3 magische Lauf-Momente und ein großer Schmetterling

Manchmal passieren mir draußen Dinge, die irgendwie magisch sind. So zum Beispiel bei meinem heutigen Lauf. Und was ich dort erlebt habe, war irgendwie so zauberhaft, dass ich diesem Lauf nicht nur einen eigenen Blogartikel widme, sondern euch auch direkt über Instagram davon berichten musste.

Über Facebook, wo ich das Bild auch geteilt hatte, fragte Jörg, ob mir was Schlimmes zugestoßen sei. Ich kann euch beruhigen. Nein, mir ist sogar etwas ganz tolles passiert.

Aber was war passiert?

Heute war ich auf meiner alten Hausstrecke unterwegs. Damals, als ich noch im Aachener Westen gewohnt habe, war das Gebiet um das Johannisbachtal, Gut Hasselholz, den Preuswald und den Philippionsweg mein Revier. Hier drehte ich meine ersten Runden alleine und kannte jeden Stein beim Namen. Aber neben all den Steinen kannte ich auch alle Anstiege beim Namen – und habe das ein oder andere Mal geflucht, wenn ich es laut schnaubend nur bis zur Mitte geschafft habe.

So quälte ich mich damals dort über Asphalt, Stock und Stein. Die verschiedenen kleinen Routen kann man gut zu einer großen kombinieren und so schaffte ich es irgendwann mal, 10 km zu laufen – aber nie schaffte ich eine eigentlich ganz einfache Sache.

Ich sah Berge, wo keine waren

Drei Anstiege machten mir jedes Mal einen Strich durch die Rechnung, wenn ich auf der großen Runde unterwegs war und mir fest vorgenommen hatte, mal eine Runde durch zu laufen. Auch bei den kleinen Runden, bei denen ich jeweils nur einen der drei Anstiege einbaute, schaffte ich es meistens nur ein paar hundert Meter die wirklich nicht große Steigung hinauf, dann musste ich pausieren und nach Luft schnappen. Und so ging es mir jedes Mal. Mal schaffte ich ein paar Meter weiter den Berg hoch, mal wieder ein paar Meter weniger und nie schaffte ich einen der Anstiege in einem durch. Und dann kam der heutige Tag.

Wer meinen Blog häufiger liest oder mir bei Strava folgt, wird sofort festgestellt haben: Hm, der Typ hat ja wieder was zweistelliges auf der Uhr. Und ja, ich bin heute 10 km gelaufen, was mich nach der Plantarfasziitis und dem gebrochenen Zeh sehr freut. Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass ich vernünftig laufen und trainieren konnte. Da ist die Freude wirklich groß.

Und wenn man die Aufzeichnung so betrachtet, sieht sie auch irgendwie aus wie ein Schmetterling. Oder geht da gerade die Fantasie mit mir durch? Aber das ist alles nicht das, was mich so geflasht hat. Vielleicht fange ich mal mit meinem Plan von heute Morgen an.

Vom Plan zur Tat

„Wenn das Kind im Kindergarten ist, fährst du mal zu deiner alten Hausstrecke und läufst eine kleine Runde von ca. 5 bis 6 km.“ Das war der Plan. In diese Strecke hatte ich mir im Vorfeld schon den Grünweg Climb eingebaut, der ziemlich genau über einen Kilometer den Philippionsweg hinauf geht. Ein wirklich toller Trail, der mich aber damals regelmäßig zerstört hat. Und es lief. Der erste kleine magische Funken war gezündet, als ich ohne Pause oben ankam.

Nun hatte ich geplant, in einem großen Rechtsbogen den Friedrichsweg zu laufen und dann über den Kronenberg an Gut Hasselholz vorbei wieder zum Auto zu laufen. Aber als ich an dem alten Gutshof vorbei lief, sah ich den Hasselholzer Weg rechts von mir abgehen und musste mich daran erinnern, wie ich hier früher regelmäßig abgeschmiert bin. „Das schaffst du doch jetzt locker“ schoss es mir durch den Kopf und innerhalb von Sekundenbruchteilen war die Entscheidung klar: Ich muss da jetzt hoch und es mir beweisen. Chaka! Das klappte auch. Magischer Moment Nr. 2. Dafür, dass ich eigentlich schon längst wieder am Auto sein wollte, lief es sehr gut. Auch der direkt folgende Moresneter Weg, der auch noch mal ordentlich bergan geht, machte keine Probleme. Und so lief ich wieder in Richtung Philippionsweg, den ich zu Beginn bereits hinauf gelaufen war. Dieses Mal ging es jedoch bergab. Feinste Trail-Action!

Nun sollte es aber reichen, denn die Uhr zeigte gute 9 km an, als ich am Auto ankam. Doch was war das? Auf der anderen Straßenseite, so erinnerte ich mich, lag die Düstergasse. Eine kleine Gasse, die, so habe ich sie damals gesehen, steil nach oben geht. „Die nehme ich jetzt auch noch mit“ dachte ich mir und lief am Auto vorbei in Richtung Gut Hanbruch, woran die Gasse vorbei führt. Rapzap war ich wieder oben angelangt und hatte auch diesen magischen Moment eingetütet. 10 km hatte ich jetzt auf der Uhr – und ein dickes Lächeln auf den Lippen.

Fazit

Der eine oder andere wird sich jetzt fragen, warum ich euch das erzähle. Ganz einfach: Weil ich mich so sehr freue. Wenn du Jahre lang Berge siehst, wo irgendwann dann keine mehr sind, macht es schon ein bisschen stolz, wenn es dann irgendwann klappt. Nicht, dass die drei Anstiege vor Höhenmetern nur so strotzen, aber ich bin sie damals einfach nicht hoch gekommen. Ich habe jedes Mal gekämpft – und habe es an keinem einzigen geschafft. Und dann habe ich heute direkt alle drei auf einmal genommen.

