ein Mal auf den Ort und die historische Burganlage blicken können. Auf schmalen Pfaden folgen wir dem Eifelsteig durch bewaldetes Gebiet, bis wir hinter einer Brücke die Perlenbachtalsperre erreichen. Wir folgen dem Gewässer, das hier seit 1956 gestaut wird und hauptsächlich der Wasserversorgung und der Stromerzeugung durch Wasserkraft dient, fast auf seiner gesamten Länge, bevor wir scharf links noch ein mal kurz in einen kleinen bewaldeten Anstieg eintauchen. Nach einer kurzen Strecke über freies Feld erreichen wir den Ort Höfen, wo wir am Nationalparkhaus eine etwas längere Pause einlegen. Greta, die mittlerweile an einer Hand läuft, darf sich auch ausgiebig die Beine vertreten.

Hinter Höfen folgen wir dem Heckenweg eine Weile, bevor wir wieder in den Wald eintauchen. Der Höfener Heckenweg ist übrigens ein eigenständiger, fünf Kilometer langer Wanderweg, der toll ausgeschildert ist und gerade für Kinder viele Informationstafeln über den Nutzen von Flur- und Haushecken und das tierische Leben in ihnen bereit hält.

Bevor wir in das Kluckbachtal hinab steigen, wo der Kluckbach etwas weiter unten in die Rur mündet, passieren wir eine Ansammlung von mehreren mysteriösen Holzhütten. Wer wohnt hier so alleine im Wald? Wir wollen es genauer wissen und nähern uns den Hütten. Zu erkennen ist ein Lehmofen und mehrere Schultafeln. Vielleicht ist die Hüttenansammlung ein Stützpunkt des Försters, der hier Schulklassen empfängt?

Nachdem wir vorbei an den Hütten seicht ins Kuckbachtal abgestiegen sind, geht es ab hier noch ein Mal steil hinauf auf den Aussichtspunkt Perdsley. Wir nutzen die Gelegenheit und den schönen Ausblick für eine weitere Rast. Zwar ist der Aussichtspunkt nicht sonderlich gut für Kinder gesichert, aber das interessiert gerade niemanden, da Greta auch den heftigen Anstieg hier hinauf verpennt hat und immer noch in der Kraxe schlummert.

Frisch gestärkt folgen wir wieder dem Eifelsteig entlang der Rur, die wir hin und wieder queren, in Richtung des Ortes Hammer, wo wir einen Campingplatz passieren und bald wieder im Wald verschwinden sollen. „Sollen“, richtig. Denn vorher passiert das Malheur: Waldarbeiter haben an einer Stelle, an der sich der Weg in drei Wege gabelt, die Bäume gerodet und vergessen, das Schild des Eifelsteigs wieder anzubringen. Zwei Wege führen steil bergab, einer links herum scheint relativ eben zu verlaufen. Wir beschließen, den ebeneren Weg bis zur nächsten Weggabelung zu gehen. Sollten wir dort kein Schild vorfinden, ist es der falsche Weg. Und wie es das Gesetz so will: Es ist der falsche Weg. Das selbe Verfahren wählen wir nun beim rechten der beiden bergab führenden Wege, um festzustellen, dass auch das nicht unser Weg ist. Insgesamt sind wir nun schon 45 Minuten damit beschäftigt unseren Weg zu finden und haben gefühlte 200 Höhenmeter zusätzlich in den Knochen, als wir auf dem dritten Weg endlich den Campingplatz in Hammer erreichen.

Von Hammer aus folgen wir dem Eifelsteig in Richtung Dedenborn und unsere Laune hält sich in Grenzen. Ich fluche immer noch wie ein Rohrspatz über die Waldarbeiter, während Greta nach so vielen Stunden in der Trage langsam anfängt zu quengeln. Wann kommt denn Dedenborn? Von da aus ist es bestimmt nicht mehr weit. Denke ich.

Es dauert auch nach dem Ort Dedenborn noch eine ganze Weile, bis wir die Mündung der Rur in den Rursee erreichen und von oben auf sie herabschauen können. Zum Glück hält der Weg sich jetzt einigermaßen auf einem gemäßigten Niveau, denn die – dank unseres Umweges – etwa 1.000 Höhenmeter, die in unseren Knochen stecken, machen sich langsam bemerkbar.

Kurz vor Einruhr können wir noch ein Mal die volle Schönheit des Eifelsteigs genießen. Der Weg schraubt sich über schmale Pfade und für kurze Zeit über Felsen hinab zur Hauptstraße von Einruhr. Auf der anderen Straßenseite wartet unser Auto auf uns. Dort laden wir unsere Ausrüstung ab und stärken uns im Restaurant „Café zur Post“, bevor wir die etwa einstündige Heimfahrt antreten. Während ich im Auto immer noch leise über die Waldarbeiter fluche macht Greta das, was ich auch gerne tun würde: Sie schläft.

Links

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.