Auf dem Eifelsteig von Einruhr nach Gemünd

Noch bevor wir die ersten Schritte auf Etappe 4 des Eifelsteigs zwischen Einruhr und Gemünd machen, bekommen wir Infos aus erster Hand. „Wir sind erst am 01.01.2006 Nationalpark geworden. Davor war hier überall militärisches Sperrgebiet“, erzählt uns Herr Körres, der uns mit seinem Taxi von Gemünd zurück zum Ausgangspunkt nach Einruhr fährt. „Ich hatte eine Sondergenehmigung und musste die jedes Jahr im Dezember bei den Belgiern auffrischen lassen“, plaudert Fahrer Körres aus dem Nähkästchen. „Und die Wüstung Wollseifen da rechter Hand, die haben sie damals aus 35 km Entfernung mit ihren Geschützen beschossen. Da war hier was los!“

Wir sind dem Hinweis auf den Webseiten des Eifelsteigs gefolgt und lassen uns mit dem Taxi zurück zum Ausgangspunkt bringen, da eine Busfahrt zu kompliziert ist. Als Herr Körres uns in Einruhr absetzt, haben wir das erste Abenteuer bereits hinter uns: Von drei vorgeschlagenen Taxi-Nummern funktioniert nur eine. Die Frage „Wann soll der Wagen denn da sein?“ und die Aussage „DER Wagen ist gerade unterwegs“ lässt erahnen, dass das Taxi in der Eifel nicht zu den gängigen Verkehrsmitteln gehört.

Unplanmäßig starten Thomas und ich also um 10 Uhr in Einruhr und folgen den Schildern des Eifelsteigs. Wir machen ein paar Höhenmeter, um zu einem Weg oberhalb des Ortes zu gelangen. Ein letzter Blick von oben auf den Rursee stimmt uns auf die herbstliche Eifel ein.

Wir wandern ein Paar Meter entlang des Weges, bevor es nach einer Weile stetig bergab geht. Der Wald entlässt uns auf eine große Wiese und wir sehen in der Ferne ein Häuschen am Wegrand stehen. Hier bin ich auf dem Wildnistrail schon ein Mal vorbei gekommen und so kann ich Thomas erzählen, dass hier früher ein Posten stationiert war, der darüber wachte, wer das militärische Sperrgebiet betreten durfte und wer nicht. Nun passieren wir also das Sperrgebiet, das 1936 und 1939 von den Nationalsozialisten als Übungsgelände und nach dem Zweiten Weltkrieg von britischen Streitkräften als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Zwischen 1950 und 2005 fuhr die belgische Armee hier ihre Manöver. Ich erinnere mich an die Erzählung von Herrn Körres.

Wir durchwandern im Jahr 2006 angelegte Biotope und Wiesen, auf denen bis zur Übernahme des Geländes durch das Militär Ackerbau betrieben wurde. Dabei halten wir uns an die Schilder, die uns davor warnen den Weg zu verlassen, bevor wir wieder in malerisch-herbstlichen Wald eintauchen. „Wo Fels und Wasser dich begleiten“ – das Motto des Eifelsteigs ist stets präsent. Zu unserer linken Seite zeigt sich der Rursee in seiner vollen morgendlichen Pracht, auf der rechten Wegseite begrenzen Schieferfelsen unseren Weg, die teilweise meterhoch empor ragen. Während wir die Natur um uns herum genießen, bemerken wir kaum, dass uns zahlreiche Mit-Wanderer, Mountainbiker und Familien auf Sonntagsausflug entgegen kommen. Jeder versucht noch mal, die letzten Sonnenstrahlen mit zu nehmen.

Nach einer Weile sehen wir aus der Ferne ein Schild mit der Aufschrift „Radfahrer bitte absteigen“. Wer es bis hier schon auf den nassen Pfaden mit dem Rad geschafft hat, wird nun also gebremst. Der Weg macht eine scharfe Rechtskurve und vor uns liegt ein steiler Hang, dessen Ende wir von hier aus nicht sehen können. Hier geht es hinauf zur Urfttalsperre. Auch das kann ich Thomas schon berichten. Dieser Berg war mein allererster Berg, als ich damals mit dem Wandern anfing und mir für eine Dreitagestour einen 110 Liter-Rucksack von einem Freund ausgeliehen hatte. Mit dem Monstrum auf dem Rücken musste ich damals schon hier hoch – und das war wahrlich kein Zuckerschlecken.

„Aber der sieht schlimmer aus als er es in Wirklichkeit ist“, beruhige ich Thomas und wir setzen zur Bergbesteigung an. Nach einigen Metern und ebenso Höhenmetern erreichen wir eine Schautafel, an der gegenüber ein kleiner Pfad absticht. „Hier geht’s hoch zur Talsperre. Da kannst du ein paar geile Fotos machen“,  motiviere ich meinen Begleiter. „Da gibt es eine kleine Aussichtsplattform.“

Wir steigen noch ein paar Meter weiter hinauf und werden mit einem Blick auf die Urfttalsperre entschädigt. Den Gang zum Café auf der anderen Seite der Staumauer ersparen wir uns aber.