Lange war ich hier nicht mehr laufen und seitdem ist viel Wasser den Rhein hinunter geflossen. Aber Tage wie dieser geben mir die Bestätigung, dass ich bis hierhin alles richtig gemacht habe, was meine Fitness anbelangt. Und darauf war ich heute einfach noch mal seit langer, langer Zeit so richtig stolz, weil ich es mir selber vor Augen geführt habe. Es war halt in der Tat irgendwie magisch.

Und du? Sind dir solche Momente auch schon mal begegnet, in denen du einfach alles vergisst, du dich gut fühlst und es dir selber beweist? Wächst du manchmal über dich hinaus? Oder hast du sogar auch solch magischen Momente?

22 Kommentare

  1. Jetzt habe ich ein fettes Grinsen im Gesicht, weil ich mich so für dich freue!!! Du hast die Berge quasi abgetragen bzw. abgelaufen.

    Sauber!

    Ich selbst hatte so ein ähnliches Gefühl, als ich das erste Mal mit Tourenski unterwegs war. Alter, ist das ne Plackerei… aber umso genialer wars dann, oben zu stehen!

    Bei weitem nicht mit deinem Erfolg zu vergleichen, aber ein kleiner Erfolg für mich :)

    Danke fürs Teilen deiner magischen Momente!

    Lieben Gruß!

  2. Genial! Dieses Gefühl kenne ich auch! Gigantisch!
    Glückwunsch Axel und weiterhin alles Gute für die Genesung und die verletzungsfreie Zeit.
    Genieße jede Sekunde auf den Trails dieser Welt.

    Das Einbetten des Moves im Blog ist ja genial. Habe die Funktion bisher immer gekonnt ignoriert.
    Muss ich auch mal ausprobieren.

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

  3. Ich kann deinen Stolz soooooo gut verstehen.
    Im Bergischen die Berge hoch laufen, war lange Zeit für mich undenkbar, heute ist es das wieder aber es stört mich nicht mehr so.
    Irgendwann fast unbemerkt, wurden Berge scheinbar kleiner, flacher, leichter zu laufen.
    Oh ja, das ist ein tolles Gefühlt

    Viel Spaß weiterhin und vor allen Dingen Gesundheit
    Elke

  4. Coole Sache, Axel. Da freut man sich richtig mit dir. Hatte erst am vergangenen Wochenende einen ähnlichen Flash, allerdings bergab, mit Ski, jenseits der Piste. Nach zwei Kursen hatte ich mein letztes Abseits- und Tiefschneevergnügen 2008, wobei mir allerdings das Kreuzband riss. Nach OP, dem ersten Kind und dann dem zweiten Kind, getraute ich mich nicht mehr auf die Bretter. Bis vor kurzem. Aber die Angst fuhr mit. Trotzdem: ich hab mich getraut, und ich hab gemerkt: ich kann es noch und es macht Spaß. Ein gutes Gefühl. Alles Gute Dir

  5. Natürlich Axel,
    bei meiner ersten eigenen Skitour, wenn auch nur hoch zur Verpeilhütte mit anschließender Abfahrt auf dem Forstweg, was für ein Abenteuer!
    Oder meine erste Halbmarathonstrecke im Siebengebirge, auch sehr cool. Anstrengend, 4 Tage Muskelkater, aber hoch zufrieden!
    Oder letztens die Sache mit dem Sam, dem alten Kuscheltier! Wirklich niedlich, der Kleine… :-)
    Und, und, und…
    Coole Sache, Bernd

  6. Geniale Sache, Axel! Freut mich für dich, ist wirklich ein tolle Gefühl. Es gibt manchmal so Tage, da läuft es einfach und alles passt. Magische Momente trifft es sehr gut.

    PS: Genialer Bart – steht dir!

  7. Ja, das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man von einem erfolgreichen Lauf nach Hause kommt. Wenn man dann noch so etwas erlebt, ist das natürlich noch besser.
    Gruß

  8. Das hört sich richtig, richtig großartig an! Freut mich sehr für dich. Du bist auf einem tollen Weg und ich hoffe, dass du weiterhin gut durch das Training kommst. Vor allem ohne Verletzungen!

    • Danke, Din. Dass es jetzt mal ohne Verletzungen weitergeht, hoffe ich auch. Das Jahr Zwangspause hat echt keinen Spaß gemacht.

  9. und wie… es sind (für mich) nicht die Rennen, sondern die Läufe vorbei an versteckten Plätzen… und plötzlich kommt dieser Flow… einfach nur GEIL…
    Wünsche dir noch viele viele viele solcher Erlebnisse!!! Genau das macht das (Läufer)Leben aus :-)
    Cheers

  10. Christian Schulz 25. Januar 2015 at 17:37 - Reply

    Ein Jahr Zwangspause ? echt hart aber das packst du :) ich hoffe du schaffst das – was du dir vorgenommen hast :)

  11. Das Beste am Laufen ist, dass man sich anschließend immer (!) besser fühlt als zuvor. Ich habe mir vor mehr als 6 Monaten eine schwere Knochenprellung (die Heilung kann bis zu 2 Jahren dauern :() mit mehreren angerissenen Bändern zugegogen – entsprechend war in dieser Zeit an Laufen nicht zu denken. Obwohl ich in dieser Zeit hin und wieder schwimmen war, war es ohne Laufen einfach furchtbar. Ich hatte Depressionen und nahm so einige Kilos zuUnd nun war ich vor einigen Tagen zum ersten Mal wieder laufen – noch vorsichtig, mit einer Spezialbandage. Aber alles lief gut und das Gefühl am Ende war einfach unbeschreiblich.

    LG, Carsten

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