Nach ein Paar Minuten auf der Aussichtsplattform und einer kleinen Zwangspause, die wir für die zahlreichen hechelnden Radfahrer einlegen, die uns – ihr Gefährt schleppend – den schmalen Pfad entgegen kommen, steigen wir wieder hinab und landen mitten auf dem steilen Berg, den wir zuvor verlassen haben. Weiter geht es hinauf!

Krach! Ein etwa 10 cm dicker Ast landet nur gut zwei Meter vor unseren Füßen und lässt uns eine kurze Verschnaufpause einlegen, bevor es weiter quälende Meter hinauf geht und wir zu einer zweiten Aussichtsplattform gelangen, an der wir einen weiteren Blick auf die Talsperre werfen können. Wir legen eine kurze Pause eine und lassen das gewaltige Bauwerk auf uns wirken. Weiter geht’s hinauf.

Weiter und weiter geht es bergauf und wir schrauben uns mittlerweile jeden Meter einzeln den Berg hinauf, bis wir nach einer Rechtskurve auf die Dreiborner Hochfläche gelangen. Ginster ziert des Wegesrand und nach weiteren Höhenmetern können wir einen ersten Blick auf die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang werfen. Der mächtige Bau thront imposant auf einem Rücken des Berges Erpenscheid und ist von weitem zu sehen. Auch hier bin ich schon einige Male gewesen. Und genau hier sind wir mit unserer Freundin Birgit verabredet, die heute ihr Wanderdebut geben möchte und vormittags arbeiten musste.

Wir folgen dem fast schnurgeraden Weg durch die Hochfläche und biegen an einer Wegkreuzung links auf das Gelände der Wüstung Wollseifen ein. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf Wollseifen durch die britischen Streitkräfte geräumt, um auf dem umliegenden Gelände den Truppenübungsplatz Vogelsang anzulegen, der im Jahr 1950 dem belgischen Militär übergeben wurde.

Der Eifelsteig führt uns ein Mal quer durch das Totendorf, so scheint es uns zumindest, denn die Ruinen der Häuser und der Dorfkirche lassen keine anderen Gedanken zu. Während auf der von uns links liegenden Seite der alte Baubestand für die Truppenübungen genutzt wurde, wurde das Dorf nach rechts hin um neue Bauten erweitert. Ein Blick in die Straßen lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken fahren. Noch im Mai 2001 wurde in den Bauten der Häuserkampf für den Einsatz im Kosovo trainiert.

Wir verlassen den gespenstischen Ort und steigen nahezu stetig hinab ins Tal, immer dem Prunkbau Vogelsang entgegen. Nach einem wirklich kurzen Anstieg spuckt uns der Wald auf eine Panzerstraße. Wir stehen am Fuße des Erpenscheid und somit unterhalb der Ordensburg. Imposant wachsen die Gebäude über uns in die Höhe, ellenlange Treppen führen hinauf zu den Gemeinschaftsgebäuden, zu einem Kino, einer Bar, den Verwaltungsgebäuden und vielen weiteren überdimensionierten Bauten.

Wir wollen in den Adlerhof, da wir dort mit Birgit verabredet sind und ich weiß, dass man von dort einen grandiosen Ausblick auf den Urftsee hat. Leider ist der Hof zur Zeit wegen Bauarbeiten gesperrt und wir müssen auf das provisorische Besucherzentrum im Kinosaal ausweichen. Zeitgleich mit Birgit treffen wir dort ein und erzählen ihr bei einem Kaffee auf der Terrasse von unserer bisherigen Etappe.

Weiter geht es um die Ordensburg herum und an der Einfahrt vorbei. Wir steigen wieder hinab und erreichen bald einen kleinen Bachlauf. Ich kann mich daran erinnern, dass der damals noch nicht überbrückt war, jedoch finden wir hier nun eine aufwändige Konstruktion, die uns trockenen Fußes durch das kleine Tal bringt.

Die Überbrückung erinnert mich irgendwie an die Pfade im Hohen Venn und bevor ich weiter darüber nachdenken kann, haben wir auch schon wieder Waldboden unter den Füßen. Ein kurzer Anstieg bringt uns zum Aussichtspunkt Kickley, von wo wir unseren Blick über unser Ziel Gemünd schweifen lassen können.

Von hier aus geht es über Felder und Waldwege hinunter in den Ort, teilweise hinter den Gärten der Anwohner entlang. Eine wirklich tolle, aber teilweise auch anstrengende Tour liegt nun hinter uns und bei Thomas machen sich die ersten Blasen bemerkbar. Wir nehmen Platz auf der Terrasse des erstbesten Restaurants und lassen es uns bei Hirsch- und Sauerbraten gut gehen.

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11 Kommentare

  1. Schöner Bericht! Den Abschnitt kenne ich auch durch den Wildnis-Trail. Hat mir damals sehr gut gefallen, da er viel Abwechslung bietet und es einiges zu sehen gibt. Im Herbst scheint es dort auch sehr schön zu sein.

  2. Am Sonntag habe auch ich diese Strecke gewandert. Super Wanderwetter und ’ne tolle Strecke! Mit dem Bus zurück war kein Problem, regelmäßige Verbindung entweder direkt mit SB63 oder mit der 82 Nationalpark Shuttle und umsteigen in Vogelsang.

  3. Ich brauche echte Wanderschuhe!
    Außerdem war es keine Blase :-) nur ne Druckstelle. Hat aber grandiosen Spaß gemacht!

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